Podiumsdiskussion mit GaW-AG „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“

Integration auf Augenhöhe

Die Arbeitsgemeinschaft „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ des Gymnasiums am Wall hatte zu einer Podiumsdiskussion über die Situation der Flüchtlinge eingeladen. - Foto: Haubrock-Kriedel

Verden - Die Situation der Flüchtlinge im Landkreis Verden beschäftigt junge Menschen. Die Schülerinnen und Schüler der AG „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ am Gymnasium am Wall hatten am Donnerstag ihre Mitschüler zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Bürgermeister Lutz Brockmann, Catherine Lohmann (Verein „Verden hilft“), Niklas Diering (DRK), Kai Stücklen (Jugendamt), Elke Seemann (Familienkrankenschwester) und Mareike Peters (Magdeburg, Integrationsamt) berichteten über ihre persönlichen Erfahrungen mit Flüchtlingen.

Im Landkreis Verden herrsche eine „gemischte Stimmung“, so Brockmann. Es gebe sowohl einen großen Kreis spontaner Helfer als auch viele Menschen, die Angst hätten. „Es ist gut, wenn die Menschen mit Angst im demokratischen Spektrum bleiben. Es gibt einen Großteil Menschen ohne Orientierung. Wichtig ist, dass die Demokraten aktiv sind und Orientierung liefern“, so der Bürgermeister.

Er bezeichnete es ferner als positiv, dass die Wirtschaft bemüht sei, die Flüchtlinge zu integrieren. „Alle entscheiden mit, ob die berufliche Integration gelingt. Jeder Flüchtling, der Sozialversicherungsbeiträge bezahlt, entlastet die junge Generation“, gab Brockmann zu bedenken. Man müsse weg von der Flüchtlingshilfe, hin zur Integration. „Ich möchte, dass die, die in Verden bleiben dürfen, auch bleiben wollen.“

Brockmann schlägt Patenschaft vor

Catherine Lohmann beschrieb die Aktivitäten des Vereins „Verden hilft“, der sich seit Oktober 2015 um die Flüchtlingshilfe kümmert und diese organisiert. „Der Verein versucht, schnell zu arbeiten und flexibel auf Herausforderungen zu reagieren.“ Als Projekte, die bereits realisiert wurden, nannte sie das Begegnungsfest, die Kleiderkammer, die mit der Unterstützung der Stadt Verden eingerichtet wurde, die Flüchtlingsoase in Zusammenarbeit mit der LKG, die Kinderbetreuung in den BBS sowie Sport- und Freizeitangebote für Flüchtlinge.

Niklas Diering berichtete über die Arbeit des DRK in den Sammelunterkünften. „Wir geben unser Bestes, um den Ablauf in den Unterkünften zu regeln und den Kontakt zu den Schnittstellen herzustellen“, sagte er. Weil geeignete Wohnungen fehlen, mache sich langsam Verdruss unter den Flüchtlingen breit. Man müsse sich bemühen, aufeinander zuzugehen und denjenigen Kontra geben, die die Flüchtlingsproblematik aus der „braunen Ecke“ betrachten, sagte Diering unter großem Beifall der Schülerschaft.

Kai Stücklen erzählte von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Viele wollten zunächst nicht in eine Jugendunterkunft, sondern blieben lieber in den Sammelunterkünften. Ferner müsse jemand gefunden werden, der die Rolle der Eltern übernehme. Diese Person zu finden, sei Aufgabe des Jugendamtes. „Egal, ob Flüchtling oder nicht, die Sorgen und Nöte der Jugendlichen sind die gleichen“, weiß Stücklen.

Elke Seemann kümmert sich als Familienkrankenschwester auch um junge Asylbewerberinnen, die ein Baby bekommen haben. Sie hat erfahren, dass es viele unterschiedliche Sitten und Gebräuche beim Umgang mit den Kindern gibt. „Das muss man einfach akzeptieren“, sagte sie.

Mareike Peters hat beobachtet, dass sich die große Angst der Bevölkerung in Sachsen-Anhalt oft in Übergriffen auf Flüchtlinge niederschlägt. „Beschimpfungen in der Straßenbahn gehören zum Alltag“, bedauert sie. Begegnungen könnten helfen, die Ängste zu minimieren.

Die Schülerinnen und Schüler wollten schließlich wissen, was sie konkret für Flüchtlinge tun können. Catherine Lohmann schlug vor, in der Kleiderkammer zu helfen oder auch für geplante Veranstaltungen eigene Ideen einzubringen. Niklas Diering könnte sich vorstellen, Jugendliche aus den Sammelunterkünften einfach einmal zu gemeinsamen Unternehmungen einzuladen. „Viele Helfer sind schon älter, da würde frischer Wind gut tun.“ Lutz Brockmann hatte die Idee, dass Jugendliche als „Paten“ einem Flüchtling beim Ankommen helfen könnten. „Wichtig ist, dass die Hilfe auf Augenhöhe geschieht, sonst kann keine Integration gelingen“, betonte Mareike Peters. - ahk

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