Innenstadt-Experte referiert vor Kaufmannschaft / Umbruch im Handel

Das Geschäft wird zum Show- und Erlebnisraum

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Im Gespräch (v.l.): Harald Nienaber, Vorsitzender Kaufmännischer Verein, Siegfried Deutsch, IHK Verden, Nicole Volmer, Stadtmarketing, Referent Norbert Hoffmann, KSK-Regionaldirektorin Sonja Hausmann und Bürgermeister Lutz Brockmann.

Verden - Von Markus Wienken. Keine Frage, der Mann macht Hoffnung: „Die Innenstadt ist gefragt, immer mehr Menschen kommen zurück. Der Trend spielt dem Einzelhandel in die Karten“, so Marketing-Experte Norbert Hoffmann. Und an die Adresse der Kaufmannschaft: „Quer denken und nicht warten, bis alle mitmachen, jede noch so kleine Aktion zählt.“

Leerstand, Verlust von Kunden und Kaufkraft. Die Innenstädte kämpfen um Ansehen und Attraktivität. Doch was tun? Verdens Kaufmannschaft, die Industrie- und Handelskammer Stade, Geschäftsstelle Verden und die Stadt Verden wollten genau wissen, wohin die Reise geht. Norbert Hoffmann, Geschäftsführer der Firma „e5.marketing“, gilt als Fachmann und lieferte am Montagabend in der Kreissparkasse Verden ein ganzes Bündel an möglichen Projekten.

Eine Patentlösung habe er nicht, doch wohin die Reise führt, da legte Hoffmann sich fest: „Die Innenstadt wird und muss sich verändern und dabei gilt es, die eingefahrenen Gleise zu verlassen.“ Innenstadt bedeute eben nicht nur mehr Handel sondern auch wohnen. Entgegen den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als die Menschen aus der Stadt auf das Land drängten, habe sich der Trend nun umgekehrt. „Täglich ziehen über 200000 in die Städte. Das ist unsere Chance.“

Und wer in die Stadt kommt, der will sich dort wohlfühlen, arbeiten und leben. „Das Stadtzentrum muss das Wohnzimmer sein, mit viel Grün, ein sozialer Raum, wo Kommunikation stattfindet“, so Hoffmann. Als Beispiel führte er die wöchentlichen Märkte an. „Eine riesige Chance in Verden, die Sie nutzen sollten.“ Schon mit relativ wenig Aufwand lasse sich viel bewirken. Ein Marktfrühstück, dazu Gastronomie und die sensible Entscheidung, wo welcher Marktstand seinen Platz habe. „Auf keinen Fall gehört er direkt vor den Eingang eines Geschäftes“, betonte Hoffmann.

Völlig verändert hat sich nach Auffassung des Experten das Kaufverhalten. Wo der Kunde online auf dem Sofa shoppt, muss der Einzelhandel reagieren und ihn da abholen. „Das Geschäft in der Stadt wird zum Show-, zum Erlebnisraum in ganz besonderer Atmosphäre.“ Und: „Alles, was es nicht stationär im Laden zu kaufen gibt, kann, entsprechend präsentiert, online bestellt werden. Das Internet ist praktisch ihr verlängertes Regal.“

Immer auf der Suche nach neuen Entwicklungen, heiße es, bestimmte Trends zu erkennen und für sich zu nutzen. „Ein Fahrradladen zeigt einmal pro Woche einen Kinofilm. Da steht dann statt Öl eben Wein auf der Theke“, erzählte Hoffmann. „Und der Laden ist voll.“

Schon fast beschwörend der Appell von Hoffmann in Richtung politische Parteien: „Völlig falsch ist es, Innenstadt und deren Gestaltung zum Wahlkampfthema zu machen.“ Und an die Geschäftsleute. „Der Einzelhandel hat es schwer. Gründen Sie Standortgemeinschaften, Kooperationen, egal ob in kleinem und großen Rahmen.“ Dazu gehörten eine „App“ mit gemeinsamen Angeboten ebenso wie die individuelle Gestaltung von Schaufenstern oder – ganz beliebtes Thema – einheitliche Öffnungszeiten.

Für gemeinsame Aktionen warb auch Sonja Hausmann. Die Regionaldirektorin der Kreissparkasse hatte zuvor die Gäste in der KSK begrüßt. „Verden hat eine gut Ausgangslage. Daraus sollten wir etwas machen“, forderte sie. Bürgermeister Lutz Brockmann will „in einer großen Gruppe was bewirken“. Harald Nienaber, Vorsitzender des Kaufmännischen Vereins, und Siegfried Deutsch, Leiter der IHK-Geschäftstelle in Verden, sehen den „Umbruch auch als Chance für etwas Neues“. Die abschließende Empfehlung von Hoffmann: „Warten Sie nicht ab, tun Sie etwas, sonst komme ich wieder.“

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