Inklusions-Projekt inklusiv VERbunden 

Die breite Basis ist das Besondere an Verden

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Im Bürgertreff berichteten Slavka Maljkovic, Monika Bleckwehl und Reinhard Witt vom Netzwerk Regina Traub und Claudia Pappert (v. r.) von der Arbeit und ersten Erfolgen.

Verden - Wie Inklusion in Verden umgesetzt wird, wollten Regina Traub, Projektberaterin der NBank für „Ausbildung und Innovation“, und Claudia Pappert, im Kultusministerium verantwortlich für das Programm „Inklusion durch Enkulturation“ (IdE), vor Ort erfahren. Einen Tag nahmen sie sich Zeit, um sich über die Arbeit des städtischen Projektes „inklusiv VERbunden“ zu informieren. Sie zeigten sich beeindruckt von den Bemühungen, Inklusion in der Kommune auf eine breite Basis zu stellen. Das sei ein besonderes Merkmal des Verdener Projektes im Vergleich zu anderen.

„Inklusiv Verbunden“ ist eines von derzeit zehn Projekten in Niedersachsen, die über das Programm IdE mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds unterstützt werden. Ausgangspunkt und Ziel des Projektes ist, Bildungsgerechtigkeit zu erhöhen. Jedes Kind hat Anspruch auf ihm entsprechende und individuelle Bildungsangebote. „Nach inklusivem Verständnis findet Lernen an den verschiedensten Orten statt“, erklärt die Verdener Projektkoordinatorin Margarete Meyer in einer Pressemitteilung. Neben den klassischen formalen Bildungseinrichtungen Schule und Kita seien das auch Stadtteileinrichtungen und Vereine.

Welche Schritte geht das Projekt, um Bildungsgerechtigkeit zu fördern? Welche Bildungsnetzwerke gibt es, wer ist daran beteiligt? Diese und andere Fragen hatten die beiden Gäste aus Hannover mitgebracht: „Wir kennen die Projekte schon sehr lange, nun möchten wir uns vor Ort ein Bild machen und schauen, wie inklusive Prozesse umgesetzt werden.“

„2008 sind wir mit wenigen Menschen gestartet und hatten als Ausgangspunkt die städtischen Kitas. Damals standen die Qualifizierung in inklusiven Haltungen, Strukturen und Praktiken im Vordergrund“, sagte Margarete Meyer zu Beginn ihrer Ausführungen.

Immer mehr Gruppen helfen mit

In den Folgejahren wurden Mitarbeiterinnen aus Stadtteileinrichtungen, Jugendzentrum, von Kitas in freier Trägerschaft, aus dem Ganztag verschiedener Schulen und Trägern ambulanter und stationärer Hilfen zur Erziehung in diese inklusive Fortbildung einbezogen. Seit 2016 werden in Wohngebieten und Ortschaften sogenannte Bildungsnetzwerke gegründet. Dabei sind Kindertagesstätten und Stadtteileinrichtungen wie der Bürgertreff und das Haus am Oderplatz, Initiativen, Vereine, Kirchengemeinden und Bewohner.

Sie alle stehen für niedrigschwellige Bildungsangebote, die allen Menschen zugänglich sein sollen. Ziel dieser lokalen Netzwerke ist, dass Bewohner und Bewohnerinnen sich willkommen fühlen, immer mehr Menschen sich für Belange in ihrer Nachbarschaft einsetzen und erfahren, dass sie etwas bewirken können. Sie organisieren Willkommenscafés, Eltern-Themen-Frühstücke, fehlende Angebote für die Menschen im Stadtteil, Feste oder so etwas wie das Jump-Festival für Jugendliche.

„Unser vorläufiges Ziel 2020 ist die Verstetigung inklusiver Prozesse“, erläuterte Meyer. Sie benannte auch die Wegmarken, damit Inklusion ein wichtiges Anliegen für viele Menschen in Verden bleibt: Die Netzwerke in den Wohngebieten, die inklusive Entwicklung der städtischen Kindertagesstätten zu Familienzentren und der kommunale Aktionsplan Inklusion. Dabei würden die Weiterbildung bei Mitarbeitern, Mitarbeiterinnen und Netzwerkpartnern sowie Veranstaltungen, die Inklusion in den Mittelpunkt stellen, ständige Begleiter. Lutz Brockmann hob hervor, dass auch die Verwaltung sich neben den Projektaktivitäten mit dem Thema Inklusion befasst. Nur wer selbst eine inklusive Haltung entwickelt, könne Änderungen anstoßen.

Netzwerkarbeit in Borstel

Claudia Pappert und Regina Traub zeigten sich beeindruckt von den Bemühungen. Inklusion auf breiter Basis in der Kommune aufzustellen, sei ein besonderes Merkmal von Verden. Weite Teile des Stadtgebietes sind bereits über die Netzwerke erreicht. In den nächsten Jahren sollen weitere folgen.

Im Mehrgenerationenhaus Bürgertreff berichteten Mitglieder des Netzwerkes Verden Ost/Borstel. über Wirkung und Erfolge. Durch das Kennenlernen sei schon viel entstanden. Es gab ein großes gemeinsames Fest, an dem sich Kita, Bürgertreff, die Ortschaft Borstel und Netzwerkpartner beteiligt haben. Slavka Maljkovic hob hervor, dass durch die Aktionen und Vorhaben im Bildungsnetzwerk die Eltern der Kita das Mehrgenerationenhaus neu wahrnehmen. Es werde zu einer Einrichtung, in der es auch Angebote für sie gibt. Eine weitere Auswirkung der Netzwerkarbeit sei die Kooperation des TSV Borstel mit der Kita. Die Vernetzung macht nun eine Hallennutzung möglich.

Monika Bleckwehl erwähnte, dass sich die Zusammenarbeit mit anderen Verdener Stadtteileinrichtungen wie dem Haus am Oderplatz ebenfalls entwickelt. Es gebe gemeinsame Veranstaltungen wie Ausflüge und Kaffeenachmittage.

Auch Reinhard Witt hatte Wirkungen des Bildungsnetzwerks festgestellt: ein verändertes Verhältnis zum Bürgertreff. „Früher war er eine Einrichtung mit Einzelangeboten für die Bewohner des angrenzenden Wohngebietes. Heute sei er eine Einrichtung für alle in Verden Ost/Borstel.“

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