Auslaufen der Förderschulen

Inklusion: „Landkreis steht vor Entscheidung“

Landkreis - Bislang hatte der Landkreis bei der Einführung der Inklusion in den Schulen eine Vorreiterrolle übernommen. Angebote wie Basis und Verdibus, die bei Problemen fachlich helfen, hatten auch überregional für Anerkennung gesorgt. Jetzt aber steht der Kreis vor grundsätzlichen Entscheidungen, machte Anke Kastenschmidt den Mitgliedern des Schulausschusses deutlich. Als Leiterin der Erich-Kästner-Schule in Achim koordiniert sie die Unterstützungsangebote und die Vernetzung der Kompetenz ihrer Förderschule. Das Förderzentrum Lernen aber ist ein Auslaufmodell.

Fast zehn Jahre ist die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen mittlerweile in Kraft. Die erste Ebene, in der die umfassende Teilhabe aller Menschen in die Gesellschaft, die Inklusion, einen festen Platz erhält, ist die Schule. Aber mit dem Beschluss, alle Schüler gemeinsam zu beschulen, ist es nicht getan. Unterstützung bei den unterschiedlichsten Handicaps muss zur Verfügung stehen, wenn den Kindern die Teilhabe möglich sein soll.

Bei der wachsenden Zahl von Kindern, die mit sozialen und emotionalen Problemen in die Schulen kommen, leisten Basis und Verdibus wertvolle Unterstützung. Und die werde auch immer mehr benötigt, berichtete Kastenschmidt den Schulpolitikern des Kreistags. Hinzu kommen immer mehr Kinder aus anderen Kulturen, mit traumatischen Erfahrungen oder fehlender Schulreife. Dass die Förderschulen als Kompetenzzentrum mit entsprechend ausgebildeten Pädagogen sich hier eine Anlaufstelle etabliert haben, habe sich bewährt.

Und dass die Schulen diese Funktion schätzen, konnte Gerard-Otto Dyck (SPD) als Schulleiter bestätigen. Laut Schulgesetz aber läuft die Förderschule seit 2013 aus. Seitdem werden alle Schüler, die ehemals in die Förderschule gekommen wären, in den Grundschulen eingeschult. Mittlerweile gebe es kein Grundschulangebot und keinen fünften Jahrgang mehr, so Kastenschmidt.

„Sonderpädagogen gehören grundsätzlich in jeden Jahrgang“

Im Ausschuss beurteilten Dyck ebenso wie die stellvertretende Vorsitzende des Gremiums, Isabel Gottschewsky (CDU), das Angebot der Förderzentren als Wissens- und Austauschzentrale als wichtig. Dörte Liebetruth (SPD) sah allerdings die gemeinsame Beschulung aller Kinder als eindeutige Folge aus der UN-Konvention und damit als das Ziel der Inklusion an. „Sonderpädagogen gehören grundsätzlich in jeden Jahrgang“, war denn auch der Lösungsansatz, den Erich von Hofe befürwortete. Der Grüne konnte aber auch den Möglichkeiten und speziellen Angeboten etwas abgewinnen, die die Förderzentren bieten.

Auch Landrat Peter Bohlmann bedauerte das Verschwinden der Förderschulen als koordinierendes Zentrum. Die vom Gesetz vorgesehenen Regionalen Beratungs- und Unterstützungszentren Inklusive Schule (RZI) könnten diesen Aufgaben wohl eher nicht gerecht werden. Referentin Kastenschmidt legte aber nahe, dass der Landkreis sich entscheiden müsse, ob er die bislang übernommene Verantwortung für die Aufgabe weiter tragen will. 

 kle

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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