Infoveranstaltung zu neuen Sammelunterkünften für Flüchtlinge

Verdichtung schürt Ängste bei den Anwohnern

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Informierten über die aktuelle Flüchtlingssituation in Verden: Hauptkommissar Timo Gerdes, Polizeirat Ingo Jans, Landrat Peter Bohlmann, Bürgermeister Lutz Brockmann und Hans-Jürgen Bohling, Stadt Verden (v.l.).

Verden - In der ehemaligen Produktionshalle der Stadtwerke, in der Kreismusikschule, im Verdener Hof sowie im früheren Telekomgebäude in der Cluventhalstraße entstehen gerade neue Sammelunterkünfte für Flüchtlinge. Aus diesem Grund hatten Landrat Peter Bohlmann und Bürgermeister Lutz Brockmann für Mittwoch zu einer Informationsveranstaltung in das Rathaus eingeladen.

„Es ist wichtig, dass wir miteinander reden und offene Fragen beantworten“, betonte Brockmann. Landrat Peter Bohlmann machte deutlich, dass die Flüchtlingszahlen in den vergangenen Monaten an Dynamik zugenommen hätten. Eine Prognose, wie sie sich 2016 entwickeln, wagte er nicht.

„Die Erstaufnahmeeinrichtungen in Niedersachsen sind überfüllt“, so Bohlmann. Auch der Landkreis Verden sei betroffen, da er seit Oktober zur Amtshilfe für die Erstaufnahme von Flüchtlingen herangezogen worden sei. In den Turnhallen im Landkreis leben zurzeit circa 400 Personen. „Die Turnhalle des GaW wird die erste sein, die dafür nicht mehr zur Verfügung steht“, erklärte der Landrat. Einige der dort lebenden Asylsuchenden ziehen schon in der nächsten Woche direkt in die neuen Sammelunterkünfte. „Wir werden allerdings nicht umhinkommen, Flüchtlinge auch weiterhin in der Turnhalle der BBS unterzubringen“, berichtete er.

Die Personen, die in den neuen Sammelunterkünften untergebracht werden, hätten mittlerweile die Erlaubnis, im Landkreis Verden zu bleiben. „Es sind Menschen, die mindestens ein halbes Jahr im Landkreis wohnen und die wir kennen. Wir können unsere Erfahrungen heranziehen, um eine konfliktfreie Belegung zu erreichen“, so Bohlmann.

In jeder der neuen Unterkünfte werden maximal 70 Personen leben. Die Asylsuchenden können sich dort selbst versorgen. Eine Betreuung für acht Stunden täglich ist durch das Rote Kreuz gewährleistet, als hauptamtlicher Mitarbeiter ist Niklas Diering verantwortlich. In der Musikschule ist zusätzlich der Hausmeister als Ansprechpartner zu erreichen.

Einige Bürgerinnen und Bürger hatten jedoch starke Bedenken bezüglich der Nähe zu den neuen Mitbürgern. Gerade die Konzentration der Flüchtlinge im Bereich Cluventhalstraße, Marienstraße und GaW schürt die Ängste. Auch, dass die Musikschule den Kindern nicht mehr als Unterrichtsort zur Verfügung steht, stieß teilweise auf großes Unverständnis. „Auch wir haben ein Interesse an einer gleichmäßigen Verteilung, doch wir haben momentan eine Notlage“, brachte Bohlmann es auf den Punkt. „Erfüllt der Landkreis Verden nicht seine Aufnahmepflicht, dann ist die Obdachlosenbehörde der Stadt dran. Ich bezweifele, ob das ein besseres Ergebnis wäre“, stellte der Landrat klar. Es würden Bemühungen laufen, andere Räumlichkeiten als Ersatz für die Musikschule anzumieten.

„Ich habe Angst vor der rechten Stimmung in Verden“, sagte eine Bürgerin, deren Grundstück direkt an die Musikschule grenzt. „Meine Tochter ist das einzige Mädchen in ihrer Klasse, das kein Pfefferspray in der Tasche hat.“ Sie selbst und ihre Familie hätten noch keine negativen Erfahrungen mit den Flüchtlingen gemacht. „Angst verschwindet in dem Maße, in dem wir Kontakt zu den Flüchtlingen haben“, bestätigte eine andere Bürgerin.

Polizeirat Ingo Jans, Leiter Einsatz der Polizeiinspektion Verden/Osterholz, bescheinigte, dass der Bevölkerungszuwachs nicht mit einem gleichen Zuwachs der Kriminalität einhergeht. „Wir sind verpflichtet, alle Einsätze zu melden und verschweigen nichts“, trat er dem Vorwurf entgegen, die wahren Tatsachen zu verschleiern. Die Streitigkeiten unter den Bewohnern in den Erstaufnahmeeinrichtungen seien aus sozialem Stress entstanden. Jeder der unter diesen Bedingungen leben müsste, würde genauso reagieren. Jans verwies zudem auf Präventionsprojekte in Schwimmbädern und Schulen.

Der Landrat wies darauf hin, dass sich die Zusammensetzung der Asylsuchenden in den letzten Monaten verändert habe. Es gebe jetzt mehr Familien mit Kindern. Der Anteil der Männer betrage nur noch 40 Prozent. Weiter betonte er, dass die Sammelunterkünfte kein Dauerzustand seien. Auch der Verdener Hof werde keinesfalls, wie oft behauptet, ein Obdachlosenheim, es werde eine gute Nachnutzung geben.

ahk

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