Serie Inklusion für Verden Teil IV: Das Projekt Leichte Sprache

Information ohne Barriere

Der Landkreis und die Polizei bieten ihre Informationen auch in leichter Sprache an.
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Der Landkreis und die Polizei bieten ihre Informationen auch in leichter Sprache an.

Wer schon mal an den Formulierungen und Paragrafenlisten von öffentlichen Formularen oder bei der Steuererklärung verzweifelt ist, weiß, dass die Gestaltung von Texten ein echtes Hindernis sein kann. Auch die Informationen einer Internetseite können die Interessenten nur nutzen, wenn sie die auch verstehen können. Leichte Sprache soll helfen, solche Barrieren abzubauen.

Verden – Wenn es nicht die Inhalte sind, die man nicht durchschaut, sondern nur die Art und Weise, wie sie vermittelt werden, entstehen Probleme. Menschen werden ohne Not ausgeschlossen. Und weil man Leichte Sprache auch lernen kann, hat der Aktionsplan Inklusion den Wunsch aufgegriffen, dass dem abgeholfen werden soll.

Im Themenfeld Bildung des gültigen Plans steht die Forderung an fünfter Stelle. Ein Workshop war schon organisiert, die Anmeldungen liefen, aber die Leichte Sprache wurde Opfer der Corona-Epidemie. Er hätte Mitte April stattfinden sollen und musste abgesagt werden. Er soll aber zu einem späteren Termin nachgeholt werden, verspricht Katharina Kuß von der Stadt Verden.

Zunehmend bemühen sich Behörden, die Barrieren zu beseitigen. Auf der Internetseite des Landkreises Verden etwa finden sich Informationen in leichter Sprache gleich neben den Versionen in Englisch, Französisch, Arabisch oder Persisch. Stadtverwaltung und Arbeitsagentur bieten ihre Informationen auch in der leichter verständlichen Ausgabe an. Auch der Ärger mit der Steuererklärung könnte vorbei sein. Das Online-Finanzamt Elster jedenfalls ist auch in leichter Sprache zu haben.

„In Verden gibt es sehr viele Angebote im Bereich Bildung und Freizeit. Leider werden sie oftmals nicht angenommen, weil man die Zielgruppen nicht passend anspricht“, meint Katharina Kuß. Sie kümmert sich für die Stadtverwaltung und die Fachstelle Inklusion, Integration und Prävention um den Workshop. „In diesem Workshop lernen Sie, wie es besser gelingen könnte“, fasst Kuß zusammen. „So zu schreiben, dass man von jedem verstanden wird, das ist Ziel dieses Workshops.“

Die Veranstaltung hatte Kuß mit der Lebenshilfe in Bremen organisiert. Deren Büro für Leichte Sprache überträgt als Beratungs- und Übersetzungsbüro schwer verständliche in Leichte Sprache. „Um sich selbstständig und selbstbestimmt in der Welt bewegen zu können, ist es wichtig, Sprache und Texte zu verstehen“, erklärt die Bremer Organisation. „Für Menschen mit Beeinträchtigung, sei es mit Sinnesbeeinträchtigung, kognitiver Beeinträchtigung oder einer Lernbehinderung, ist dies zum Teil sehr schwer bis unmöglich.“

Damit Texte für Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen verständlich werden, müsse die Sprache an die aktuelle Lesekompetenz angepasst werden. Dieses kann zum Beispiel durch eine Vereinfachung der Grammatik, des Satzbaus und der Sprache erreicht werden. Zusätzliche Erläuterungen, Textergänzungen mit Bildern und Symbolen helfen dabei, Texte verständlicher zu machen.

Die Agentur „leicht gesagt“ hat das knapp zusammengefasst: „Für Leichte Sprache gibt es klare Regeln, in Deutschland und europaweit. Verwendet werden einfache, kurze Wörter aus der Alltagssprache, möglichst keine Fremdwörter. Schwierige Wörter oder Fachbegriffe werden erklärt“, fasst die Agentur leicht gesagt zusammen. Tätigkeitsworte seien besser als Hauptworte. Oft wiederholte Begriffe erleichterten das Verständnis. Ebenso möglichst kurze Hauptsätze. Wörter sollten nicht getrennt werden. Nur zusammen-gesetzte Wörter würden mit Binde-Strich geschrieben.

Einfach und kurz – das ist leichte Sprache

Eine große, linksbündige Schrift, viele Absätze und deutliche Überschriften machten die Texte übersichtlich. „Menschen mit Lernschwierigkeiten, Menschen, die nur wenig lesen und schreiben können, Menschen, die nicht so gut Deutsch können, wer ein eingeschränktes Sprachverständnis, etwa nach einem Schlaganfall oder einem Hirntumor hat, ist mit leichter Sprache eher zu erreichen. Das bewahrt vor Ausgrenzung und hilft, selbstbestimmter leben zu können.“

Von Ronald Klee

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