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An den BBS Verden in Teilzeit zu Sozialassistentin und Erzieherin

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Von: Katrin Preuß

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Strahlende Gesichter bei den Lehrkräften Dorothee Wille (l.) und Wilhelm Lampen sowie den Schülerinnen (v.l.) Patricia Rademacher, Antje Fehsenfeld und Christina Mittelbach. Das Modell der Teilzeitausbildung zur Sozialpädagogischen Assistentin hat sich bewährt. Und es motiviert, sich noch weiter zu qualifizieren.
Strahlende Gesichter bei den Lehrkräften Dorothee Wille (l.) und Wilhelm Lampen sowie den Schülerinnen (v.l.) Patricia Rademacher, Antje Fehsenfeld und Christina Mittelbach. Das Modell der Teilzeitausbildung zur Sozialpädagogischen Assistentin hat sich bewährt. Und es motiviert, sich noch weiter zu qualifizieren. © Preuß

Die Teilzeit-Ausbildung zu Staatlich geprüften Sozialpädagogischen Assistenten ist an den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Verden bereits ein Erfolgsmodell. Jetzt legen die BBS nach und bieten auch die daran anknüpfende Erzieher-Ausbildung an, ebenfalls in Teilzeit. Die erste Klasse startet im Februar 2023.

Verden – Es ist eine bunt gemischte Gruppe, die da gemeinsam die Schulbank der Fachschule Sozialpädagogik an den BBS in Verden drückt: 20 Frauen und ein Mann im Alter zwischen 20 und 56 Jahren, mit ganz unterschiedlichen Lebensläufen und kulturellen Hintergründen. Aber „die Klassengemeinschaft ist sehr gut“, bescheinigt Fachlehrerin Dorothee Wille den Schülern einen großen Zusammenhalt.

Kein Wunder, brennen doch alle für dasselbe Ziel: Im Dezember, nach eineinhalbjähriger Ausbildung in Teilzeit, wollen sie erfolgreich ihre schriftlichen und praktischen Tests zu Staatlich geprüften Sozialpädagogischen Assistenten ablegen. Gut die Hälfte der Klasse will dann noch für weitere drei Jahre die Schulbank drücken und sich zu Erzieherinnen ausbilden lassen. Dieses neue Teilzeit-Angebot der BBS startet ebenso wie die nächste Assistenten-Klasse im kommenden Februar. „Das ist dann quasi die Meisterausbildung“, sagt Fachlehrer Wilhelm Lampen.

Großer Zusammenhalt in der Klasse

Patricia Rademacher aus Dörverden, Antje Fehsenfeld aus Langwedel und Christina Mittelbach aus Achim berichten mit leuchtenden Augen von ihrer Ausbildung und über die so unterschiedlichen Wege, die sie an die BBS führten. Patricia, mit 20 Jahren die Jüngste in der Klasse, musste ihren ersten Versuch, Sozialpädagogische Assistentin zu werden, damals noch in Vollzeit, abbrechen. Der Berufswunsch blieb jedoch. Die BBS wiesen sie auf das Teilzeit-Modell hin. Sie griff zu. Den Altersdurchschnitt in der Klasse habe sie zunächst als merkwürdig empfunden, gibt sie lächelnd zu. Inzwischen aber freut sie sich über den großen Zusammenhalt. Den habe es in der anderen Klasse, bestehend aus lauter Altersgenossen, so nicht gegeben.

„Ich finde die Mischung gut“, sagt auch Antje Fehsenfeld. Die Langwedelerin hat 16 Jahre als kaufmännische Angestellte gearbeitet, wollte dann nicht mehr zurück ins Büro. Als zweifache Mutter habe sie vor allem in der Corona-Zeit festgestellt, wie viel Freude ihr der Umgang mit Kindern bereitet. Bis zu der Entscheidung, das beruflich zu machen, war es da nur noch ein kleiner Schritt.

Neue Ausbildung nach der Familien-Phase

Christina Mittelbach erging es ähnlich. Die alleinerziehende Mutter von vier Kindern, gelernte Laborantin, hat sich lange Jahre um die Familie gekümmert, nebenbei zu Hause als Tagesmutter gearbeitet. Als sie wieder einen Beruf ergreifen wollte, habe es von der Arbeitsvermittlung geheißen: „Sie sind zu lange draußen“, berichtet sie. „Was habe ich in den letzten Jahren gemacht, was kann ich, was macht mir am meisten Spaß?“, habe sie sich dann gefragt, um wie Mitschülerin Antje zu dem Schluss zu kommen: mit Kindern arbeiten.

Jetzt liegen hinter ihr und ihren Mitstreitern eineinhalb Jahre, verbunden mit Unterricht an zwei Nachmittagen pro Woche, mit zehn Praxisstunden jede Woche in einem Kindergarten. Berufsbezogene Inhalte werden ebenso behandelt wie altbekannte Fächer: Deutsch, Mathe, Englisch und so weiter.

Das fordert. Fachlich ebenso wie organisatorisch. „Man muss sich strukturieren können. Sonst geht man unter“, bestätigt Christina Mittelbach. Doch die gegenseitige Unterstützung in der Klasse ist groß, sitzen hier doch Menschen, die mitten im Leben stehen, die vielfach selber Kinder haben, die über Berufserfahrung verfügen. Und die hoch motiviert sind. Dorothee Wille: „Wir wissen, dass alle ihr Bestes geben. Immer!“

Ausbildung soll mit persönlicher Lebenssituation vereinbar sein

Das Modell ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern, neben Familie und Job eine weitere qualifizierte Ausbildung zu machen. „Vollzeit wäre für die meisten von uns nicht infrage gekommen. Wegen des Verdienstes“, sagt Christina Mittelbach.

Die BBS reagierte mit ihrem Angebot auf den massiven Personalmangel. Kommunen und freie Träger von Kindertagesstätten suchen händeringend qualifizierte Betreuung für ihre Krippen und Kitas. Im Anschluss an die Ausbildung werden die BBS-Absolventen also begehrte Fachkräfte sein, die sich ihre Jobs aussuchen können, sind sich Wille und ihr Kollege Lampen einig.

Bereits jetzt profitieren die Kitas von den erwachsenen Auszubildenden und deren Erfahrung auch als Eltern. Viele von ihnen absolvieren mehr als die vorgeschriebenen zehn Wochenstunden in den Einrichtungen, gegen Bezahlung. Einige Kommunen greifen auf Mittel aus dem „Quik“-Programm zurück, mit dem das Land Niedersachsen die Einstellung von Kita-Fachkräften fördert. Es entsteht eine Win-win-Situation. Die Einrichtungen können ihren Personalmangel eingrenzen, die Praktikanten ihr Wissen einbringen. Das ist besser als jede Bewerbung.

Informationen zu qualifizierten Berufsausbildungen

Im Februar des kommenden Jahres startet an der Fachschule Sozialpädagogik der BBS in Verden die nächste Ausbildung zu Staatlich geprüften Sozialpädagogischen Assistenten. Der Unterricht läuft über eineinhalb Jahre und wird in Teilzeit absolviert, in der Regel an zwei Nachmittagen in der Woche sowie an insgesamt acht Sonnabenden. Hinzu kommen 600 Praxisstunden in einer sozialpädagogischen Einrichtung.

Neu ist das Angebot der BBS, in Teilzeit binnen drei Jahren die an die Assistenten-Prüfung anknüpfende Ausbildung zu Staatlich anerkannten Erziehern zu absolvieren. Auch hier beginnt die Qualifizierung im nächsten Februar.

Weitere Informationen dazu sind im Internet unter www.bbsverden.de zu finden. Ansprechpartner sind Susanne Davids-Bremermann, E-Mail susanne.davids-bremermann@bbs-verden.de, und Wilhelm Lampen, E-Mail wilhelm.lampen@bbs-verden.de.

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