Infizierte Urlaubsrückkehrer

Coronavirus in Verden: In Riesenschritten zur Alarmstufe – Quarantäne-Bescheide ohne Ende

Wie bestellt und nicht abgeholt: Reiserückkehrer gelten inzwischen als eine der großen Corona-Risikogruppen. Im Landkreis Verden wurden jetzt drei Kontaktpersonen positiv getestet.
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Wie bestellt und nicht abgeholt: Reiserückkehrer gelten inzwischen als eine der großen Corona-Risikogruppen. Im Landkreis Verden wurden jetzt drei Kontaktpersonen positiv getestet.

Weitere Infizierte aus dem Bereich der Urlaubsrückkehrer, ferner Quarantäne-Bescheide ohne Ende und dann auch noch hohe Zahlungen von Verdienstausfällen: Die Pandemie hält die Region fester im Griff als zunächst angenommen. Allein das Coronavirus-Verwaltungsteam, das seit vier Wochen im Gesundheitsamt agiert, ist inzwischen auf 14 Mitarbeiter angewachsen.

Verden/Achim – Jetzt also doch. Jetzt hat es nicht nur Reiserückkehrer erwischt, sondern erstmals in diesem Sommer auch deren heimisches Umfeld. Von den insgesamt fünf Neuinfizierten, die der Landkreis Verden am Dienstag meldete, gehören drei der Kategorie der Kontaktpersonen aus Familie, Freundes- oder Bekanntenkreis an. Mit allein 21 Infizierten seit Wochenbeginn nähert sich die Region mit Riesenschritten den kritischen Größen. „Kumulative Inzidenz“, aufgelaufene neu aufgetretene Krankheiten also, so heißt die mathematische Formel, die in Alarmstufen mündet. Bezogen ist sie auf 100 .000 Einwohner. Am Dienstagmittag gab die Kreisverwaltung diesen Wert mit 22 an. Bei 35 wäre eine erste Gefahrenstufe erreicht und eine Intervention erforderlich.

Coronavirus Landkreis Verden: Reiserückkehrer gelten als Risikogruppe

Dass die Patientenzahlen nicht ebenfalls explosionsartig steigen, verdankt die Region dem Abklingen eines jüngsten Hotspots. Vor zweieinhalb Wochen waren in einem Verdener Häuserkomplex neun Menschen positiv getestet worden. Erste Betroffene können dieser Tage die Quarantäne verlassen. Insgesamt meldete das Gesundheitsamt Verden gestern drei Menschen als genesen. In stationärer Behandlung befinden sich weiterhin drei Personen. Bei den fünf Neuerkrankten handelt es sich nach Landkreis-Angaben um drei Frauen und zwei Männer, alle aus dem Nordkreis.

Das Gesundheitsamt stellt sich derweil weiterhin auf Urlaubsrückkehrer ein. Die Türkei ist so ein Thema, die Schweiz ebenfalls, das Vereinigte Königreich jenseits des Ärmelkanals auch. Das Robert-Koch-Institut stuft diese Staaten als Risikoländer ein. Dürfen wir dorthin reisen, dürfen wir problemlos zurückkehren, wie können wir die Quarantäne umgehen? Das sind nur drei von zahllosen Fragen, die mitten im Sommer auf das neu gegründete Corona-Verwaltungsteam hereinprasseln. „An die hundert Menschen dürften es schon sein, vielleicht sogar mehr, die sich aufgrund der Bestimmungen für Risikogebiete bei uns gemeldet haben und erfasst sind“, schätzt Teamleiter Reiner Heemsoth.

Coronavirus: Landkreis Verden verschickt 1500 Bescheide auf Quarantäne

Und dabei gehe es meist nicht um schöne Tage an sonnensicheren Stränden, dabei gehe es häufig um Familienzusammenführung. „Die Verwandten, die man lange nicht gesehen hatte, sie wollen wie jedes Jahr besucht werden.“ Eine aufwändige Stippvisite. Am Ende begibt sich jeder, der dort war, für zwei Wochen in Quarantäne. „Als Alternative können wir nur die Testung anbieten; die Kosten muss der Reiserückkehrer tragen.“ Auch auf Verdienstausfall-Entschädigung könne der jeweilige Urlauber nicht hoffen. Das Verfahren macht Sinn. „Einige Infizierte wurden auf diese Weise schon herausgefiltert“, sagt Heemsoth.

Ganz allmählich komme auch der internationale Service der regionalen Firmen wieder in Schwung. Erste Dienstreisen ins Ausland seien bereits angemeldet, unter anderem ins Reich der Mitte. „Die Mitarbeiterin musste in China einen Coronavirus-Test vorlegen. Kehrt sie zurück, ist dasselbe für die Wiedereinreise in Deutschland fällig.“

Aber der Umgang mit der Pandemie ist nicht nur zeitaufwändig, er kommt den Steuerzahler zusätzlich teuer zu stehen. Das Beispiel Verdienstausfall. „Wir haben bisher rund 1 500 Bescheide auf Quarantäne versandt,“ sagt Heemsoth. Etwa jeden 850. Bewohner des Landkreises Verden habe diese Verfügung getroffen.

Entwicklung der Coronavirus-Zahlen im Landkreis Verden

Und oft ging damit eine unfreiwillige Abwesenheit vom Arbeitsplatz einher. Und das macht es kostspielig. Wer unverschuldet dem Job fern bleibt, der bekommt den Verdienstausfall aus der Staatskasse erstattet. „Einige hundert dieser Anträge sind im Landkreis Verden bereits gestellt.“ Das ganze Ausmaß sei aber längst noch nicht absehbar. „Die niedersächsische Landesverwaltung arbeitet noch an Software-Verbesserungen.“ Klar sei aber jetzt schon, allein in der Region zwischen Ottersberg und Dörverden komme eine Summe von deutlich über 100 000 Euro zusammen. Unter anderem auch, weil sich unter den Betroffenen Selbstständige mit teils überdurchschnittlichem Gehalt befänden. „Da können in Einzelfällen schon mal 15.000 Euro an Entschädigung für zwei Wochen Quarantäne fällig werden.“ Der Landkreis zahle die Summe zun��chst aus, hole sich aber das Geld aus Hannover zurück.

Weitere Infos zur Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Niedersachsen gibt es in unserem Ticker.

Von Heinrich Kracke

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