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Sturmschäden im Landkreis Verden gehen in die Millionen

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Von: Heinrich Kracke

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Umgestürzter Baum liegt auf Achterbahn.
Schwer getroffen hat es die Achterbahn im Magicpark. Bis zum Freitag soll das Gros der Aufräumarbeiten bewältigt sein, am Sonnabend könne aktuellen Pläne zufolge wieder geöffnet werden. © Woiczek

Deutliche Spuren im Magicpark, beschädigte Dächer, Waldflächen, die flach liegen. Die vergangenen Stürme verursachten im Kreis Verden einen Millionenschaden.

Verden – Es hört einfach nicht auf. Ein ganzes Firmendach, das sich gestern zu verabschieden drohte, ein nächster schwerer Baum, der einem Wohnhaus gefährlich nahekam. Während die Feuerwehren der Stadt Verden seit vergangenen Mittwoch Sonderschichten ohne Ende schieben, auch am Montag wieder, kommt allmählich das ganze Ausmaß der Stürme und Orkane ans Licht. Versicherungsagenturen der Stadt gehen ersten Einschätzungen zufolge von Schäden deutlich im Millionenbereich aus. Bezirksförster warnen weiterhin vor dem Betreten des Waldes.

Magicpark Verden heftig von Stürmen getroffen

Heftig getroffen hat es den Magicpark. „Die Schäden dürften sich im fünfstelligen Bereich bewegen“, zieht Bastian Lampe eine erste Bilanz. Ein Baum auf die Achterbahn gekracht, ein weiterer legte das Märchen „Das Blumenwunder“ lahm, ein nächster landete im Labyrinth. Und ob die Märchen überhaupt funktionstüchtig sind, sei auch noch unklar. Darüber hinaus „dutzende Bäume“, die oft einschließlich Wurzelwerk umstürzten. „Wir werden alles nach einer Prioritätenliste abarbeiten.“ Deshalb sei der Park bis einschließlich Freitag geschlossen. Am Wochenende, so der ehrgeizige Plan, solle die sogenannte Winteröffnung aber wieder über die Bühne gehen. „Bis dahin wollen wir die Bäume weitgehend weggeräumt haben.“ Größere Projekte wie die Instandsetzung der Achtermann, aktuell ohnehin nicht in Betrieb, können Lampes Vorstellungen zufolge innerhalb der nächsten drei Monate bis zur regulären Sommeröffnung erledigt sein. „Das schaffen wir.“

Trampolin, das an einen Baum gebunden wurde.
Umherfliegende Trampoline verursachten größere Gefahrenlagen, an der Artilleriestraße in Verden wurde eines von der Polizei dingfest gemacht. © Bruns

Ähnlich schnellen Vollzug dürften einige Hausbesitzer nicht melden können. Dafür sind zu viele betroffen. „Es hat teilweise ganz schön gekracht“, berichtet etwa Heiko Rohlfs von der VGH Blankenagel in Verden, „wir haben das ganze Wochenende durchgearbeitet, um erste Schritte bei der Regulierung der angemeldeten Schäden einzuleiten.“ Darunter verzwickte Fälle. Ein Baum etwa hatte ein 30 Quadratmeter großes Loch in ein Hausdach gerissen. „Da wurde zunächst mal ein Unternehmen gebraucht, das den schweren Stamm und das Astwerk überhaupt entfernt, anschließend müssen dann weitere Gewerke die Arbeit aufnehmen.“ Und das in heutiger Zeit. „Handwerker zu bekommen, ist schwierig.“ Rohlfs bezifferte die Zahl der angemeldeten Schäden bis gestern am frühen Nachmittag mit rund 200. Der Gesamtschaden belaufe sich auf „mindestens eine halbe Million Euro“.

„Die Telefone stehen nicht still“ – Versicherer ziehen eine erste Bilanz der Sturmschäden

Mal komme der Geschädigte mit Kleinschäden ab 80 Euro davon, mal gehe es in die Zehntausende. „Beispielsweise ein Baum, der in eine landwirtschaftliche Stallung gekracht ist, ein nächster, der im Carport landete, und selbst dort, wo keine Häuser in der Nähe standen, kann es teuer werden. Auf einem großen Grundstück etwa sind 20 Bäume umgestürzt. Die Aufräumkosten liegen ersten Schätzungen zufolge bei 15. 000 Euro.“

Ähnlich die Lage bei der Allianz in Verden. „Die Telefone stehen nicht still“, sagt Ralf Böse von der Vertretung an der Ostertorstraße. „Entwurzelte Bäume, verrutschte oder ganz fehlende Dachpfannen, zerstörte Zäune, so lauteten die meisten Ereignisse.“ Zur teuren Angelegenheit würden Dachziegel, die auf Autos stürzten. Auch das sei vorgekommen. Böses Bilanz: „Die Anzahl der Schäden ist hoch, das war allerdings auch nicht anders zu erwarten. Insgesamt dürfte die Region aber noch einigermaßen glimpflich davongekommen sein.“

Bei umgestürzten Bäumen ist nicht immer die Feuerwehr zuständig

Zuweilen wandten sich Hauseigentümer auch an Brandschützer, wie Tobias Schone von der Kreisfeuerwehr feststellte: „Die Nachrichten für manche betroffene private Grundstücksbesitzer, die sich Hilfe erhofften, fiel etwas ernüchternd aus. Hier ist die Rechtslage so, dass die Feuerwehren nur tätig werden dürfen, wenn von den Bäumen oder Ästen eine unmittelbare Gefahr ausgeht, weil beispielsweise ein Baum auf das Haus zu stürzen droht. Wenn der Baum im Garten liegt, können Baumdienste beauftragt werden.“

Insgesamt schlugen dennoch wie berichtet kreisweit 320 Einsätze zu Buche. Häufig unterwegs auch der Betriebshof der Stadt Verden. „In insgesamt knapp 40 Fällen mussten seit Mittwoch Bäume von Straßen und Wegen geräumt werden“, sagt Rainer Kamermann aus dem Rathaus. Ob Allerpark, Alleruferweg, der Sportplatz am Campus, auf dem sich die Trainerbänke selbstständig machten, ob abgeknickte Verkehrsschilder oder der Bürger- oder Rhododendronpark, ob vor allem der Stadtwald oder die Friedhöfe, überall habe man tätig werden müssen. Und das sei erst der Anfang. „Die Aufräumarbeiten werden dauern.“

Entwurzelte Bäume überall – trotzdem sind viele Wälder glimpflich davongekommen

Unterschiedlich hoch indes die Schäden in den Wäldern. „Entwurzelte Bäume haben wir überall,“ sagt Revierförster Michael Müller (Diensthop), „aber viele Wälder kamen glimpflich davon.“ Besonders betroffen indes der östliche Landkreis. „In Walle, in Holtum, in Deelsen, Kreepen und Haberloh, da liegen Flächen von jeweils mehr als einem halben Hektar flach“, lautet die erste Einschätzung von Bezirksförster Jürgen Raude: „Eine solche Intensität habe ich in den vergangenen 25 Jahren nicht erlebt.“ Einige Waldbesitzer gingen sogar davon aus, der Schaden habe Dimensionen wie beim Jahrhundertorkan 1972 erreicht.

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