Lebenshilfe in Eitze: Ganzheitliche Förderung durch Psychomotorik

In Bewegung vieles entdecken

Zwei Kinder in einer Bewegungslandschaft
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Die Bewegungslandschaft für die Kinder wird jedesmal anders aufgebaut.

Verden – Im Kinderhaus Eitze wird seit zwei Monaten wieder Psychomotorik in Kleingruppen angeboten. Die Kinder werden ein- bis zweimal wöchentlich von der staatlich geprüften Motopädin Anja Claus für die Dauer von 45 Minuten aus der Kindergartengruppe abgeholt. In Gruppen von bis zu sechs Kindern wird eine ganzheitliche Förderung geboten. Das schreibt Christoph Bisewski von der Lebenshilfe im Landkreis Verden.

„Kinder haben einen inneren Bewegungsdrang. Bewegung schult die Wahrnehmung der Kinder. Dabei werden vor allen Dingen die Raumerfahrung, das Körperbewusstsein, das Koordinationsvermögen und der Gleichgewichtssinn gefordert und weiterentwickelt“, so Bisewski weiter. Leider gingen die Bewegungsräume der Kinder zunehmend verloren. Durch die technologisierte Umwelt, Straßenverkehr, verwahrloste Spielplätze, Fernsehen und Computerspiele werde die Bewegungswelt der Kinder immer weiter eingeschränkt. Besonders die Abnahme der Alltagsaktivitäten scheine sich negativ auszuwirken. Zu diesen seit Jahren bekannten Entwicklungen sei in den vergangenen Monaten die Pandemie gekommen. Ihre Einschränkungen hätten den Schul- und Vereinssport zum Erliegen gebracht.

Die Förderung im Kinderhaus Eitze findet in einem Bewegungsraum statt, in dem es vieles zu entdecken und erkunden gibt. Eine Bewegungslandschaft lädt zum Ausprobieren ein, verschiedene Materialien dürfen getestet werden, Bewegungsspiele aller Art sowie Sinneserfahrungen gehören zum psychomotorischen Angebot.

Die 35-jährige ausgebildete Therapeutin Anja Claus, die seit kurzem mit ihrer Familie in Sittensen lebt und zuvor als selbstständige Motopädin im Zentrum für Psychomotorik in Stade tätig war, berichtet aus ihrem täglichen Arbeitsleben:

„Tendenziell bewegen sich Kinder tatsächlich immer weniger, selbst wenn wir den Corona-Effekt ausklammern, der den Trend eher noch beschleunigt hat. Dies liegt sicherlich zum einen an dem Überangebot an nicht bewegungsorientierten Freizeitbeschäftigungen für Kinder, aber auch häufig daran, dass Eltern ihren Kindern aus unterschiedlichen Gründen bestimmte Aktivitäten nicht mehr zutrauen.“ Das Spielen im Wald, auf Wiesen und Feldern, das Bewältigen eines längeren Weges zu Fuß oder mit dem Rad oder das Turnen/Toben auf dem Spielplatz um die Ecke würden Eltern zunehmend aus Fürsorge unterbinden. Dadurch hätten Kinder leider immer weniger die Möglichkeit, sich altersgerecht zu bewegen.

Anja Claus berichtet, dass sie den Übungsraum immer anders gestaltet, damit die Kinder etwas Neues entdecken können. „Wir beginnen die Stunde zunächst mit einem Begrüßungskreis, in dem jedes Kind äußern kann, wie es ihm heute geht, was es erlebt hat.“ Danach folge die Freispielzeit, in der die Kinder gemeinsam die aufgebauten Bewegungsangebote im Übungsraum erkunden könnten. Anschließend folgten noch ein oder zwei strukturierte Angebote, bei denen sich die Kinder unter Anleitung spielerisch bewegen könnten. „Grundsätzlich ist Freiwilligkeit oberstes Gebot“, so Anja Claus.

Den Abschluss bildeten immer eine Entspannungsübung und eine Reflektion, bei der die Kinder wieder zur Ruhe kommen und sich äußern könnten, wie ihnen die Stunde gefallen habe. Die Entspannungsübungen seien unterschiedlich und würden immer dem Verlauf der Stunde angepasst. „Eine Übung ist beispielsweise, dass ich den Kindern auf den Rücken ticke und sie sagen sollen, wie oft ich das getan habe oder wir machen eine Igelball-Massage.“

Auf die Frage, ob es vorkomme, dass sich ein Kind gar nicht bewegen möchte, antwortet die Motopädin: „Ja, das kann beim ersten Mal schon vorkommen, dass ein Kind anfangs mit gesenktem Kopf keine Lust hat, mitzumachen. Das ist zumeist soziale Unsicherheit. Aber wenn die Kinder die anderen spielen sehen, sind meist schnell die Augen groß und sie machen doch mit. Und wenn nicht, versuche ich durch Animation oder Anleitung, sie zum Mitmachen zu bewegen. Ich habe in meiner langen Laufbahn aber bis heute noch nicht erlebt, dass ein Kind nicht spätestens nach 10 bis 15 Minuten mitten im Geschehen ist. Sie freuen sich immer sehr auf diese gemeinsamen Stunden.“ Einige Kinder riefen schon, wenn sie morgens im Kinderhaus Eitze ankämen: „Wann dürfen wir wieder zu Anja?“, was auch die Erzieherinnen in den Gruppen sehr glücklich mache.

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