Lange Warteschlangen

Wirrwarr um Impfen und 2G: Landrat bezieht Stellung

Hinweisschild „Impfen“ unter mächtigen Bäumen.
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Im Landkreis Verden führen verschiedene Wege zur Erstimpfung oder zum Boostern, hier am Kreishaus.

Die Impfkampagne und die 2G-Regeln haben ein Wirrwarr ausgelöst. Landrat Bohlmann nimmt differenziert Stellung.

Verden/Achim – Anmelden oder einfach zum Impfen gehen? Nach fünf oder nach sechs Monaten? Jeder in jedem Alter? Und wo gilt jetzt überhaupt 2G oder wo 2G-plus? Chaotische Zustände entwickelten sich nach immer neuen Verordnungen und Vorgehensweisen wie berichtet im Landkreis Verden. Bis zu fünf Stunden standen Menschen in der Kälte. Landrat Peter Bohlmann bezieht zu dem Wirrwarr Stellung.

Die Lockerungen der letzten Tage beim Thema Impfen verteidigt er, zu den Schutzregeln in Sachen 2G, zuletzt innerhalb von Stunden aktualisiert, geht er auf Distanz.

Eine der Impf-Klippen im Raum zwischen Ottersberg und Dörverden: Das unterschiedliche Anmeldeprocedere. Bei Dodenhof können sich die Menschen den Piks ohne Terminvergabe verabreichen lassen, im Impfzentrum in Verden müssen sie vorher buchen. Zu kompliziert? „Wir fahren eine unterschiedliche Strategie“, sagt Bohlmann, „der Standort in Posthausen ist ausschließlich auf Masse ausgelegt. Hier kann es natürlich vorkommen, dass man warten muss.“ Das Impfzentrum am Kreishaus diene einer Klientel, die sich diese Wartezeiten nicht aufbürden könne oder wolle, oftmals einer älteren Interessentenschar. Bohlmann: „Die aktuell hohen Impfquoten geben uns recht.“

Erstimpfungen sind an beiden Standorten ohne weitere Auflagen möglich. Boostern geht frühestens fünf Monate nach der Zweitimpfung. Auch hier hat es wie berichtet schon Zweifel gegeben. Einige versuchten, vor Ablauf der Frist eine Auffrischung zu erhalten. „Geht leider nicht“, so Bohlmann, „wir arbeiten nach den Vorgaben der Landesregierung.“

Und selbst das birgt Stoff für epochale Diskussionen. Bis gestern Nachmittag galt hüben die Fünf-Monats-Frist, während drüben einige Kilometer entfernt, in Bremen nämlich, noch der Ablauf von sechs Monaten abgewartet werden musste. „Wir hatten schon befürchtet, wir werden in Posthausen von Bremern überrannt, die die Frist verkürzen wollen“, sagt Bohlmann, „nach ersten Erkenntnissen ist es dazu zum Glück nicht gekommen.“

Irritationen löst zudem die 2G-Praxis aus. „Wir haben eine Vielzahl von Nachfragen. Das Telefon steht nicht still“, sagt Hermann Heitmann vom gleichnamigen Gasthof in Kreepen. Die Anrufer fragten nach den Bedingungen vor allem für die Weihnachtsgastronomie. Seine Antwort: „Wir haben die Auslastung auf unter 70 Prozent reduziert. Deshalb können wir die 2G-Regel anwenden.“ Gästen, die genesen oder geimpft seien, müssten keinen zusätzlichen Test abverlangt werden. Auch andere Branchen, Frisöre und Fußpflegebetriebe etwa, können die 2G-Regelung anwenden. Eine Pflicht dazu besteht allerdings nicht, es gilt dort infolge eines Gerichtsurteils zu körpernahen Dienstleistungen die 3G-Regel.

Ein schwieriges Feld allerdings, wie Bohlmann findet. Nehme man die Kontrolle der Corona-Regeln ernst, und das habe sich der Landkreis auf die Fahnen geheftet, am vergangenen Wochenende erst in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit der Polizei, dann stoße man schnell an seine Grenzen. „Früher hatten wir feste Größen. Zehn Quadratmeter Einkaufsfläche pro anwesenden Kunden etwa. Das war nachvollziehbar“, so Bohlmann, „aber wie sollen wir klären, wie hoch die Auslastung der einzelnen Betriebe im vergangenen Jahr oder in Vor-Corona-Zeiten war?“

Das Oberhaupt des Landkreises Verden wird nicht lange über die Antwort nachdenken können. Schon zieht eine nächste Herausforderung herauf. Nachdem die Impfung für Kinder ab fünf Jahren unter gewissen Voraussetzungen ermöglicht wurde, flatterten Haushalten zumindest in der Stadt Verden bereits erste Flyer ins Haus. Die zweifelhafte Botschaft einer Initiative, die sich „Eltern stehen auf e.V.“ nennt: Corona-Impfung? Nichts für Kinder!

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