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Wo im Kreis Verden die Hotspots liegen

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Von: Heinrich Kracke

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Außenansicht des Gesundheitsamtes.
Hier nicht weiter: Zur Corona-Bekämpfung hält das Gesundheitsamt (Bild) an der Strategie mit vielen Testungen weiterhin fest. © Kracke

Die Inzidenz im Raum Verden/Achim übersteigt erstmals die 1000. Das Gesundheitsamt will dennoch an seiner strikten Strategie des Testens festhalten. Gleichzeitig ergeben sich immer neue Hotspots. 

Verden/Achim – Am Tag, als es geschehen war, am Tag, als die Inzidenz im Landkreis Verden erstmals die Vierstelligkeit erreichte, gestern also, da herrschte zumindest an einem Ort noch keine Untergangsstimmung. Im Gesundheitsamt am Kreishaus. „Vor allem bei Infektionen in den vulnerablen Gruppen lassen wir nicht nach, bei Positivtests in den Krankenhäusern und den Seniorenheimen also“, sagt Amtsärztin Jutta Dreyer auf Nachfrage.

Gleichzeitig versuche man, die Dunkelziffer gering zu halten, veranlasse Tests, wo immer möglich, und fasse dabei Personengruppen mit vielen persönlichen Kontakten ins Auge. Als Hauptinfektionsquelle nennt sie weiterhin die familiären Beziehungen, längst erweitert allerdings durch Kontakte im Freundeskreis. Allen Hoffnungen auf ein rasches Abflauen der hohen Infektionszahlen erteilte sie eine Absage. „Vor Ende Februar wird das auf keinen Fall was.“

Die Menschen im Raum zwischen Ottersberg und Dörverden besonders leichtfertig im Umgang mit den Corona-Regeln? Immerhin liegt der Landkreis Verden weiterhin in der niedersachsenweiten Spitzengruppe der betroffenen Regionen aktuell auf Rang vier. „Wir führen das zu großen Teilen auf die hohe Anzahl Testungen zurück, die wir immer noch durchführen“, sagt Dreyer. An sechs Tagen die Woche, auch samstags, halte man das System am Laufen. „Und wo viel getestet wird, da kommt es halt zu vielen Positivmeldungen.“ Eine andere Erklärung habe sie nicht für die seit Wochen höchsten Werte im südlichen Bremer Umland. „Das Virus macht ja nicht an den Kreisgrenzen halt.“

An der hohen Priorität fürs Testen halte sie weiterhin fest, auch wenn erste Tendenzen einer Überlastung der Labore bis nach unten durchschlügen. „Kann schon mal sein, dass wir aufs PCR-Ergebnis bis zu drei Tage warten müssen.“ Besonders im Auge habe sie die besonders gefährdeten Gruppen. „In den Krankenhäusern und den betroffenen Altenheimen führen wir jede Woche PCR-Testungen durch, in den Seniorenheimen solange, bis auch die letzte Auffälligkeit vorüber ist.“ Auf eine richtige Strategie habe man sich verständigt, auf eine Kombination aus PCR und den Antigen-Schnelltests.

Strategie aus zwei Test-Varianten

„Die PCR ist zuverlässiger, aber es dauert halt mit den Ergebnissen. Die Antigentests liefern ebenfalls verlässliche Ergebnisse, dies aber nur bei hoher Virenmenge in der Regel zwei bis fünf Tage nach der Infektion.“ Mit dieser Kombi aus beiden Testvarianten habe man schon manchen beginnenden Infektionsausbruch früh stoppen können. „Kürzlich erst wieder“, so Dreyer, „die Poc-Tests waren noch negativ, drei PCR aber schon positiv. Wir haben die drei Senioren frühzeitig separat unterbringen können. Wieder drei Tage gewonnen und einen größeren Ausbruch verhindert.“

Überhaupt habe man die Strategien angepasst. Wer geboostert ist, muss als Kontaktperson erster Kategorie nicht mehr automatisch in die Quarantäne wechseln. Auch Tests seien nicht unbedingt erforderlich. „Dennoch weisen wir darauf hin, bei Erkältungserscheinungen, Kopfschmerzen oder Ähnlichem vorsichtshalber eine Klärung herbeizuführen.“ Besonders im Auge behalte man Menschen mit vielen Kontakten, die Palette reiche von den Lehrern bis zur Essensausgabe im Seniorenheim.

Während vor wenigen Wochen noch die familiären Kontakte als die großen Übertragungsträger galten, schätzt die Amtsärztin das aktuelle Bild mit dem Einzug der Omikron-Variante als deutlich diffuser ein. „Oft sind Alltagssituationen die Auslöser. Eine schlecht sitzende Maske an der Supermarkt-Kasse, entweder beim Kunden oder beim Personal, dann ein kurzer Smalltalk, das kann schon reichen.“ Ähnliches gelte für die Schlange vor der Kasse. Zu wenig Abstand, zu wenig Mund-Nasen-Bedeckung, auch das genüge für eine Infektion. Und Ähnliches gelte für die Fahrt im Bus, im Zug.

Treffen über die Familie hinaus unterschätzt

Ein nächstes sogenanntes Cluster finde sich in den privaten Zusammenkünften über die Familie hinaus. Gemeinsam zum Sport, die Skatrunde, all das seien inzwischen Gefahrenherde. „Dann wird oftmals nicht richtig gelüftet, man sitzt eng zusammen, das ist alles andere als unproblematisch.“ Der nächste Hotspot liege im erweiterten beruflichen Umfeld. Die Fahrgemeinschaften, die Treffen nach Feierabend, „es haben sich ja Gemeinschaften über den Arbeitsalltag hinaus gebildet“, auch das tauche immer wieder als Infektionsweg auf. Zuweilen bildeten Firmen ein Cluster, ein vorübergehendes allerdings. „Nach 14 Tage ist das wieder weg.“ Aktuell seien Unternehmen nicht auffällig vertreten. Überhaupt bereite ihr die Arbeitswelt noch die geringste Sorge, sagt Dreyer. „Die Hygienekonzepte sind nach zwei Jahren Corona gut durchdacht, sie sind bis zu Nebenbereichen wie dem Pausenaufenthalt von allen akzeptiert und sie werden umgesetzt.“

Trotz aller Inzidenz-Rekorde zeichneten sich aber auch ermutigende Ereignisse ab. „Die Belegung der Aller-Weser-Kliniken gibt uns Hoffnung. Dort liegen wir deutlich unter den Vorjahreszahlen.“ Zurzeit befinde sich eine Person auf der Intensivstation, immer noch eine zuviel, aber es war schon mal schlimmer.

Und Ende Februar ist dann wirklich endlich mal Schluss mit dieser Pandemie? Die Amtsärztin relativiert. Einige Voraussetzungen seien dafür erforderlich. „Die Impfquote muss weiter steigen, es dürfen keine neuen Virus-Varianten hinzukommen, die uns Schwierigkeiten bereiten, und die Impfstoffe müssen weiter an die Varianten angepasst werden.“

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