Im und am Nordertorkreisel wird nachgebessert

Immer wieder kracht’s auf der B 215

Blick auf den Nordertorkreisel, wo es immer wieder zu Unfällen kommt. Betroffen sind vor allem Radfahrer.
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Blick auf den Nordertorkreisel, wo es immer wieder zu Unfällen kommt. Betroffen sind vor allem Radfahrer.

Regelmäßig sind die Experten der Unfallkommission im Landkreis Verden unterwegs, um sich neuralgische Punkte anzuschauen. Immer wieder nehmen sie dann auch Unfallschwerpunkte entlang der B 215 genauer unter die Lupe.

Verden – Eher unbedeutend und wer nicht rein muss, der fährt auch nicht rein, guckt da nicht mal hin, zum Klein Hutberger Weg. Im Schatten der Nordbrücke fällt die Straße nicht groß auf. Vielleicht auch deshalb kracht es an der Einmündung immer häufiger. Ein Fall für die Unfallkommission des Landkreises Verden. Und nicht nur an der Stelle wird Ursachenforschung betrieben. Eine kleine Tour über die Bundesstraße 215.

Man will ja wissen, wovon die Rede ist. Klein Hutberger Weg? Also einmal über die Nordbrücke stadtauswärts und dann, sofort hinter der Brücke, scharf rechts ab. Dann 180 Grad Kehrtwende und zurück zur Einmündung auf die Bundesstraße 215. Erster Gang, Kupplung und Gas im Wechselspiel, Augen links, Augen rechts, pausenlos Verkehr auf beiden Fahrbahnen. Dann doch ein Lkw von links, der langsam von der Brücke rollt, zweimal aufblendet. Mein Signal zum Kavalierstart, weil glücklicherweise von rechts (fast) nichts kommt, und ab in Richtung Verden. War knapp, und zur Nachahmung nicht unbedingt empfohlen.

Stephan Meier kennt die Lage. Der Polizeihauptkommissar ist Sachbearbeiter Einsatz und Verkehr der Polizeiinspektion Verden/Osterholz, die wiederum geschäftsführend der Unfallkommission des Landkreises vorsitzt. Im vergangenen Jahr wurde die Einmündung erstmals als auffällig notiert. „Zwischen 2018 und 2021 gab es insgesamt zwölf Unfälle, fünf davon mit verletzten Personen“, so Meier.

Folgenreiche Staus auf der Nordbrücke

Die Ursachen dafür? Das ganze Programm mit Vorfahrts-, Abbiege- und Auffahrunfällen. Warum es zu den Unfällen kommt? Meier braucht nicht lange zu überlegen: „Wenn sich der Fahrzeugverkehr im Bereich der Nordbrücke aufstaut und es dadurch zu Schwierigkeiten kommt, vom Klein Hutberger Weg auf die B 215 einzufahren oder in diesen Weg einzubiegen.“

Das soll besser werden. Also da hin, wo es hakt. „Eine Ursache für den Nordbrückenstau ist die Verkehrsabwicklung am Nordertorkreisel. Zu stark verkehrsbelasteten Zeiten läuft dieser Kreisel voll und das führt zu Rückstaus, insbesondere auf der Brücke“, sagt Meier. Der Nordertorkreisel ist ein Kreisel, der deswegen bisweilen Unterstützung braucht. „Es gibt aus Richtung Bremer Straße eine in den Kreisverkehr integrierte Ampel, die bisher nur vormittags ein Rotsignal schaltete, wenn der Verkehr auf der Nordbrücke zu stark aufgestaut wird“, erklärt Meier. Die Hilfe hat sich, so eine Beobachtung der Kommission, bewährt. Also ist, statt nur nachmittags, die staubedingte Rotlichtschaltung mittlerweile den ganzen Tag über aktiv. Ob es funktioniert? Der Kreisel stehe weiterhin unter Beobachtung. Gute Nachrichten gibt es bereits aus Hutbergen: „Nach derzeitigem Stand sind nach der Umsetzung keine weiteren Unfälle an besagter Einmündung passiert“, so Meier.

Warten auf die Lücke: An der Einmündung Klein Hutberger Weg/Bundesstraße 215 gibt es immer wieder Unfälle.

Ein Sorgenkind bleibt hingegen der Nordertorkreisel trotzdem. „Er zählt zu den Haupt-Unfallhäufungsstellen in Verden. Es sind dort in den vergangenen drei Jahren neun Verkehrsunfälle mit Verletzten passiert, 22 insgesamt“, so Meier. Bei einem dieser Unfälle erlitt einer der Beteiligten schwere Verletzungen. „Grundsätzlich sind Kreisverkehre sichere Verkehrsführungen“, betont Meier.

Farben sollen helfen, Unfälle zu vermeiden

Probleme gebe es allerdings, wenn Fußgänger und insbesondere Radfahrer die Fahrbahn queren. Auch am Nordertor. Die Statistik gibt Meier recht: An fünf der neun Unfälle waren Radfahrer (3) oder Fußgänger beteiligt (2).

Nun wird alles farbiger und damit – so die Hoffnung – sicherer. Radfahrerfurten und Zebrastreifen werden, wo notwendig, deutlicher (nach-) markiert. Alle Zu- und Abfahrten des Kreisels werden zudem mit Piktogrammen auf der Radfahrerfurt versehen, um Autofahrer dafür zu sensibilisieren. Ob es hilft? Auch da bleibt die Unfallkommission am Ball.

Die Kreuzung Bremer Straße/Allerstraße: Eigentlich ist alles geregelt, dennoch kracht es immer mal wieder.

Nur ein paar hundert Meter weiter, und der Autofahrer passiert einen weiteren Unfallschwerpunkt, die Kreuzung Bremer Straße / Allerstraße. Erstmalig stand die Unfallkommission an der Abzweigung zum Bürgerpark, weil sich die Zwischenfälle dort häufen.

Warum es dort kracht, so richtig zu verstehen sei es nicht. „Es handelt sich um eine vollsignalisierte Ampelkreuzung mit eindeutiger Regelung“, sagt Meier. Dennoch gab es in den Jahren 2018 bis 2020 insgesamt 13 Unfälle, fünf davon mit verletzten Personen. Weil eigentlich alles geregelt ist, tut sich die Kommission schwer mit möglichen Verbesserungen. Kommt hinzu, dass es kein einheitliches Muster gibt. „Die Unfallursachen sind weit gestreut. Es wurden Auffahrunfälle, Vorfahrtsunfälle, Abbiege-Unfälle und sonstige Fahrunfälle notiert“, so Meier.

Komme hinzu, dass sich die Lage an dem Knotenpunkt – aus welchen Gründen auch immer – entspannt habe. „Die Unfalltendenz ist abnehmend. 2018 wurden drei Unfälle mit Verletzten registriert, 2019 und 2020 waren es je nur noch einer. Im vergangenen Jahr keiner“, weiß Meier. Dennoch ist die Akte nicht geschlossen. „Sollte sich im nächsten Jahr zeigen, dass immer noch zu viele Unfälle dort passieren, werden konkrete Maßnahmen diskutiert“, sagt der Polizeihauptkommissar.

Die Unfallkommission - Hintergründe

Die Unfallkommission des Landkreises setzt sich aus unterschiedlichen Vertretern aus Behörden und Ämtern zusammen. Nachfolgend der Aufgabenbereich des Gremiums und wo die Kommission bereits tätig wurde. In der aktuellen Unfallkommission sind also die Unfälle der Jahre 2018-2020 bewertet worden, da zu 2021 noch keine abschließende Aussage getroffen werden konnte.

Wann tagt die Unfallkommission? Das Gremium trifft sich alle zwölf Monate, meistens gegen Ende des Jahres, und ist jeweils auf das Gebiet eines Landkreises begrenzt.

Wer sitzt in dem Gremium? Die Kommission wird unter Geschäftsführung der Polizei und deren Sachbearbeiter für Einsatz und Verkehr der Polizeiinspektion Verden/Osterholz durchgeführt. Mitglieder der Kommission sind Vertreter des Landkreises Verden, der Städte, Gemeinden und Flecken im Landkreis Verden, der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau, sowie den Landes- und Kreisstraßenmeistereien, die innerhalb des Landkreises Verden tätig sind. Polizeilicherseits nehmen ebenfalls die Leiter der Einsatz- und Streifendienste sowie die Verkehrssicherheitsberaterin der PI Verden/Osterholz teil.

Die Themen der Kommission Die Kommissionsarbeit erfolgt in der Form, dass das aktuelle Verkehrslagebild dargestellt wird und im Anschluss die Unfallhäufungsstellen vorgestellt werden.

Was ist eine Unfallhäufungsstelle? Die Experten sprechen von einer Unfallhäufungsstelle immer dann, wenn an einer Örtlichkeit über den Zeitraum von drei Jahren mindestens fünf Verkehrsunfälle mit verletzten Personen vorgekommen sind. Handelt es sich um Unfälle mit schwer verletzten Personen, ist das Kriterium „Unfallhäufungsstelle“ bereits bei drei Unfällen erfüllt. Alternativ liegt das Kriterium ebenfalls vor, wenn innerhalb nur eines Jahres mindestens fünf Unfälle registriert wurden, die alle gleich gelagert waren, was den Unfallhergang angeht. Also beispielsweise finden an derselben Kreuzung immer wieder Linksabbieger-Unfälle in gleicher Fahrtrichtung statt, wie an der Hönischer Kreuzung.

Die Aufgaben der Kommission Wenn nach der Vorstellung der Unfalllage bekannt ist, welche Art von Unfällen an den jeweiligen Örtlichkeiten stattfinden, ist es Aufgabe der Kommission, gemeinsam geeignete Maßnahmen zu beschließen, die das Unfallrisiko reduzieren. Das können bauliche Maßnahmen, Kennzeichnungsmaßnahmen (Verkehrsraumgestaltung) oder eben auch Kontrollmaßnahmen zur Einhaltung der geltenden Regelungen sein.

Konkrete Beispiele

Die Kreuzung Hönisch: Die Ampelanlage der Hönischer Kreuzung wurde erst kürzlich umgebaut, die Schaltphasen wurden angepasst. Immer wieder hatte es dort teils schwere Verkehrsunfälle durch Linksabbieger gegeben, die von der Südbrücke kommend, in Richtung Dörverden fuhren. Geändert wurde das Linksabbiegersignal. Kommt man nun von der Südbrücke, kann man bei Grünlicht direkt nach links abbiegen, ohne mit entgegenkommendem Fahrzeugverkehr rechnen zu müssen. Das war zuvor nicht der Fall.

Achimer Straße: Immer wieder kam es an der Einmündung L158 / L155 (Achimer Straße / Nindorfer Landstraße) zu Vorfahrtsmissachtungen. Zahlreiche Unfälle, viele mit schwerem Verlauf, waren die Folge. Seit der Reduzierung der Geschwindigkeit auf 70 km/h in Fahrtrichtung Langwedel, sind dort keine Verkehrsunfälle mehr verzeichnet worden.

Nicht immer Handlungsbedarf: Häufig kam die Frage auf, warum das Tempo auf der Achimer Straße nur in die eine Richtung reduziert wurde. Stephan Meier: „Auf den ersten Blick mag das ungewöhnlich sein, aber es zeigt, dass Eingriffe in den Fahrzeugverkehr nur dort erfolgen, wo sie auch wirklich nötig sind. Das heißt, dass sich die Maßnahmen immer im direkten Bezug zur konkreten Unfalllage stehen. Da es kaum Unfälle unter Beteiligung von Fahrzeugen aus Richtung Langwedel gab, musste auch nicht in die Geschwindigkeit eingegriffen werden.“ mw

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