Hirtenhaus in den Allerwiesen

Verdener Imker forschen: Bienen arbeiten nach Stundenplan

Auf den Allerwiesen angekommen: Peter Steffens, Vorsitzender des Verdener Imkervereins, vor dem neuen Domizil.
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Auf den Allerwiesen angekommen: Peter Steffens, Vorsitzender des Verdener Imkervereins, vor dem neuen Domizil. Der 150. Geburtstag des Vereins konnte zwar nicht gefeiert werden, dafür gab es aber mit dem Findling ein Geschenk durchaus von Gewicht.

In warmem Gelb leuchtet das neue Zuhause des Imkervereins Verden. Nicht irgendwo, sondern mitten in den Allerwiesen und damit nicht zu übersehen. „Wir sind angekommen“ freut sich Peter Steffens, erster Vorsitzender des Vereins. Noch nicht komplett eingerichtet, fehlt es nur noch an Details. Und: Es soll mit den Bienen geforscht werden.

Verden – Die Zuwegung gepflastert, das Haus gestrichen, die Terrasse gefegt, bei Imkers zu Hause herrscht Ordnung. „Noch nicht ganz“, winkt Peter Steffens ab. Der erste Vorsitzende öffnet die Tür des neuen Domizils in den Verdener Allerwiesen. Gegenüber, auf der anderen Seite, zeigt sich durch die Bäume die mächtige Silhouette des Doms, derweil hämmert in den Baumkronen der Buntspecht, auf der verzweifelten Suche nach einem Happen Futter. Die Bienen stört’s nicht. Sie werden zunehmend flügge.

Das neue Domizil leuchte im warmen Gelb in den Allerwiesen

So wie die Imker. Wer durch die Tür des neuen Zuhauses geht, der lässt die Natur zunächst einmal hinter sich – und erkennt das Gebäude nicht wieder. Alles neu, alles modern, alles funktional. Da, wo der Besucher vor einem Jahr zwischen Steinen und Geröll knöcheltief im Sand stand, läuft er nun über gefliesten Boden, spenden LED-Lampen Licht – und haben Dornröschen aus dem Schlaf geweckt. „Wir sind, mit viel ehrenamtlicher, aber auch professioneller Unterstützung sehr weit gekommen“, sagt Steffens.

Er geht über den frisch gefliesten Boden und nimmt im Schulungsraum des Hauses Platz. Der Blick fällt in eine Küche, weil alles so schön neu und blitzblank leuchtet. „Nicht protzig, aber für unsere Zwecke genau richtig. Wenn Seminare wieder stattfinden, können wir unsere Gäste sogar bewirten.“

Blick in die Schleuderkammer, wo der Honig fachgerecht ins Glas gebracht wird.

Wenn Seminare wieder stattfinden, können wir unsere Gäste sogar bewirten

Aber zurück in den Schulungsraum. Er ist das Kernstück des komplett sanierten und umgebauten Hauses. Der Blick durch die Panoramafenster auf die Terrasse und dann in die Allerwiesen, wie gemalt. „Auf der Terrasse, das ist schon fest geplant, werden Bienenstöcke stehen“, so Steffens. Der Besucher drinnen, die Imker draußen, nur getrennt durch eine Scheibe, bei der Arbeit mit den Bienen. Bequemes und vor allem ganz ungestörtes Beobachten der Natur.

Aber nicht nur das. Das Haus der Bienen steht auf digitalen Waagen, jede Gewichtsveränderung wird aufgezeichnet. Weiterere aufwändige Technik sorgt zudem dafür, dass alles, was die Bienen tagsüber so treiben, notiert und ausgewertet wird. Die Völker sind hochsensibel, reagieren auf Temperatureinflüsse, wissen, wo sie wann zu welcher Tageszeit Honig finden und lernen voneinander. „Bienen haben einen Stundenplan, sind sehr strukturiert und lernfähig“, erklärt Steffens. „Wir können da noch einiges an Wissen mitnehmen.“

Die Terrasse lädt zum Verweilen ein.

Imkerverein Verden: Das Haus der Bienen steht auf digitalen Waagen

Daher, auch das ein wichtiger Teil des Projektes in den Allerwiesen, werden Daten nicht nur gesammelt, sondern auch ausgewertet. „Alles, was wir von den Bienen erfahren, wird gespeichert und ist für Besucher abrufbar“, sagt Steffens. Bildschirme an den Wänden des Schulungsraumes zeigen dem Gast das muntere Treiben der fleißigen Insekten. „Wir wollen nicht nur schulen und lehren sondern auch forschen“, fasst Steffens das Projekt „Lehrbienenstand Altes Hirtenhaus“ in einem Satz zusammen.

Die Gäste können, wenn Corona vorbei ist, kommen. Auch eine Küche gibt es im Hirtenhaus.

Aber es gibt nicht nur die Theorie. Was die Bienen pausenlos aus Allerwiesen und Umgebung anschleppen, wird im Haus fachgrecht verarbeitet. Der Honig aus den Bienenständen landet ebenfalls im Haus der Imker. Der dafür notwendige Raum, komplett gefliest und mit Edelstahltisch und Honigschleuder eingerichtet, ist so gut wie fertig. „Schulklassen, aber auch Seminare können hier verfolgen, wie der Honig aus der Wabe ins Glas kommt“, berichtet Steffens.

Projekt Lehrbienenstand Altes Hirtenhaus

Interessierte gibt es reichlich, Kontakte auch. „Die Campusschule ist dabei, im vergangenen Sommer haben wir das eine oder andere Projekt schon machen können, ehe dann Corona kam“, so Steffens.

Die alten Eschen sind von Pilz befallen und müssen wohl gefällt werden

Wieder draußen auf der Terrasse, bläst der Wind scharf um die alten Mauern des Imker-Gebäudes. In den uralten Eschen hämmert immer noch der Specht, als wolle er Steffens noch an etwas erinnern. Der Vorsitzende kratzt sich am Kopf und rückt dann raus mit der Sprache. „Eigentlich ist hier draußen alles wunderbar, nur die beiden da machen uns Sorgen“, sagt er und zeigt auf die Eschen. „Überall Pilz, die Äste morsch, wahrscheinlich nicht mehr zu retten, so ein Baumgutachten. Wir werden sie fällen lassen müssen. Das ist schon sehr bedauerlich, aber es lässt sich wohl nicht vermeiden. Die Leute sollten das wissen. Aber, wenn es denn so kommt, pflanzen wir zwei neue Bäume“, versichert Steffens. Vielleicht ja Obstbäume, denn dann haben es die Bienen nicht weit.

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