Zahlreiche Unfälle / 40-Tonner blockiert Autobahn / Zugverkehr eingestellt

Auf der A27: Im Winter-Chaos mit Sommerreifen

Das Führerhaus des polnischen Lkws wurde komplett abgerissen.
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Das Führerhaus des polnischen Lkws wurde komplett abgerissen.

Landkreis – Alle Hände voll zu tun hatten die Einsatzkräfte im Landkreis Verden mit Beginn der Schneefälle am vergangenen Wochenende. Züge fielen aus, der Bahnverkehr wurde ab 23 Uhr in Richtung Bremen komplett eingestellt. Ganz besonders gefordert war die Freiwillige Feuerwehr Verden am späten Abend auf der A 27, Fahrtrichtung Hannover. Ein polnischer Lkw hatte sich auf schneeglatter Fahrbahn quergestellt und eine Spur der Verwüstung hinterlassen.

Schnee, Eis und gefrierender Regen hatten die A 27 bereits in eine spiegelglatte Fläche verwandelt, als am späten Freitagabend, gegen 21.45 Uhr, der 40 Tonnen schwere Sattelzug auf der A 27 unterwegs war. In Höhe Verdenermoor, Fahrtrichtung Walsrode, geriet der Lkw ins Schleudern und kollidierte dabei mit der Seitenschutzplanke. Die Wucht des Aufpralls war so groß, dass die Fahrerkabine der Sattelzugmaschine abgerissen wurde. Der 40-jährige Lkw-Fahrer aus Polen wurde nach medizinischer Erstversorgung durch den Rettungsdienst in ein Krankenhaus gebracht. Bei der Unfallaufnahme wurde festgestellt, dass der Fahrzeugführer erheblich unter Alkoholeinfluss stand, teilt die Polizei mit. Ein Atemalkoholtest ergab einen Wert von fast zwei Promille. Der Führerschein wurde sichergestellt.

Der 40-Tonner landete an der A 27 in der Leitplanke.

Die Ortsfeuerwehr Verden wurde zur Sicherung des stark beschädigten Sattelzuges nachgefordert und pumpte unter anderem mehrere hundert Liter Dieselkraftstoff aus den Tanks des verunglückten Sattelzugs ab. Während anfänglich der Verkehr noch einspurig an der Unfallstelle vorbeigeführt werden konnte, musste die Autobahn später für mehrere Stunden für die Bergung des Sattelzuges voll gesperrt werden. Der Schlepper musste aufwändig geborgen, die Schutzplanken dazu demontiert werden. Die A27 blieb in Fahrtrichtung Walsrode für circa neun Stunden bis Samstagmorgen, 7 Uhr gesperrt. Der Gesamtschaden des Unfalls wird auf circa 90 000 Euro geschätzt.

In der gesamten Region weitere größere und kleinere Unfälle

Infolge von Glätte und Schnee war es bis dahin in der gesamten Region zu weiteren größeren und kleineren Unfällen gekommen. Blechschäden meldete die Autobahnpolizei bis Samstagmorgen bei insgesamt weiteren zehn Unfällen im Zuständigkeitsbereich A 27 / A 1. Bei drei Unfällen musste jedoch festgestellt werden, dass die Fahrzeuge trotz schneebedeckter Fahrbahn lediglich auf Sommerreifen unterwegs waren, in einem Fall waren diese zudem noch so abgefahren, dass das Fahrzeug von der Autobahn geschoben werden musste, da die Reifen durchdrehten. Die jeweiligen Autofahrer erwartet ein Bußgeld von 120 Euro sowie einen Punkt in Flensburg, teilt die Polizei mit. Höchstwahrscheinlich werde es, angesichts der mangelhaften Bereifung, auch noch Ärger mit den Versicherungen geben, so die Pressemitteilung.

Fahrzeuge waren mit Sommerreifen unterwegs

Die Freiwillige Feuerwehr Verden pumpte an der Autobahn 27 den Diesel des verunglückten Lkw ab.

Unfallflucht beging nach einem Crash ein anderer Fahrer. Er war gegen 16.15 Uhr mit seinem VW-Dienstfahrzeug in der Ausfahrt Oyten in die Schutzplanken gefahren. Der 23-Jährige aus Bad Essen setzte jedoch seine Fahrt fort, konnte aber später durch die Autobahnpolizei Langwedel auf einem Parkplatz im Gewerbegebiet angetroffen werden. Auch dieses Fahrzeug war lediglich mit Sommerreifen ausgestattet. In diesem Fall ermittelt die Autobahnpolizei wegen Anstiftung zu einer Straftat (Unfallflucht) gegen den Fuhrparkleiter der Firma aus Melle, da der Fahrzeugführer nach dem Unfall diesen angerufen und um Rat gefragt hatte. Der Fuhrparkleiter habe demnach geäußert, dass der junge Mann „bloß schnell von der Unfallstelle verschwinden solle“, schreiben die Ermittler der Polizei.

Nach Fahrerflucht von Polizei gestellt

Die Verdener Polizei wurde am frühen Sonnabendmorgen, gegen 2.20 Uhr, zu einem Verkehrsunfall mit zwei beteiligten Fahrzeugen nach Kirchlinteln gerufen. Ein 38-jähriger Mann war zuvor mit seinem Ford Focus auf der Hauptstraße in der Ortschaft unterwegs gewesen und auf schneebedeckter Fahrbahn nach links von seiner Fahrspur abgekommen. Dabei kollidierte er mit einem entgegenkommenden VW Passat, am Steuer ein 35-Jähriger. Beide Beteiligten wurden durch den Zusammenstoß leicht verletzt. Beim Unfallverursacher wurde ein Atemalkoholwert von 2,31 Promille festgestellt, teil die Polizei mit. Daraufhin wurde durch die Beamten eine Blutprobenentnahme angeordnet und der Führerschein des 38-jährigen sichergestellt. Der Mann muss sich jetzt wegen Gefährdung des Straßenverkehrs sowie der fahrlässigen Körperverletzung verantworten.

Ganz Mutige stiegen sogar aufs Rad.

Auch in Thedinghausen flüchtete ein Fahrer vom Unfallort. Er war am Freitag, gegen 15.10 Uhr, in der Gemarkung auf der Achimer Landstraße in Richtung Lunsen unterwegs gewesen. Unmittelbar hinter einer Rechtskurve überholte er bei schneeglatter Fahrbahn einen vorausfahrenden BMW eines 19-jährigen aus Hellwege und streifte diesen Wagen dabei. Der BMW geriet daraufhin ins Schleudern und kam nach rechts von der Fahrbahn ab. Es entstand erheblicher Sachschaden am verunglückten Fahrzeug, so die Polizei. Der Unfallverursacher flüchtete und wird nun gesucht. Zeugenhinweise nimmt die Polizeistation Thedinghausen unter der Telefonnummer 04204/914380 entgegen.

Winterglatte Fahrbahn in Blender-Einste

Auf winterglatter Fahrbahn verlor in Blender-Einste eine 43-jährige Frau die Kontrolle über ihr Auto. Die Fahrerin aus Blender befuhr am Freitag, gegen 16.25 Uhr, in Einste die Hauptstraße und rutschte in einer Kurve in den Gegenverkehr. Dort stieß die 43-Jährige mit dem Auto einer 67-jährigen aus Thedinghausen zusammen. Beide Beteiligten wurden bei dem Unfall leicht verletzt. Es entstand ein Sachschaden in Höhe von circa 15  000 Euro, schreibt die Polizei.

Am Samstagnachmittag, gegen 16.10 Uhr, verunglückte eine 21-jährige Frau in der Straße Im Forth in Ottersberg in Fahrtrichtung Bahnhof. Vermutlich aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit kam sie in einer Linkskurve nach rechts von der Fahrbahn ab und landete im Graben. Die Frau blieb unverletzt. Schaden: circa 3 500 Euro.

Pausenlos war der Winterdienst im Einsatz und streute, wie in Verden, Straßen und Autobahnen.

Gesamte Region um Landkreis Verden und Bremen kämpfte mit den widrigen Witterungsbedingungen.

Neben Autofahrern kämpfte auch der öffentliche Nahverkehr in der gesamten Region mit den widrigen Witterungsbedingungen. Zwar fuhren noch bis in den Freitagabend Züge, doch gegen 20.30 Uhr nahmen die Probleme zu. Große Teile der Eisenbahnstrecken in Niedersachsen und Bremen waren lahmgelegt. Insbesondere eingefrorene Weichen, Schnee und vereiste Oberleitungen machten eine sichere Fahrt nicht mehr möglich. Der Zugverkehr sei nach und nach geordnet eingestellt worden, hieß es beispielsweise aus dem Büro der Metronom Eisenbahngesellschaft. Gleiches galt für die Strecken der Nordwestbahn. Alle Zugfahrten endeten an ihrem Zielbahnhof. Der Appell der Verantwortlichen am Freitag: „Bitte vermeiden Sie Fahrten mit dem Zug.

Verspätungen und Ausfälle auf der Strecke Bremen - Verden

Auch im Verlauf des Samstags kam es immer wieder zu Störungen, darunter auch die von Signalen. Betroffen davon war noch bis in den frühen Sonntagmorgen auch die Strecke zwischen Bremen und Verden. Der Regionalexpress fiel am Vormittag aus oder hatte erhebliche Verspätungen. Die Nordwestbahn fuhr mit leichten Verzögerungen.

Für heute werde mit einer Normalisierung gerechnet. Reisende werden allerdings gebeten, sich für jede Zugfahrt vorher in der elektronischen Fahrplanauskunft zu informieren, heißt es.  

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