Freispruch: Zeugen erkennen die drei Angeklagten nach drei Jahren nicht eindeutig

Im Beisein der Polizei Mann angegriffen

Eine Straße ist zu sehen. Im Vordergrund stehen zwei Autos am Straßenrand, im Hintergrund befindet sich ein Wohnblock.
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Die Tat ereignete sich am Niedersachsenring in Verden.

Verden – Vor den Augen der Polizei wurde im August 2018 ein damals 28 Jahre alter Mann in Verden gezielt von mehreren Personen angegriffen, auf ihn eingeschlagen und eingetreten. „Denen war es völlig egal, dass wir schon vor Ort waren“, sagte eine Polizeikommissarin gestern in dem Prozess am Amtsgericht Verden gegen drei 29, 31 und 35 Jahre alte Angeklagte aus Bad Oeynhauen und Wolfsburg.

  • Gezielt auf 28-Jährigen eingeschlagen
  • Angriffslustiges Trio freigesprochen
  • Urteil noch nicht rechtskräftig

Die Situation war so extrem, dass die Beamtin einen Notknopf drückte und ihr Kollege seine Waffe gezogen hatte.

Zunächst sei die Familie seiner Tante „angegriffen“ worden, die ihn dann angerufen habe, sagte der 29 Jahre alte Geschädigte im Zeugenstand. Ihm sei bei der Tat angedroht worden, ihn zu „zerstückeln“. Als Motiv sieht er seine politischen, anscheinend im Internet veröffentlichten Aussagen.

Es wurde unübersichtlich und Verstärkung angefordert

Gestern übersetzte ein Dolmetscher. In seinem Notruf, damals bei der Polizei, hatte es Verständigungsprobleme gegeben. „Er habe Angst, dass eine Gruppe aus Hannover anreist und ihn zusammenschlagen will“, war die erste Information der Polizeikommissarin. Auf dem Parkplatz eines Mehrfamilienhauses am Niedersachsenring trafen sie auf den Mann. Während er einen Bekannten zwecks Übersetzung anrief, fiel den Beamten ein Wagen mit Wolfsburger Kennzeichen auf. Als sie die Personalien der Fahrzeuginsassen feststellen wollte, sei die Stimmung „schnell gekippt“. Ein zweiter Wagen sei aufgetaucht. „Es wurde unübersichtlich.“ Verstärkung wurde angefordert.

„Seitens der hier Beschuldigten gab es enorme Aggressionen“, schilderte die Polizistin. „Die haben geschrien. Ich habe es nicht verstanden, aber auf jeden Fall nichts Nettes. Dann fing einer der Beschuldigten an, sich die Jacke auszuziehen und es ging los. Ich konnte sagen, was ich wollte. Massiv haben sie auf ihn eingeprügelt.“

„Vor uns wurde auf den Bode gespuckt“

Ihrem Kollegen und ihr sei es gelungen, die Angreifer von dem Mann zu trennen. Sie sahen sich weiterhin 10 bis 15 Personen gegenüber, während der Verletzte direkt hinter ihnen am Boden gelegen habe. „Vor uns wurde auf den Boden gespuckt.“ Die Aggressionen seien „massiv zu spüren“ gewesen, so die Beamtin. „Einer hat gefilmt und gesagt: Hier sieht man, wie die deutsche Polizei einen IS-Kämpfer beschützt.“ (Anmerkung: ob es sich um einen IS-Kämpfer handelt, war nicht Thema).

Kopfplatzwunde, Prellungen und Schürfwunde

Das Opfer war mit einer Kopfplatzwunde, Prellungen und einer Schürfwunde noch glimpflich davongekommen. Die Personalien der Angeklagten hatten damals Kollegen festgestellt. Mindestens von einem waren Führerschein und Ausweis kontrolliert worden. Nach knapp drei Jahren vermochte gestern keiner der Zeugen, die Angeklagten wiederzuerkennen. Weitere Zeugen gab es trotz rund 40 Schaulustiger nicht.

Für den Richter und die beiden Schöffen überwogen am Ende die Zweifel, dass die drei Angeklagten die ersten Angreifer waren. „Ich bin nicht überzeugt, dass hier Unschuldige sitzen, aber auf Vermutungen kann ich keine Verurteilung stützen“, sagte der Richter. Das Trio wurde freigesprochen, wie von den Verteidigern beantragt. Die Staatsanwältin hatte jeweils zehn Monate auf Bewährung wegen Beteiligung an einer gemeinschaftlichen Körperverletzung beantragt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. wb

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