Reinhard Witt geht nach 40 Jahren Schuldienst in den Ruhestand

Ideen erfolgreich umgesetzt

Blickt zufrieden zurück: Reinhard Witt, stellvertretender Schulleiter der BBS in Verden, geht mit Ablauf des Jahres in den Ruhestand. - Foto: Wienken

Verden - Von Markus Wienken. Freundlicher Blick, Dreitagebart, grünes Poloshirt, kräftiger Händedruck, Reinhard Witt, stellvertretender Schulleiter der Berufsbildenden Schulen in Verden, wirkt entspannt. „Die Schränke sind, bis auf einen, aufgeräumt, alles ist gut.“ Mit dem Begriff „Institution“ würde er sich sicherlich schwer tun, aber die ist er wohl an der riesigen Schule in Dauelsen. Nach 40 Jahren geht der „Netzwerker“ mit Ablauf des Schuljahres in den Ruhestand. „Mit Wehmut?“ Klare Antwort: „Nein, ich blicke gerne zurück.“

Das macht er denn auch, in seinem Büro, wo er es sich auf seine Weise eingerichtet hat. Kunst an der Wand, ein riesiger Skorpion, der sich auf erdigen Tönen scheinbar fortbewegt. Witt hat das Werk einer Schülerin für einen symbolischen Betrag abgekauft. „Es ist schon länger her. Sie wollte es mir schenken, aber das wollte ich nicht.“ Im Hintergrund läuft, sehr leise, Musik aus dem Radio. „Die gehört für mich dazu, wenn es nicht stört“.

Auf keinen Fall, die Stimmung passt. „Nur keine Hektik“, lacht Witt. Dabei zeigt er auf ein weiteres Bild, das eben genau diesen Titel trägt. Tatsächlich das Geschenk einer Schülergruppe. „Die meinten wohl, dass ich manchmal ein wenig hibbelig bin“, erinnert sich Witt. Naja, eine Schule mit mehreren Tausend Schülern, 200 Lehrerinnen und Lehrern, unzähligen Fachbereichen, bisschen hibbelig kann man da wohl werden. Witt winkt ab und lacht wieder: „Ich konnte es mir ja aussuchen und habe die Entscheidung nie bereut.“

In Bassum geboren, hat Witt dort die Volkschule besucht, wechselte danach an das Hermann-Böse-Gymnasium in Bremen. Die Familie, maßgeblich die Oma, hat ihn dabei unterstützt, und zog mit in die Hansestadt. Nach dem Abitur folgte eine Ausbildung beim Bayer-Konzern zum Industriekaufmann, dann das Studium in Hamburg. Geographie und Wirtschafspädagogik, eine Fächerkombination, die den jungen Referendar nach Abschluss an das Studienseminar nach Oldenburg führte. Das war am 1. August 1976. Nach erfolgreicher Prüfung mit Note zwei konnte sich Witt die Stelle aussuchen und wählte die Berufsbildenden Schulen in Verden, wo er am 1. Februar 1978 das erste Mal vor einer Klasse stand.

Ein Beruf mit ganz vielen Freiheiten

Relativ jung an Jahren, hatte Witt eine Kernidee, wie er den Unterricht gestalten wollte. Geprägt von seinem damaligen Uniprofessor und dessen Kritik an den Bildungsplänen der 50er- und frühen 60er-Jahre, ging es ihm immer darum, Lehrpläne zu hinterfragen. „Weg von sturem Reproduzieren, sollen wir die Schüler zur Bewältigung von Lebenssituationen befähigen“, betont Witt. Und der Aufgabe widmete er sich mit wachsender Begeisterung: „Tür zu und dann mit jungen Leuten zu arbeiten, dass ist ein Beruf mit ganz viel Freiheiten.“

Dabei wollte der geübte Pädagoge nicht den Lehrer rauskehren, auch wenn er für so manche Lebenssituation gerne mal einen Spruch bereit hält: „Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat’s gemacht.“ So manchen vermeintlich schwächeren Schüler hat Witt mit der Weisheit „abgeholt“. „Und was für eine schöne Erfahrung, wenn ich bei zufälligen Begegnungen dafür noch nach Jahren ein Wort des Dankes höre“, freut er sich. Auftrag also erfolgreich ausgeführt.

Auf Schüler zugehen ja, aber „Kumpel“ sein, das wollte Witt nie. „Funktioniert auch nicht“, weiß er. „Klare Kante“, sich nicht verstellen, authentisch sein, so wünschte sich der 65-Jährige die Beziehung zu „seinen“ Schülern. „Ich glaube, das hat ganz gut geklappt“, so Witt.

Und nicht nur das. Wo viele Menschen miteinander arbeiten, ist Kommunikation gefragt. Ein Job, den Witt besonders mochte, in und außerhalb der Schule. „Er ist bestens vernetzt, ich durfte während unserer engen Zusammenarbeit immer wieder davon profitieren“, berichtet Schulleiter Manfred Runge. Vor fünf Jahren ist er von Bremen an die BBS gewechselt und von Beginn an sei Witt als der Ältere für ihn, Runge, den Jüngeren, da gewesen. „Aus anfänglichem Teamwork ist echte Freundschaft geworden“, so Runge.

Und nun? Witt lacht. „Nein, nein, keine Melancholie, ehrlich. Ich bin vorbereitet.“ Die Familie, der Chor VerVoices, wo er als Tenor singt, das macht ihm Spaß. Außerdem will er als „Lese-Onkel“ den Kindern spannende Geschichten erzählen. „Lesen ist wichtig“, wirbt er. Ein bisschen Schule muss schließlich noch sein. Und er geht in die Politik. Im September, zur Kommunalwahl, kandidiert Witt auf der Liste von Bündnis 90/Die Grünen für den Verdener Stadtrat und den Ortsrat Borstel. „Darauf freue ich mich ganz besonders.“ Man glaubt es ihm.

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