Fahr-Fitness-Check für über 70-Jährige

„Ich habe mich sicher gefühlt“

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Eine besondere Situation für jeden Autofahrer ist die Auffahrt auf die Autobahn.

landkreis - Von Volkmar Koy. „Sind Sie Inhaber einer Fahrerlaubnis, mindestens 70 Jahre alt und wohnhaft im Landkreis Verden?“ Diese Fragen werden im Flyer des Landkreises Verden zum Fahr-Fitness-Check gestellt. Wer sie mit „Ja“ beantwortet, sollte die ADAC-Philosophie „Mobilität erhalten statt abschaffen“ gleich unterschreiben.

Unsere Zeitung machte den Check mit. Vorgespräch, Fahrstunde, Nachbetrachtung. Alles. Fahrer war Frank Gardeike (71) aus Dörverden, auf dem Beifahrersitz Gerhard Kreie, jahrzehntelanger Fahrlehrer und heute Verkehrsmoderator des ADAC. und auf der Rückbank der Autor dieser Zeilen.

Der Fahr-Fitness-Check, den Kreie mitentwickelt hat, wird vom Landkreis bezuschusst, kostet eigentlich 49 Euro, der Eigenanteil beträgt 30 Euro. Die Führerscheinstelle erfährt übrigens nichts von dem Ergebnis. Eigentlich besteht kein Grund, an der Fahrtüchtigung älterer Menschen zu zweifeln. Sagt der Landkreis. Und was sagt der Fahrlehrer vom ADAC?: „Mobilität ist Lebensqualität“. Doch während der Fahrt durchs Stadtgebiet, in die Umgebung und auf der Autobahn kommen Kreie viele Dinge in den Sinn, die manche Senioren möglicherweise ausgeblendet haben. Angst, durch den Check den Führerschein zu verlieren, braucht keiner zu haben. Es bleibt eher die Erkenntnis, die eigene Fahrsicherheit erhöht zu haben.

Mit dem Vorgespräch ging es am Landkreis-Gebäude für Frank Gardeike (links) und ADAC-Verkehrsmoderator Gerhard Kreie los.

Gardeike ist fit und fährt auch so. Das wurde ihm später von Kreie sogar per Urkunde bestätigt. Das sei aber laut Erfahrung des ADAC- Mannes nicht immer so. Bei einsetzender Demenz, nach Schlaganfall oder Herzinfarkt sei Vorsicht geboten. 80 Prozent der Fitness-Check-Teilnehmer seien zwischen 70 und 80 Jahren alt, sein ältester „Kunde“ ist 96.

Ein großes Thema sei die Medikamenteneinnahme. Er vermisse, so Kreie, dass viele Ärzte ihre Patienten über die Verträglichkeit der Arzeimittel nicht aufklären. Jeder Senior sollte seine Medikamentenliste ständig bei sich haben. Erste Hilfe ist ein weiterer Schwerpunkt. Er habe es oft erlebt, dass Ältere bei Unfällen völlig überfordert seien, sagt Kreie. Ferner wäre es sinnvoll, ältere Fahrer regelmäßig mit der Neufassung der Straßenverkehrsordnung zu konfrontieren. Ferner sollte jeder Senior und jede Seniorin regelmäßig zum Augenarzt. Einmal im Jahr sei ein Test mit Sichtfeldmessung außerordentlich sinnvoll. Des Weiteren habe er Fahrer erlebt, die seit 26 Jahren mit der gleichen Brille unterwegs sind. Kreie drückt dieses Verhalten außerordentlich vorsichtig aus: „Es ist wichtig, die Brille anzupassen.“

Zum Schluss gab es eine Teilnahmeurkunde.

Mit Gardeikes Fahrweise ist der Verkehrsmoderator sehr zufrieden: „Ich habe mich sicher gefühlt.“ Er habe immer die Übersicht behalten, sei vorausschauend gefahren. Und dennoch: Im Kreisel in Dauelsen fehlt Kreie beim Herausfahren der Blick zurück in den toten Winkel. Und in der Tempo-30-Zone in der Artilleriestraße geht’s ihm zu schnell. Das war es aber auch schon. Gardeike habe alles gut geregelt.

Auch Tüv und Dekra bieten sich als Partner des Fitness-Checks an. Mit einem kleinen Nachteil. Die Fähigkeiten des Fahrers bei verschiedenen Tests werden lediglich am Computer untersucht. Wer sich also für den Fahreignungstest anmelden möchte, kann dies beim ADAC (Telefon 0421/4994210), bei der Dekra (0421/63929890) oder Tüv Nord (0421/24277599) tun.

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