Was die Verdenerin Ludmilla Engelmann antreibt

Wohltuende Streifzüge: Hymne an den Stadtwald

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Verdenerin Ludmilla Engelmann hier zu Besuch bei „Odin“.

Verden - Die alten Griechen und Germanen kannten geweihte Bäume oder Haine. aber auch in den jüdischen, keltischen, römischen und slawischen Traditionen ist die Verehrung von Bäumen zu finden. Man könnte denken, Ludmilla Engelmann will daran anknüpfen. Wenn sie in den Verdener Stadtwald geht, hat das auch mit Verehrung zu tun. „Der Wald tut mir gut“, sagt die 72-jährige Verdenerin, „und deshalb tue ich ihm auch Gutes.“Sie sammelt auf ihren Streifzügen achtlos weggeworfenen Müll und lässt sich auch von verständnislosen Blicken anderer nicht beirren.

Die germanische Mythologie kannte die Weltenesche Yggdrasil. Die Griechen weihten Bäume Maia, der Göttin der Fruchtbarkeit. Für Ludmilla Engelmann haben zwei Bäume im Stadtwald eine besondere Bedeutung. Odin und Leo hat sie die Eichen getauft und besucht sie alleweil auf ihren Spaziergängen.

Immer hat sie einen Beutel dabei und sammelt auf ihren Streifzügen achtlos weggeworfenen Müll auf. „Für mich ist das selbstverständlich, dden Wald auf meinen Wegen sauber zu halten“, sagt sie, auch wenn ihr klar ist, dass mancher ihren Einsatz belächelt.

Der Verdener Stadtwald ist für die Seniorin Naherholungsgebiet im Wortsinn. Mehr noch, Engelmann empfindet das Biotop als Medizin und in gewisser Weise sogar als Jungbrunnen. „Mir ging es schon viel schlechter“, erinnert sie sich. Jetzt aber ist sie täglich auf den Pfaden zwischen Buchen, Eichen und Gesträuch unterwegs und fühlt sich wohl. Sie genießt das Grün und die Natur und hat festgestellt, dass das auch ihrer Seele gut tut. Manchmal ist sie sogar so begeistert, dass sie alles in ein Loblied zusammenfassen möchte, eine Hymne an den Wald.

„Hausbesuche macht er leider nicht“

Ein Freund hat ihr das Gedicht „Doktor Wald“ zukommen lassen. Die Verse, die der Förster Helmut Dagenbach vor drei Jahrzehnten verfasst haben soll, zeigen, dass der Dichter den Aufenthalt im Wald so wohltuend empfunden haben muss, wie Engelmann. Das Gedicht endet mit den Zeilen: „Er bringt uns immer wieder auf die Beine, das Seelische ins Gleichgewicht, verhindert Fettansatz und Gallensteine. nur – Hausbesuche macht er leider nicht.“

Darin unterscheide sich ihr Doktor Wald also kaum von der heute üblichen medizinische Betreuung. Für Ludmilla Engelmann ist die konsequente Haltung ihres „Gesundheitsförderers“ aber auch ein möglicher Grund für seine Wirksamkeit. „Die regelmäßige Bewegung ist besser als jede Pille“, nimmt die Verdenerin an, die früher als Sekretärin gearbeitet hat. Hinzu kommt das befriedigende Gefühl, dass der Müll, den sie nach Hause trägt, nicht mehr das Biotop stört. „Der Mensch braucht die Natur, die Natur aber nicht den Menschen“, ist die Seniorin überzeugt. Und so sammelt sie Flaschen, Papierfetzen und Pappschachteln auf. Jeden Tag aufs Neue wie Sisyphos bei den alten Griechen.

Für eine Umwelt-Aktivistin hält sich Ludmilla Engelmann nicht; trotz ihres einsamen, seit Jahren anhaltenden Engagements. Sie wolle sich eben revanchieren für das, was Bäume und Büsche ihr Gutes tun. Und schön fände die Verdenerin es, wenn andere ihre Wertschätzung für den Wald zumindest dadurch ausdrücken würden, dass sie ihren Müll nicht dort zurücklassen. 

kle

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