„Baumgucken“-Aktion der Verdener Aller-Zeitung: Es muss nicht immer Tanne sein

Hühnergötter und eine Gurke

Auf dem Dachboden wartet der Baum Marke Eigenbau der Voleskys auf seinen Einsatz.
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Auf dem Dachboden wartet der Baum Marke Eigenbau der Voleskys auf seinen Einsatz.

Landkreis – „Ein geschmückter Nadelbaum, der zur Weihnachtszeit in einem Gebäude oder im Freien aufgestellt wird“, definiert Wikipedia den Weihnachtsbaum. Und lässt dabei die „Eigengewächse“ außer Acht, die unsere Leserschaft in ihren Wohnzimmern stehen hat. Die Fotos beweisen: Es muss nicht immer Tanne sein.

Thomas Kaun aus Thedinghausen scheint nicht nur ein eifriger Strandspaziergänger zu sein. Offenbar kommt er auch selten mit leeren Händen zurück. Wie sonst ist sein maritimer Christbaum, selbst entworfen und gebaut, zu erklären?

Aus Treibholz empfand Kaun die Zweige nach. Schnüre und Lichterkette erinnern an die Takelage eines Segelschiffs. Die Dekoration besteht aus Hühnergöttern. So werden Steine mit natürlich entstandenen Löchern genannt. Und über allem wacht ein tönerner Moby Dick.

Upcycling, also eine Wiederverwendung von Stoffen durch Aufwertung, betrieb auch Natascha Kleinganz. Oder besser: Sie ließ upcyclen. „Den Baum habe ich irgendwann mal in einer Zeitung gesehen und fand ihn so hübsch, dass mein Lebensgefährte ihn aus einem alten Baumstamm und alten Furnierstreifen vor ein paar Jahren nachgebaut hat“, beschreibt die Langwedelerin den originellen Wohnzimmerschmuck. Er werde zu Weihnachten stets wieder zusammengebaut und immer anders dekoriert.

Auch der „Baum“ von Heide und Heinz Volesky aus Verden-Borstel stammt aus keiner Schonung, sondern vom Dachboden. „Das war früher: irgendwo hinfahren, Tannenbaum aussuchen, Baum einnetzen, irgendwie im Polo unterbringen, zu Hause möglichst gerade auf einen Ständer bringen, schmücken“, beschreibt das Ehepaar, was einst fester Bestandteil der Adventszeit war. Heute lautet die Devise: „Selbst gebauten Weihnachtsbaum vom Boden holen, schmücken, fertig.“ Windlichter und Zapfen auf aufgeschichteten Brettern sind ein wunderbarer Ersatz. Naturlook mal anders.

Martina Meyer aus Verden-Walle setzt zwar auf den klassisch dekorierten Nadelbaum. Weniger klassisch ist aber die Gepflogenheit, die dank ihrer Mutter und deren Freude am Schenken in der Familie Einzug gehalten hat.

„Normalerweise feiert meine Familie mit 16 Leuten bei meiner Oma am Heiligen Abend“, berichtet Martina Meyer. „Meine Mutter brachte den Christbaumschmuck in Form der Gurke mit und hängte ihn in den Baum.“ Seitdem werde das grüne Gemüse im großmütterlichen Weihnachtsbaum versteckt. „Und wenn wir gesungen haben und die eigentliche Bescherung zuende ist, schaut jeder, der mag, nach dieser Gurke.“ Wer sie als erster entdecke, bekomme das Gurken-Geschenk. Der Name täuscht übrigens: „Das Geschenk soll Freude machen, also ist immer etwas Schönes drin“, betont die Wallerin.

Der glückliche Finder sei im darauffolgenden Jahr damit an der Reihe, 1. ein neues Präsent zu kaufen und 2. die Gurke wieder im Baum der Oma zu verstecken.

Leider sei dieses Jahr alles anders gewesen, bedauert Martina Meyer, dass ihre Familie nicht in großer Runde feiern konnte. Als kleinen Ersatz verschickte sie ein Such-Foto ihres Baumes samt Gurke an ihre Lieben. Verbunden mit dem Herzenswunsch, dass wir hoffentlich alle wieder zusammen feiern und am Weihnachtsbaum singen können“.

„Der Brauch der Gurke im Baum kommt wohl aus Amerika“, fügt die Wallerin noch hinzu. Verschiedenen Quellen zufolge wird „The Christmas Pickle“ in den USA aber als alte deutsche Weihnachtstradition gehandelt. Mal wird behauptet, sie sei 1880 in Thüringen erfunden worden. Dann wieder heißt es, einen deutschstämmigen Soldat im Bürgerkrieg habe eine Gurke vor dem Hungertod bewahrt. Zur Erinnerung daran habe er daraufhin Jahr für Jahr seinen Christbaum mit einer Gurke geschmückt.  kp

Ein Baum aus Furnierstreifen schmückt das Wohnzimmer von Natascha Kleinganz.
Den maritimen Look bevorzugt Thomas Kaun aus Thedinghausen.
Eine Gurke hat Martina Meyer im Baum versteckt. Wer aus der Familie sie findet, erhält ein Geschenk.

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