Millionenprojekt mit weniger starren Regeln neu gestartet

Verdener „Stadtkante“: Alles auf Anfang

Luftaufnahme der Verdener Innenstadt.
+
Filetgrundstück an der Aller: Die Stadt Verden startet das Millionen-Projekt Stadtkante neu. Zur Disposition steht das ehemalige Kaufhallen-Gelände (gelber Kreis).

Der Supermarkt darf gern auch zur Großen Straße ausgerichtet sein, das geplante neue Hotel kann zur Aller hin stehen. Mit weicheren Regel startet am Montag das Verdener Millionenprojekt Stadtkante.

  • Mit einem Jahr Verzögerung ein Neustart für das ehemalige Kaufhallen-Gelände
  • Wert des Filetgrundstücks an der Aller erheblich gestiegen
  • Jede fünfte Wohnung muss der Kategorie bezahlbar angehören

Verden – Das größte Verdener Innenstadtprojekt der Nachkriegsgeschichte geht neu an den Start. Knapp zwei Jahre nach dem unrühmlichen Ende des ersten Verfahrens, das in einem Ausstieg sowohl des Wettbewerbssiegers als auch des Zweitplatzierten gipfelte, haben Investoren ab kommendem Montag die Möglichkeit, die Unterlagen für die „Stadtkante“ auf dem ehemaligen Kaufhallen-Gelände anzufordern und eine eigene Idee einzureichen. Das teilt die Stadtverwaltung mit. Der Zeitplan fällt ehrgeizig aus. Schon vor den Sommerferien soll der neue Siegerbeitrag gekürt sein.

An den ursprünglichen Vorgaben mit Supermarkt, Hotel, Läden und Wohnen werde sich nichts ändern, heißt es weiter. Allerdings lohnt ein Blick ins Kleingedruckte. Die Regeln, an denen sich die Investoren entlangzuhangeln haben, fielen deutlich weniger starr aus als noch beim ersten Versuch, sagt Birgit Koröde aus dem Fachbereich Stadtentwicklung. Einer der Diskussionspunkte in Politik und Verwaltung war die Lage des Supermarktes. Er dürfe den neuerlichen Vorgaben folgend auch in Richtung Norderstädtischer Markt gebaut werden, hieß es. Andererseits könne das Hotel gern zur Aller hin ausgerichtet sein.

Gleichzeitig wird vom künftigen Investor ein gutes Gespür für Nachhaltigkeit und Soziales erwartet. Ein Carsharing-Angebot gehöre dazu, natürlich eine Ladesäule für Elektrofahrzeuge und gern auch eine Abstellanlage für Fahrräder. Auf allzu viel Parkplätze müsse indes nicht geachtet werden. „Immerhin handelt es sich um einen Standort mitten in der Stadt“, so Koröde.

Wichtig bei der Kostenkalkulation für das Filetgrundstück am Fluss: In den Genuss von Wohnraum kommen nicht nur gut betuchte Mieter. „Wir haben die Bindungsquote für Wohnraum auf 20 Prozent festgelegt.“ Heißt: Mindestens jede fünfte Wohnung muss der Kategorie „bezahlbar“ angehören. In diesem Punkt bleibt Investoren wenig Spielraum. Der Mietpreis ist auf anfangs 7,20 Euro pro Quadratmeter festgelegt.

Insgesamt wird die Fläche mit 7 500 Quadratmetern etwas kleiner ausfallen als noch beim ersten Wettbewerb. „Ursprünglich war die Straße Blumenwisch auf eine Breite von acht Metern angedacht“, so die Chefin der Baubehörde. Der Abriss der Kaufhalle und der freie Blick von der Großen Straße auf die Aller hätten aber dazu geführt, diese Aussicht ein wenig zu bewahren. Die Blumenwisch werde deshalb auf 10,50 Meter aufgeweitet.

Viel günstiger kommt Investoren das Gelände indes nicht. Hintergrund: Die Richtwerte für Flächen in der Verdener Innenstadt sind stark gestiegen. Schätzungen zufolge ist der Quadratmeter Boden inzwischen mindestens 350 Euro wert, das Gesamtgrundstück also 2,6 Millionen Euro. Allerdings müsse die Fläche teilweise noch von Altlasten befreit werden, was wiederum zu Preisnachlässen führe.

Der Neustart des Projektes hat sich um knapp ein Jahr verzögert. Das räumt auch Koröde ein. „Es hat länger gedauert als zunächst erwartet.“ Besonders bei Investoren, die zwischenzeitlich Interesse bekundeten, und das seien einige gewesen, stehe man im Wort. Und deshalb drücke man jetzt aufs Gaspedal. Auch die Politik kritisierte die Verzögerungen bereits. „Das ganze Projekt droht vom Wahlkampf vor der Kommunalwahl im September überschattet zu werden“, hieß es zwischenzeitlich, wie berichtet, aus CDU-Kreisen.

Aktuell fällt der Zeitplan ehrgeizig aus. Noch vor der Sommerpause werde eine Jury im Rahmen der Bewertungssitzung die einzelnen Bewerbungen bewerten und sich auf den Siegerentwurf verständigen, heißt es aus dem Rathaus. Anschließend müsse über das Grundstück verhandelt, es müsse eine Bauleitplanung und eine Bauplanung auf den Weg gebracht werden, und nicht ausgeschlossen, dass auch noch Veränderungen am siegreichen Wettbewerbsbeitrag zu verhandeln seien.

In den letzten Monate habe sich ein mit externen Fachpreisrichtern, Ratsmitgliedern, dem Bürgermeister und Verwaltungsbediensteten besetztes Begleitgremium intensiv mit den Vorgaben für die Entwicklung des Areals befasst. In diesem Zusammenhang wurden auch die Vorgaben für das 2016 durchgeführte Vergabeverfahren hinterfragt. Aufgrund der besonderen Lagequalität sowie der städtebaulichen Anforderungen erfolge die Vergabe des Grundstücks auf Basis eines zweistufigen Verfahrens, das im ersten Schritt durch eine Interessensbekundungsphase und im zweiten Schritt durch eine Überarbeitungsphase gekennzeichnet sei und mit einer Bewertungssitzung abschließe.

„Die Stadt Verden hofft auf ein reges Interesse an dem für Verden einmaligen Standort in der nördlichen Altstadt direkt an der Aller mit optimaler Verkehrsanbindung“, heißt es aus dem Rathaus. Ab kommenden Montag, 22. Februar, können an der Entwicklung des Grundstücks Interessierte die Unterlagen für das zweistufige Erwerberauswahlverfahren bei dem mit der Verfahrensbetreuung beauftragten Büro BPW Stadtplanung aus Bremen unter der Mailadresse wettbewerb@bpw-stadtplanung.de anfordern.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Tränen bei Joker Gregoritsch: Österreich schreibt Geschichte

Tränen bei Joker Gregoritsch: Österreich schreibt Geschichte

EM-Drama in Kopenhagen: Dänen-Star Eriksen kollabiert

EM-Drama in Kopenhagen: Dänen-Star Eriksen kollabiert

Fußball-EM mit Show vor Italien-Türkei eröffnet

Fußball-EM mit Show vor Italien-Türkei eröffnet

Löw-Stars vor EM: Kroos-Warnung und Sorgen um Hofmann

Löw-Stars vor EM: Kroos-Warnung und Sorgen um Hofmann

Meistgelesene Artikel

Verdener Gastronom Sven Sottorff querschnittsgelähmt

Verdener Gastronom Sven Sottorff querschnittsgelähmt

Verdener Gastronom Sven Sottorff querschnittsgelähmt
Impfmarathon in der Achimer Moschee

Impfmarathon in der Achimer Moschee

Impfmarathon in der Achimer Moschee
CDU und Grüne wenden sich gegen „Achim-West“

CDU und Grüne wenden sich gegen „Achim-West“

CDU und Grüne wenden sich gegen „Achim-West“
Buss in Ottersberg: Erweiterungskurs Nordost

Buss in Ottersberg: Erweiterungskurs Nordost

Buss in Ottersberg: Erweiterungskurs Nordost

Kommentare