Verdener Gördt Glander reagiert mit öffentlichem Dementi auf brodelnde Gerüchteküche

Hotel Höltje: Nein, wir haben nicht verkauft

Herr im Hause: Gördt Glander in der Bar des Hotel Höltje. „Wir haben die Corona-Pandemie mit einem blauen Auge überstanden“, sagt er.
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Herr im Hause: Gördt Glander in der Bar des Hotel Höltje. „Wir haben die Corona-Pandemie mit einem blauen Auge überstanden“, sagt er.

Verden – Er sieht es ihnen an der Nasenspitze an. Und am Gesichtsausdruck. Und die Frage, die sie stellen wollen, müssen sie gar nicht mehr stellen, die Gäste, die zuweilen hereinschneien. „Nein“, sagt Gördt Glander, „nein, wir haben nicht verkauft.“ Das traditionsreiche Hotel Höltje befinde sich weiterhin im Familienbesitz, es werde selbstverständlich weitergeführt, und, bevor die nächste Frage komme, könne er gleich die Antwort geben. „Ja, die Corona-Pandemie haben wir mit einem blauen Auge überstanden.“

Sein Blick wandert zum Klavier, an dem schon Axel Zwingenberger saß und Gottfried Böttcher und zuletzt Teilnehmer der Maiklänge. Sein Blick wandert zu der Wand mit den ungewöhnlichen Autokennzeichen aus aller Welt, auf die Mitbringsel, die zufriedene Gäste und Freunde des Hauses im Gepäck hatten, und die hier einen Ehrenplatz erhielten.

Ein vertrautes Bild und ein vertrauter Blick. Seit 25 Jahren schon. Irgendwo sein Zuhause, in dem er zuweilen Pläne schmiedet oder Ursachen ergründet. Woher diese Verkaufsgerüchte stammen? „Vielleicht aus der Umstellung unseres Konzeptes“, sagt Glander. Im Januar hatte er öffentlich angekündigt, er werde die reine Speisegastronomie einstellen und auch das Catering und das Bankett nicht mehr anbieten.

„Gründe sind zum einen der allgemein bekannte Mitarbeitermangel. Dieser führte immer öfter zu Situationen, die nicht mit dem Service-Qualitätsanspruch des Hauses zu vereinbaren waren“, sagte er seinerzeit. Hinzu komme, dass es nicht möglich gewesen sei, das Restaurant in den Fokus der Verdener Gesellschaft als reguläres Abendlokal zu bringen. „Schon damals keimte das Gerücht auf, wir planten den Verkauf des Hauses oder hätten sogar schon verkauft. Seinerzeit allerdings noch von lediglich einigen wenigen.“

Und dann kam Corona. Fast zwei Monate totaler Lockdown. „Hundert Prozent Gästeausfall“, sagt Glander. Und das habe die Fantasie beflügelt. „Ich bin von Stammgästen angesprochen worden, von Nachbarn, von Freunden.“ Er habe verneint. Aber stoppen ließ sich das Gerücht nicht mehr. Soziale Medien griffen es auf. „Ich bin an dem Punkt, an dem ich mich gezwungen sehe, öffentlich zu reagieren.“ Nein, er habe nicht verkauft.

Gördt Glander zeigt sich optimistisch. „Schon Mitte Mai lief das Geschäft langsam wieder an. Mit dem Juni sind wir zufriedener als zunächst erwartet. Wir hatten mit einem stotternden Start gerechnet.“ Und jetzt schaue man zuversichtlich in die Zukunft. „Die Menschen verleben ihren Urlaub verstärkt im Inland.“ Viele seien als Fahrradtouristen unterwegs. Und wenn es nicht zu längeren Regenperioden komme, könne man die Ziele gut erreichen. Noch allerdings führe er den Betrieb mit angezogener Handbremse. Nach der hundertprozentigen Kurzarbeit sind von den 22 Mitarbeitern inzwischen sechs plus Auszubildende zurückgekehrt. Je nach Bedarf werde jetzt aufgestockt.

Gewiss, jede Firma habe Ups und Downs zu verzeichnen, da sei ein Hotelbetrieb keine Ausnahme, es gehe nie kontinuierlich nur nach oben. Aber, so Gördt Glander: „Wir haben die wirtschaftliche Situation gefestigt.“ Nach der kurzzeitigen Schieflage vor zehn Jahren und dem Generationswechsel könne er zufrieden sein. Das gelte auch für die Zukunft. „Gleichwohl würden wir uns natürlich über jeden neuen Gast freuen, der uns aufsucht.“

Eine wechselvolle Geschichte liegt hinter dem 1928 erbauten Hotel. Die Familie Höltje hatte das Haus vor 39 Jahren veräußert. Es fiel in den Besitz des in der Schweiz beheimateten Sprudelbad-Herstellers Baumann KG. Zwei Jahre später pachteten Anolda und Günther Glander zunächst das Hotel und übernahmen 1986 auch die Gastronomie. Seit 1995 werden sie als Eigentümer geführt. Die Zahl der Zimmer konnte von 34 auf 62 fast verdoppelt werden. Einige Elemente haben die Zeiten überdauert, der Fußboden in der Bar etwa. Er lag einst im großen Saal. Ein Detail mit emotionaler Komponente. Anolda Glander erinnert sich: „Hier hat mich mein späterer Mann zum ersten Male zum Tanz aufgefordert.“

Von Heinrich Kracke

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