Domchor Verden und Kammer Sinfonie Bremen

Homogen und spannend

Beeindruckend: Chor und Kammer Sinfonie Bremen im Dom zu Verden. - Fotos: Bruns

Verden - Von Ilse Walther. Psalmvertonungen verschiedener Komponisten standen auf dem nicht alltäglichen Programm im Dom. Unter der Leitung von Tillmann Benfer führten Solisten, der Domchor Verden und die Kammer Sinfonie Bremen Werke von John Rutter, Antonin Dvorák und Anton Bruckner auf. Ein gewaltiges Programm, das den Ausführenden viel abverlangte.

Zu Beginn waren aus dem 1993 geschriebenen Psalmfest von John Rutter bekannte Beiträge zu hören. Für den gut disponierten Chor eine besondere Aufgabe. Rutter komponiert sehr farbig mit ganz speziellen Komponenten. So setzt er zur Steigerung von Texten häufig chromatisch aufsteigende und absteigende Motive ein, aus dem Piano entwickelt bis zum Forte und wieder behutsam zurückgehend. Das machte der Domchor vorzüglich, wenn man auch die englischen Texte nicht immer heraushören konnte.

Zunächst war die wieder kompetente Kammer Sinfonie Bremen dabei etwas zu laut und übertönte die Chorstimmen. Besonders schön gelangen aber die in ruhigen Tempi geführten Psalmen im Pianobereich. Ein vielseitiges Schlagwerk setzte gekonnte Akzente, bei dem die Triangel, das Xylophon, das Tambourin und die Pauken nicht zu überhören waren. Wunderbar gelangen die Holzbläserpassagen, oft mit der Harfe zusammen in fast mystischen Klanggespinsten, das Orchester musizierte farbig, homogen, auch voller Temperament.

„Jauchzet dem Herrn“ in dieser Vertonung war bewegend dicht mit großartigen Soli von Marcus Ullmann, der mit seinem strahlend schönen Tenor dichte Akzente setzte in seinen diversen Solopassagen. Die Sopranistin Sabine Szameit hatte zu Beginn leichte Schwierigkeiten, ihre Soli zum Blühen zu bringen. Im Laufe des Abends sang sie sich zusehends frei und ließ speziell die Passagen in der Höhe leuchten. Die liegen ihr besonders.

Wunderbare Zwiegespräche zwischen den Solisten, den Bläsern und dem Chor ließen die Psalmen lebendig werden. Das große „Amen“, intensiv gestaltet, war ein bewegender Schluss des Psalms 100. Sabine Szameit, von der Oboe und Harfe wunderbar begleitet, sang den Beginn von „Der Herr ist mein Hirte“ innig getragen, ebenso Marcus Ullmann in dem wunderbaren Duett, und der Chor fügte sich ebenso ein. Auch die weiteren Psalmen bewegten in ihrer Dichte, gerade der letzte, „Wie lieblich sind deine Wohnungen“, dicht und hymnisch wie auch expressiv interpretiert.

Die Biblischen Lieder op. 99 für tiefe Stimme und Orchester von Antonin Dvorák sind mehr bekannt in der Besetzung für Orgel oder Klavier. Sie einmal in dieser farbigen Orchesterbegleitung zu hören, war ein besonderer Genuss. Die Kammer Sinfonie Bremen musizierte die unterschiedlichen Begleitungen intensiv, klangvoll in ausgefeilter Dynamik, auch innig und mit Temperament.

Uta Grunewald sang sie wunderbar warm und beseelt, ihr herrlich dunkel timbrierter Alt bewegt immer wieder in seiner Intensität und Gestaltungsart. Sie fühlte sich in jedes der Lieder ein, so beispielsweise im „Gott, höre mein Gebet“ die in die Tiefe fallende Bitte „Rette mich“. Die Blechbläser stimmten warm in das Gebet

Klangvoll in ausgefeilter Dynamik

„Der Herr ist mein Hirte“ ein, in großer Ruhe gesungen und einfühlsam begleitet. Kraftvoll begannen die Schlagwerker „Gott ich will dir ein neues Lied singen“, aus dem Uta Grunewald einen frohen Lobgesang machte. „Der Herr ist mein Hirte“ gestaltete die Sängerin intensiv und voller Vertrauen, „Wende dich“ hymnisch dicht und flehend.

Das gewaltige „Te Deum“ von Anton Bruckner für vier Solostimmen, Chor und Orchester stand als Schlusswerk auf dem Programm. Alles ist Lobpreis, und da wurde zunächst wieder der Chor doch oft vom Orchester „zugedeckt“. Das war schade, denn der Chor sang auch hier klar in der Diktion, homogen und spannend bis in die für den Sopran schon extremen Höhen, in den vielen Pianopassagen kam das deutlich heraus.

Sabine Szameit, Uta Grunewald, Marcus Ullmann und hier auch Albrecht Pöhl mit seinem sonoren, substanzreichen Bass bestachen durch wunderbar intensive Soloquartette. Man riss sich gegenseitig hin und beendete das Werk mit dem wunderbar ausgereift und klangschön gebotenen „In te Domine speravi“ dem „Auf dich hoffen wir, lieber Herr“. Die vielen Wechsel zwischen den Chor- und Solistenpartien machten das „Te Deum“ zu großem Lobgesang. Der erste Satz klang hier wieder durch, alles endete in diesem feierlich pulsierenden Finale im Fortissimo.

Es gab zunächst eine wohltuende Stille, dann aber feierten die Zuhörer das gesamte Ensemble mit seinem wieder so umsichtig dirigierenden Leiter Tillmann Benfer mit langem, verdienten Applaus.

Mehr zum Thema:

Einfamilienhaus in Sudweyhe brennt

Einfamilienhaus in Sudweyhe brennt

Terror in Istanbul: 38 Todesopfer - Erdogan kündigt Vergeltung an

Terror in Istanbul: 38 Todesopfer - Erdogan kündigt Vergeltung an

Weihnachtsmarkt in Wetschen

Weihnachtsmarkt in Wetschen

Lemförder Lichterzauber

Lemförder Lichterzauber

Meistgelesene Artikel

Eine besondere Atmosphäre

Eine besondere Atmosphäre

Süßes vom Nikolaus auch für große Werder-Kicker

Süßes vom Nikolaus auch für große Werder-Kicker

Einfach abgestellt und abgehauen?

Einfach abgestellt und abgehauen?

Weihnachstmärkte am 3. Advent 

Weihnachstmärkte am 3. Advent 

Kommentare