Tourismus liegt flach

Das Homeoffice außer Haus verlegen: Niedersachsenhof nutzt Krise für neue Ideen

Dieses Hotelzimmer wird aktuell vermietet – allerdings nicht für Übernachtungen, sondern als Homeoffice mit WLAN-Verbindung.
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Dieses Hotelzimmer wird aktuell vermietet – allerdings nicht für Übernachtungen, sondern als Homeoffice mit WLAN-Verbindung.

Verden – Um die Menschen vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen, sieht das neue Infektionsschutzgesetz eine Pflicht für Arbeitgeber vor, Beschäftigten im Falle von Büroarbeit oder vergleichbaren Tätigkeiten Homeoffice zu ermöglichen. Aber nicht jeder hat zu Hause einen geeigneten Arbeitsplatz. Doch es gibt eine Alternative: das Homeoffice außer Haus zu verlegen. Was zuerst bizarr klingen mag, erklärt sich mit Blick auf ein Angebot von Haags Hotel Niedersachsenhof.

„Wir vermieten ein paar unserer Zimmer auf Nachfrage als alternatives Homeoffice“, erläutert Julia Fortmann, Tochter von Gerd Haag, Inhaber des Hotels an der Lindhooper Straße. Entweder für einen Tag oder für eine Woche können Interessierte ihr „Hoteloffice“ beziehen, das ausgestattet mit einem Schreibtisch, Telefon, WLAN und eigenem Badezimmer ist.

„Die Idee kam aus Berlin. Dort wurde die Idee auch super angenommen und fand bei den Leuten viel Anklang. Leider war das hier in Verden bis jetzt nicht der Fall. Das Angebot wurde scheinbar nicht richtig wahrgenommen“, so Fortmann. Bisher hätte nur eine Handvoll Leute tageweise eines der Homeoffice-Zimmer bezogen. Trotzdem bestehe das Angebot weiterhin. „Bei Interesse kann man sich bei uns telefonisch melden. Einer von uns ist immer da“, sagt Fortmann mit Blick auf ihren Vater und ihren Bruder, den stellvertretenden Geschäftsführer Christian Haag.

Zwar darf der Niedersachsenhof Zimmer als Homeoffice anbieten, doch ist die Vermietung zu touristischen Zwecken gänzlich verboten. „Aber wir haben doch ganz gut zu tun. Aktuell beherbergen wir so um die 25 Leute“, so Gerd Haag. Wie das geht? „Viele von ihnen sind Geschäftsreisende, Leute die in Verden Gerichtstermine haben oder die nebenan ein Pferd kaufen wollen“, schildert Haag. Zu diesen Zwecken sei die Vermietung nämlich noch erlaubt. Auch Schulungen oder Konferenzen in den großen Tagungsräumen des Hotels sind möglich. „Da findet meistens täglich eine statt.“

Natürlich gelten sowohl für die Gäste als auch für die Mitarbeiter strenge Corona-Regeln. „Erstmal gibt es überall eine Maskenpflicht, bis auf in den Zimmern, versteht sich“, so Haag. Fortmann ergänzt: „Außerdem dürfen wir in unserem Restaurant kein Essen mehr anbieten. Alle Mahlzeiten müssen auf den Zimmern verzehrt werden. Darum bauen wir jeden Morgen ein Frühstücksbuffet auf, an dem sich unsere Gäste selbst bedienen können. Und das Abendessen bringen wir aufs Zimmer.“

Julia Fortmann, Gerd Haag und stellvertretender Geschäftsführer Christian Haag vor dem Hotel.

Das sei natürlich mit einer Menge Mehrarbeit verbunden. „Im Gegensatz zu früher, als es alle Mahlzeiten in unserem Restaurant gab, brauchen wir jetzt drei Mal so viel Personal“, erläutert Fortmann. „Und das, wo alle unserer Mitarbeiter seit einem Jahr in Kurzarbeit sind“, seufzt Gerd Haag. „Es wird schwer werden, so weiter über die Runden zu kommen. Es muss sich etwas ändern, je eher, desto besser.“ Zwar seien die Corona-Hilfen bis jetzt eine gute Unterstützung gewesen – selbst wenn sie erst Monate später in Verden ankamen – leben könne man von ihnen allerdings nicht. „Wir mussten uns bis jetzt schon eine Menge Geld leihen, und das will irgendwann zurückbezahlt werden“, so Haag.

Doch der Blick auf das kommende Jahr mache Hoffnung: „Alle Feiern, alle Hochzeiten und alle anderen besonderen Anlässe wurden auf 2022 verschoben. Wir haben kaum noch freie Termine“, berichtet der Inhaber. Er hofft, dass mit den rasch voranschreitenden Impfungen die Krise Ende des Jahres zum größten Teil ausgestanden sei.

Außer-Haus-Verkauf von Speisen und Wohnmobil-Dinner

„Bis dahin machen wir einfach das Beste draus“, ermutigt Fortmann und berichtet von einer Reihe an Projekten und Ideen, die der Niedersachsenhof bereits umgesetzt habe oder noch umsetzen möchte. „Bei uns gibt es dauerhaft einen Außer-Haus-Verkauf, aktuell mit einer Spargelkarte, der ganz gut läuft. Ebenfalls angenommen wurde vereinzelt das Wohnmobil-Dinner. Kommen Leute mit ihrem Wohnmobil und stellen sich auf den Parkplatz, dürfen sie dort essen, da sie quasi in ihren eigenen vier Wänden sind. Wir bringen alles Nötige einfach nach draußen“, so Fortmann.

Da im Hotel selbst wenig Betrieb ist, nutzt das gesamte Niedersachsenhof-Team die Zeit, um zu renovieren. „Wir haben schon diverse Wände neu gestrichen, einen neuen Boden vor der Bar verlegt, die Decke im Restaurant neu gemacht und sind jetzt damit gestartet, die Badezimmer eins nach dem anderen komplett zu sanieren.“ Die Krise habe alle viel näher zusammengebracht. „Einerseits merken wir, wie dankbar und verständnisvoll unsere Gäste sind, und andererseits hat die Pandemie uns als Familie sowie als Team zusammengeschweißt. Das ist ein tolles Gefühl und motiviert, allen Umständen zum Trotz, weiter am Ball zu bleiben“, so Fortmann und Haag abschließend.

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