Millionenprojekt am Holzmarkt auf Eis

Parkpalette am Verdener Bahnhof in weiter Ferne

Parken am Bahnhof Verden
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Parken am Holzmarkt: Mit den Plänen für die Parkpalette geht es nur schleppend voran.

Verden – In der Bahnhofstraße/Ecke Holzmarkt ist einiges im Fluss. Stück für Stück wird daran gearbeitet, den Verkehr zu ordnen. Fußgänger, Radfahrer, Autos und Busse, jeder soll wissen, wo er hingehört. Der Bahnhof als Eingangstor zur Stadt. Mit der Umgestaltung des Kurvenbereichs am Holzmarkt fügt sich ein weiteres Puzzleteil ein. Was fehlt, ist der Ausbau der Park + Ride-Anlage.„Ist nicht im runden, sondern im eckigen Ordner gelandet“, sagt Carsten Hauschild, SPD-Fraktionsvorsitzender. „Die Pläne liegen zwar derzeit in der Schublade, aber ganz oben.“ Druck macht auch die CDU: „Auf der Fläche muss dringend was passieren“, betont Lars Brennecke.

Gesamtkosten der Parkpalette am Holzmarkt bei mehr als circa 1,6 Millionen Euro.

Circa sechs Millionen Euro, so lautete ein Ratsbeschluss vor knapp fünf Jahren, wollte die Stadt in die Umgestaltung des Bahnhofsumfeldes investieren. Auch der Bau einer Parkpalette gehörte dazu. Stehen sollte das Projekt, ein Parkdeck in Split-Level-Bauweise, auf dem Gelände der jetzigen Park + Ride-Anlage. Die Konstruktion biete, so die Planer damals, die größtmögliche Anzahl an Stellplätzen auf dem Areal an. Insgesamt, so rechneten die Beteiligten aus, könnten auf vier Halbetagen 129 Autos stehen. Zudem sollten überdachte Fahrradstellplätze und eine E-Bike-Ladestation Platz finden. Auch an eine öffentliche Toilette war gedacht worden. Stahlbeton, die Fassade mit Stahllamellen, einmal um die Längsachse gedreht, so die Außenansicht der Park + Ride-Anlage. Gesamtkosten: circa 1,6 Millionen Euro.

Die Baukosten sprengten deutlich den Rahmen

Die Pläne fertig, zögern die Beteiligten mit deren Umsetzung. „Die Baukosten sprengten deutlich den Rahmen“, weiß Carsten Hauschild. Die Rede ist von mittlerweile zwei Millionen Euro. „Dass wir die Anlage brauchen, steht allerdings außer Frage“, betont Hauschild, der neben seinem Posten als Fraktionschef auch den Vorsitz im Ausschuss für Straßen und Stadtgrün innehat. „Verden als Mittelzentrum ist in der Pflicht, insbesondere Menschen aus der ländlichen Region, die den ÖPNV nutzen, im Bereich des Bahnhofs entsprechende Parkmöglichkeiten anzubieten“, sagt Hauschild. „Toilettenanlage, E-Bike-Ladestationen und Fahrradstellplätze sind notwendig.“ Ob mit dem Komfort und zu dem Preis, lässt der SPD-Chef offen.

Toilettenanlage, E-Bike-Ladestationen und Fahrradstellplätze sind notwendig

Den Standort sieht Hauschild durchaus auf dem Prüfstand. Dabei wirft er einen Blick auf die andere Seite der Bahn, auf die Park + Ride-Anlage an der Lindhooper Straße. „Das Gelände schon im Besitz der Stadt, könnte die Anlage auch dort stehen“, so Hauschild. „Dann bräuchte der gesamte Verkehr nicht in den eh schon belasteten Holzmarkt, sondern würde direkt von der Lindhooper Straße auf das Parkdeck fließen.“ Dass die Anlage kommen muss, dafür sieht Hauschild noch eine weitere Notwendigkeit: „Mit dem Schienenausbau von Alpha E in Richtung Hamburg dürften noch mehr Menschen die Bahn nutzen. Da brauchen wir die Parkplätze.“ Positiver Nebeneffekt des Bauwerks, ob am Holzmarkt oder an der Lindhooper Straße: „Die Palette dient als Lärmschutzwall für die angrenzenden Wohngebiete gegen den zunehmenden Bahnlärm“, so Hauschild. Der SPD-Chef macht aber auch deutlich: „Im September sind Kommunalwahlen. Vorher dürfte darüber keine Entscheidung mehr fallen.“

Im September sind Kommunalwahlen. Vorher dürfte darüber keine Entscheidung mehr fallen

Der Bahnhof ist ein Verkehrsknotenpunkt. Mehr als 5000 Menschen sind täglich auf der Fläche unterwegs. „Das ist durch die Pandemie ein wenig in den Hintergrund geraten, da ist ordentlich Druck auf der Fläche“, sagt Johanna König, Ratsfrau Bündnis 90/Die Grünen. „Wo Menschen, vor allem aus ländlichen Regionen, anreisen, müssen wir Angebote schaffen. Die Parkpalette gehört dazu.“ Für die Sprecherin der Grünen kommen auf den ersten Blick nur die Flächen am Holzmarkt oder eben an der Lindhooper Straße infrage. Und König denkt an die Radfahrer: „Immer wieder höre ich den Wunsch nach Unterstellmöglichkeiten und Schließfächern.“ Eine zeitnahe Lösung? „Möglichst schnell“, so die Antwort von König.

Zu Kernzeiten ist am Bahnhof, in den Seitenstraßen und sogar auf der anderen Seite am Lönsweg alles dicht geparkt

Ganz pragmatisch würde Henning Wittboldt-Müller an das Projekt herangehen. „Pflegeleicht, ein Gebrauchsgebäude, so stelle ich mir eine Lösung vor, die auch schnell umsetzbar wäre“, sagt der FDP-Vorsitzende. Die Dringlichkeit ist auf jeden Fall da, beobachtet der Apotheker täglich aus seinem Geschäft am Holzmarkt. „Zu Kernzeiten ist am Bahnhof, in den Seitenstraßen und sogar auf der anderen Seite am Lönsweg alles dicht geparkt.“ Und: „Kommt das Parkhaus, fahren noch mehr Menschen Bahn. Das wollen wir.“

Lars Brennecke, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes, und Mitglied im Ausschuss für Straßen und Stadtgrün, sieht auf der Fläche, so oder so, dringend Handlungsbedarf. Er wirft einen Blick über das Gelände am Holzmarkt: „Die notdürftige installierte Toilettenanlage, die Parkflächen nur sporadisch bis gar nicht markiert, wir müssen in dem Bereich zeitnah etwas tun. Das sieht nicht schön aus.“ Die Parkpalette sieht Brennecke als dringend notwendiges Angebot für Pendler, die mit der Bahn fahren. „Das ist Beitrag zum Klimaschutz. Da sind wir dabei.“ Was die Bahn mit Alpha E vorhabe, sei für die Pläne der Stadt zunächst zweitrangig. „Das kann noch dauern. Wir sollten jetzt das Heft des Handelns in die Hand nehmen.“

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