Geschichte einer Firma

Höing: Unter neuer Führung

Der noch alte Fuhrpark in den 1950er-Jahren. Bald sollten neue Lkws auf den Hof des Kraftfutterwerkes rollen.
+
Der noch alte Fuhrpark in den 1950er-Jahren. Bald sollten neue Lkws auf den Hof des Kraftfutterwerkes rollen.

Hoch ragen die Silos des ehemaligen Futterwerkes von Anton Höing am Verdener Bahnhof in den Himmel. Der Verdener Friedrich Brinkmann war Auszubildender und dann auch Geschäftsführer in dem Werk. Er erinnert sich an die Blütezeit, an den Prozess nach dem versuchten Attentat auf den Firmenchef und auch an die Schließung im Jahr 1985. Teil 3 der Serie.

Verden – Das missglückte Attentat auf den Firmenchef Anton Höing war in dem Unternehmen und in Verden natürlich über Wochen Thema. „Wir waren erstmal alle froh, dass wir mit dem Leben davongekommen waren“, erinnert sich Friedrich Brinkmann. Er saß am besagten 29. November 1951 ein Stockwerk höher.

Lange brauchte die Polizei nicht, um den Attentäter im Rahmen einer bundesweiten Fahndung ausfindig zu machen. „Die Spur führte nach Nienburg“, so Brinkmann. Festgenommen und angeklagt wurde am 10. Dezember 1951 Erich von Halacz. An die Beweggründe des Attentäters erinnert sich Brinkmann auch noch. „Der wollte mit weiteren angedrohten Anschlägen Geld erpressen.“ Das sollten auch die Ermittlungen der Polizei bestätigen.

Dem damals 22-jährigen Halacz wurde in Verden der Prozess gemacht. Brinkmann selbst erinnert sich noch genau an eine Begegnung: „Ich musste von der Firma am Bahnhof zum Landgericht, wo Anton Höing aussagen sollte.“ Brinkmann brauchte die Unterschrift seines Chefs für etliche Unterlagen. „Rund um das Gericht war alles abgesperrt“, erzählt Brinkmann. „Überall Polizei und Sicherheitsbeamte.“ Höing selbst saß auf dem Flur. „Der Chef war ganz entspannt, unterschrieb in aller Ruhe die Papiere, die ich ihm gab.“ Derweil konnte Brinkmann einen Blick in den Gerichtssaal werfen, wo der Angeklagte saß. „Das war schon merkwürdig, Halacz da so sitzen zu sehen. Immerhin hatte er zwei Menschen auf dem Gewissen.“ In einem aufsehenerregenden Prozess wurde der Attentäter am 25. April zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Über 20 Jahre saß Halacz im Gefängnis, ehe er im September 1974 begnadigt wurde. Danach lebte er unter einer neuen Identität in Hannover.

Firmenchef Höing zeigte sich von den Ereignissen eher unbeeindruckt. Auch das ist schriftlich belegt. „Im Grunde bin ich durchaus nicht misstrauisch oder pessimistisch, sondern neige vielmehr zur optmistischen Grundauffassung“, schrieb er damals an Freunde und die Belegschaft. Und: „Eigentlich bei einem Unternehmer, der einigen Erfolg hat, selbstverständlich.“

Die Tatkraft des Unternehmers war trotz des Attentats ungebrochen, was auch Brinkmann bestätigt. „Das Kraftfutterwerk in Verden wuchs beständig, es war schon beeindruckend“, so der damalige Verkaufsleiter. Über 300 Mitarbeiter aus der näheren, aber auch weiteren Umgebung standen in Lohn und Brot. „Darunter viele Landwirte, die sich bei Höing zusätzlich etwas verdienten, um über die Runden zu kommen.“

Brinkmann sammelte in der Zeit wertvolle Berufserfahrung, knüpfte bei seinen Fahrten zahlreiche Kontakte zu den Landwirten. „Ich konnte gut mit denen“, erinnerte er sich. Privat spielte der junge Mann begeistert Fußball. Außerdem stand er ausdauernd beim TC Verden auf dem Tennisplatz, holte sich wiederholt die Clubmeisterschaft. Es war die Wirtschaftswunderzeit.

Doch dann der Schock, als Anton Höing völlig unerwartet starb. „Praktisch mitten im Berufsleben“, so Brinkmann. Es war der 10. April 1958. „Neben der Betroffenheit, herrschte natürlich die Sorge, wie es weitergeht.“Auch die Anteilnahme in der Bevölkerung war sehr groß.

Der Firmengründer zwar verstorben, ging es dennoch weiter, und zwar mit großem Erfolg. Die älteste Tochter von Anton Höing, Gisela Kerner-Höing, stieg als Geschäftsführerin in die neu formierte Unternehmensspitze ein. „Das Werk wurde immer größer, wiederholt umgebaut und modernisiert“, beschreibt Brinkmann die positive Entwicklung. Dazu gehörten die Erweiterung der Silo- und Produktionskapazitäten. 1959 entstand ein neues Verwaltungsgebäude. In einer Bauzeit von 18 Monaten wurde das gesamte Werk auf eine Lochkartensteuerung für die Mischanlage umgestellt und viele weitere Arbeitsprozesse automatisiert, heißt es in der Firmengeschichte. Zwei Hammermühlen und eine weitere Pelletpresse wurden angeschafft. „Kraftfutter war gefragt“, sagt Brinkmann.

Fortsetzung und Teil vier:

Das Unternehmen investiert und wird verkauft.

Friedrich Brinkmann wechselt nach Hamburg.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Mit dem Kart mitten durch die Wohnung

Mit dem Kart mitten durch die Wohnung

Die Schätze der zyprischen Küche in Larnaka genießen

Die Schätze der zyprischen Küche in Larnaka genießen

Ist ein Fahrradschutzbrief sinnvoll?

Ist ein Fahrradschutzbrief sinnvoll?

Debatte über Corona-Maßnahmen und Mitsprache des Bundestags

Debatte über Corona-Maßnahmen und Mitsprache des Bundestags

Kommentare