Historisches Zeitfenster offen

Dr. Henning Vöpel beim IHK-Neujahrsempfang: Tektonik im Umbruch

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Hauptredner Dr. Henning Vöpel

Stade/Landkreis - Von Theo Bick. Die Zukunft anpacken, statt sich auf vergangenen Erfolgen auszuruhen: Gastredner Dr. Henning Vöpel, Direktor und Geschäftsführer des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitutes, schwor seine Zuhörer am Mittwoch auf dem IHK-Neujahrsempfang im Stadeum in Stade auf bevorstehende massive globale Strukturveränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft ein.

Sein Appell an die Unternehmer und Politiker im Elbe-Weser-Dreieck: zeitnah eine Transformation der Region einzuleiten, um den Anschluss nicht zu verpassen. „In der Tektonik der Weltwirtschaft passiert gerade Fundamentales“, macht Vöpel gleich zu Beginn seines Vortrages klar. Für den norddeutschen Raum sei das zum einen eine gewaltige Herausforderung, zum anderen eine geradezu historische Chance, eine neue wirtschaftliche Dynamik zu entwickeln und den Rückstand in Sachen Wirtschaftskraft gegenüber Süddeutschland aufzuholen.

Bestimmt würden sämtliche Prozesse von der Digitalisierung, der fortschreitenden Globalisierung. „Wir leben mitten in einem Strukturwandel“, betonte Vöpel. Deutschlands augenblickliche Wettbewerbsfähigkeit sei in diesem Kontext lediglich eine Momentaufnahme. Deutschland dürfe die Vergangenheit keinesfalls als Maßstab nehmen. Denn, so Vöpel, industrielle Produktionsketten seien nur bedingt geeignet für die Wertschöpfung der Zukunft.

Rund 800 Gäste nahmen gestern am IHK-Empfang in Stade teil, darunter zahlreiche Vertreter aus dem Landkreis Verden.

Ein weiterer Faktor sei der demografische Wandel. Zwar werde dieser erst 2030 seinen Höhepunkt erreichen, doch klagten bereits jetzt Unternehmen und Behörden über den Fachkräftemangel. Die Entscheidungsträger vor Ort müssten daher begreifen, dass die Fachkräfte von heute und morgen weltweit mobil seien.

Um für eine global denkende Generation attraktiv zu sein, müsse ein „optimaler Raum“ erzeugt werden, der größtmögliche Synergieeffekte nach innen erzeuge (Zentralität) und gleichzeitig mit der Welt und der direkten Umgebung vernetzt sei (Konnektivität). 

Vöpel: „Alle wirtschaftlich erfolgreichen Regionen auf der Welt funktionieren so – nach innen vernetzt und nach außen mit einer größtmöglichen Offenheit.“ Wieso dabei in Norddeutschland erheblicher Nachholbedarf bestehe, verdeutlichte der Referent an der Metropolregion Hamburg, durch die viele Landesgrenzen und somit unterschiedliche politische Räume verliefen.

Drei bis vier Jahre um Grundlagen zu schaffen

Eine Transformation der Region sei daher die alles entscheidende Aufgabe. Der Ausbau der Infrastruktur, die Stärkung der Wissenschaft und die Verbesserung des Technologietransfers seien dafür zentrale Handlungsfelder. Vöpel: „Wissen zieht Wissen an, Aktivität zieht weitere Aktivitäten nach sich.“ Um die Grundlagen für eine erfolgreiche Zukunft zu schaffen, bleibe dem Elbe-Weser-Raum ein Zeitfenster von circa drei bis vier Jahren.

Thomas Windgassen, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Stade, stellte das Thema „Ladenöffnungsgesetz“ in den Mittelpunkt seiner Rede. „Verkaufsoffene Sonntage sind ein Hauptgewinn für den stationären Handel“, betonte er. Sie förderten den Erhalt stationärer Geschäfte sowie die Vitalität der Stadtzentren und böten dem Einzelhandel die Chance, Shoppen als Erlebnis zu verkaufen, um sich so vom Onlinehandel abzuheben. Sonntagsöffnungen sollten daher ohne Anlassbezug möglich sein.

Dauerthema für die IHK ist auch das Thema Fachkräftemangel. Diesem gelte es mit Investitionen in die Bildung entgegenzuwirken. „Junge Menschen können nicht fit für die Digitalisierung gemacht werden, wenn sie in Schulen mit antiquarischer Ausstattung lernen sollen“, sagte der IHK-Präsident. Gleichzeitig gelte es, die Verzahnung von Schulen und Betrieben zu stärken. Ein Mittel dafür: mehr Berufsorientierung an Schulen und – insbesondere an den Gymnasien – mehr Werbung für die duale Ausbildung.

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