Hirtenhaus: Überall fleißige Bienen

Blick in den künftigen Seminarraum.
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Blick in den künftigen Seminarraum.

Es summt und brummt rund um das sogenannte Hirtenhaus in den Allerwiesen. Bienenvölker sind eifrig bei der Arbeit, holen die Blütenpollen in ihre Stöcke. Und ihre Freunde, die Imker, sind nicht weniger emsig. In Sichtweite bringen sie ihr künftiges Heim in Schuss.

Verden – Ein ordentliches Stück Arbeit liegt hinter dem Imkerverein Verden, aber es sind auch noch immer ein paar dicke Bretter zu bohren, ehe das schmucke Häuschen in den Allerwiesen bezogen werden kann. Die neue Heimat, das künftige Schulungszentrum, wo der Verein den Nachwuchs in Seminaren schulen möchte.

Gesagt, getan, und so greift Wilhelm Haase-Bruns entschlossen zur Säge, schneidet eines der zahlreichen Bretter fachgerecht zu, die Imkerkollegin Viola Wild zuvor passend ausgemessen hat. „Das Haus, die Wände, tragende Balken, die sind schon krumm und schief“, lacht Haase-Bruns. Wind und Wetter haben über ein Jahrhundert an dem Gebäude gezerrt, nun muss ein wenig korrigiert werden, damit alles passt. Haase-Bruns und Wild bohren und schrauben den Rahmen, um dann die schweren Fenster einzupassen. Sie geben künftig von der Veranda den Blick frei auf die Allerwiesen. Grün soweit das Auge reicht. Und es kommt noch besser. Haase-Bruns: „Die Veranda ist das Herzstück des künftigen Schulungszentrums. Die Besucher können innen vor dem großen Fenstern sitzen, draußen stehen, nur durch die Scheibe getrennt, die Bienenstöcke. Wer möchte, kann den Imkern bei der Arbeit zu sehen, ohne sie zu stören oder einfach nur gucken, wie die Bienen rein- und rausfliegen.“

Direkt von der Veranda geht’s in das kleine Häuschen, dass sich beim Betreten als Raumwunder entpuppt. Neben dem Seminarraum gibt es eine kleine Küche, sanitäre Anlagen und sogar eine Dusche. Und noch ein weiterer Raum, picobello gefliest und isoliert, findet unter dem schützenden Walmdach seinen Platz: „Hier wird der Honig geschleudert“, erklärt Peter Steffens, erster Vorsitzender des Imkervereins. „Alles komplett neu, nicht Luxus, aber richtig gut“, so Steffens. Die Imker, das ist zu spüren, sind angekommen auf den Allerwiesen. Noch vor einem halben Jahr glich das Haus auf der anderen Seite der Aller einer Ruine. Etliche Dachbalken durchgefault, Fensterrahmen und Türen morsch, der Boden brüchig und uneben. „Viele Leute haben mitgeholfen, sodass wir mit den Arbeiten gut vorankommen“, berichtet Steffens. Die süderstädtische Realgemeinde zählt dazu, die als Eigentümerin des Hauses den neuen Mietern entgegenkam, froh darüber, dass sich jemand um das Gebäude kümmert. Architekt Fritz Tollé, selbst Imker, schickte uneigennützig seine Experten durch das Gebäude. Schließlich war zu klären, wo welcher Balken ersetzt und welche Wand neu gezogen werden musste.

Die Raumaufteilung steht und Haase-Bruns kann sich genau vorstellen, wie das Haus künftig mit Leben zu füllen ist. „Mit der verdener Campus-Schule haben wir schon ein Seminar am Laufen, aber die Corona-Pandemie hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht“, so Haase-Bruns. Das Projekt ist zwar ausgebremst, aber die Idee bleibt. „Sobald möglich, werden wir mit den Schülerinnen und in die Praxis einsteigen und den schuleigenen Campus-Honig schleudern“, erklärt der Imker. Weitere Angebote werden Folgen, darunter Kurse mit der Kreisvolkshochschule und den Gymnasien.

Bis zum 2. August dieses Jahres, passend zum 150. Geburtstag des Vereins, sollte das Haus bezugsfertig sein, offiziell mit vielen Gästen eröffnet werden. „Auch da hat uns Corona einen Strich durch unsere Pläne gemacht“, so Steffens. Trübsal blasen die Imker deswegen nicht. „Wir machen eine kleine Feier und legen dann, alles im Rahmen der Vorschriften, langsam los.“ Die große Feier gibt’s, wenn möglich, in 2021 unter dem Motto 150 plus eins.

Dass bis dahin alle Bretter gebohrt sind, davon ist Steffens überzeugt. Knapp 200 000 Euro braucht der Verein dafür. Das Budget hat Steffens dank zahlreicher Sponsoren, Firmen und Stiftungsgelder zusammen. „Und die Vereinsmitglieder ziehen bei der Eigenleistung alle mit“, freut er sich.

Sorgen machen ihm allerdings ungebetene Gäste, die sich bei Dunkelheit in den Allerwiesen an dem Haus zu schaffen machen. Unlängst hangelte sich in offenbar bierseliger Laune eine Gruppe Jugendlicher an die neu verlegte Dachrinne, die auf einer Länge von zwölf Metern abknickte. „Das ist natürlich ärgerlich. Die Polizei kümmert sich aber darum, will verstärkt Streife fahren“, berichtet Steffens. Damit sich solche Fälle nicht wiederholen, soll zudem künftig eine Videoanlage für Sicherheit sorgen. Schließlich brauchen auch Bienen nach einem Acht-Stunden-Tag mal durchgehend ihre Ruhe.

Von Markus Wienken

Vorsitzender Peter Steffens freut sich über die Unterstützung durch zahlreiche Sponsoren.
Die Bienen kreisen schon über den Wiesen.
Auf der künftigen Veranda: Alles wird neu und fachgerecht mit Holz verschalt. Durch die Fenster blicken die Besucher künftig auf die Allerwiesen. Foto: wienken
Was schief ist, wird mit der neuen Holzverschalung grade gerückt: Wilhelm Haase-Bruns und Viola Wild bei der Arbeit. Die Fenster müssen noch eingepasst werden.
Die Dachrinne ist komplett verbogen.

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