Hinter dem Erfolg steckt ein gutes Team mit der engagierten Koordinatorin Claudia Dietzel / Woche der Diakonie im Kirchenkreis hat viele Facetten

„Es hat sich eine unglaubliche Dynamik in der Kramerei entwickelt“

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Claudia Dietzel wollte mit ihrem Team die Kramerei zu einem Warenhaus für jedermann machen.

Landkreis - Claudia Dietzel ist ein Energiebündel. Wenn die schlanke Frau mit der sportlichen Kurzhaarfrisur über die Kramerei erzählt, strahlt sie eine Dynamik aus, die ihr sicher dabei geholfen hat, das Projekt so erfolgreich voranzubringen – und viele Menschen dabei mitzunehmen. „Die Kramerei ist mein Baby“, sagt Claudia Dietzel, und Stolz schwingt in ihrer Stimme mit.

Auf 180 Quadratmetern bieten die durchweg ehrenamtlichen Mitarbeitenden dieses diakonischen Warenhauses nichtelektrische Haushaltswaren sowie Kleidungsstücke, Kleinmöbel, Bücher und Spielzeug für einen geringen Kostenanteil an. Die Gegenstände sind unter anderem Spenden aus Haushaltsauflösungen, oft aber auch von Personen, die sich durch saisonales Modebewusstsein oder durch Größenveränderung von Kleidungsstücken trennen wollen.

Die Waren werden gebracht oder abgeholt, sortiert und dann angeboten. Alle sind sehr ordentlich und ansprechend platziert. „Das war unser großes Ziel: Alles möglichst attraktiv zu gestalten“, sagt Dietzel. Das ist gelungen. Und das ist auch ein Grund dafür, warum in dieses besondere Kaufhaus nicht nur Menschen kommen, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, sondern auch viele andere Interessierte. „Uns war wichtig, dass jeder kommen kann. Wir haben Stammkunden aus allen sozialen Schichten“, freut sich die studierte Sprachwissenschaftlerin, die aus dieser Zeit sehr viel Interesse und Spaß an anderen Menschen und Kulturen mitbringt.

Alles begann vor rund fünf Jahren, als die junge Mutter etwas Kinderkleidung in der damaligen Kleiderkammer im Pfarrhaus abgeben wollte. „Ich kam in einen dunklen Kellerraum. Die Decke war feucht und niedrig und ich dachte: Wer darauf angewiesen ist, von hier Hilfe zu bekommen, für den muss es ganz schrecklich sein.“

Dietzels spontane Reaktion war, sich dort zu engagieren. Und dass, obwohl sie damals bereits drei Kinder hatte, in der Samba-Gruppe Banda Colorada trommelte und für den Weihnachtsmarkt und eine Boutique in Bremen viele Häkelarbeiten anfertigte. Sie kam zu den monatlichen Ausgabezeiten und half mit.

Sie sah den riesigen Ansturm und war erschüttert. „Wir alle hatten den Wunsch nach anderen Räumlichkeiten und wollten das Sortiment gerne um Spielsachen und Erwachsenenkleidung erweitern.“ Als dann vor rund drei Jahren direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite die Drogerie Schlecker schloss, kam Bewegung in die Sache. Die Thedinghausener Pastorin Cathrin Schley hatte die Idee zur Errichtung eines diakonischen, ehrenamtlich betriebenen Warenhauses. Sie übernahm die Federführung und gewann Dietzel für die praktische Umsetzung. Die damals 40-Jährige holte zwölf Einrichtungen und Geschäfte mit ins Boot, die das Projekt finanziell unterstützten. Das Diakonische Werk im Kirchenkreis Verden übernahm die Trägerschaft.

Zudem startete Dietzel einen Aufruf zur Mithilfe. „Mit 15 Personen sind wir angefangen. Nach dem ersten Treffen im Gemeindehaus entwickelte sich eine unglaubliche Dynamik. Alle waren sehr engagiert und motiviert“, erinnert sie sich. Gemeinsam entwickelte das Team das äußere Erscheinungsbild des Ladens und fand den Namen Kramerei.

Inzwischen sind es mehr als 30 Mitarbeitende. „Ich musste erst lernen, ein Team zu leiten und mit Menschen zusammenzuarbeiten, die 30 bis 40 Jahre älter sind als ich“, sagt Dietzel, die vor ihrer Elternzeit in einer Personalberatung gearbeitet hat. Die älteste Ehrenamtliche ist gerade 80 Jahre alt geworden, die jüngste befindet sich in Elternzeit. Auch Berufstätige mittleren Alters sind mit dabei. „Wir sind wirklich eine sehr nette Gemeinschaft, die sich ohne die Kramerei so nie gefunden hätte.“ Um als Mitarbeitende gleich gut erkennbar zu sein, hat Dietzel ein grünes T-Shirt mit blauem Diakonie-Logo eingeführt. Nach anfänglicher Skepsis wollen es inzwischen alle gern tragen. Es ist zum äußeren Zeichen der guten Gemeinschaft geworden.

Den Schwung aus der Anfangszeit hat Dietzel in den Kramerei-Alltag mitnehmen können. „Es läuft sehr gut“, sagt sie fröhlich. „Das Schöne ist: Wir haben immer gute Laune. Wer mal nicht kommen möchte, der trägt sich einfach wieder aus der Liste aus.“ Die Kontakte zur Stammkundschaft sind inzwischen eng.

„Wenn einer mal nicht kommt, dann vermisst man ihn.“ Die Kunden selbst freuen sich über die Mitarbeitenden, die nicht dringend verkaufen müssen, sondern auch Zeit und Ruhe haben für ein Gespräch.

Dietzels Leben hat sich durch ihr Engagement in der Kramerei sehr verändert. Durch den Kontakt zur Diakonie und zur Kirche ist auch ihre eigene Kirchennähe gewachsen. Als ihre Elternzeit im Oktober vergangenen Jahres auslief, war für die Mutter von inzwischen vier Kindern im Alter von damals drei bis elf Jahren klar, dass sie nicht zurück in die Personalberatung nach Hamburg gehen würde.

Da wurde ihr der Posten als Hausmeisterin in der Kirchengemeinde Thedinghausen angeboten. Auch die Küstervertretung hat sie inzwischen übernommen. „Mir macht es Spaß, in der Gemeinde auch mal hinter die Kulissen schauen zu können.“ Dietzels Engagement in der Kramerei leidet unter der neuen Berufstätigkeit nicht. Alles passt gut zusammen. „Da hat sich eins zum anderen gefügt.“

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