Klare Regeln und Verständnis: Die Verdener Tafel kennt Probleme wie in Essen nicht

Hilfe ohne Unterschiede

Das Sortieren und Transportieren der gespendeten Lebensmittel beschäftigt täglich elf bis zwölf ehrenamtliche Helfer im Verdener Tafelhaus. Viel Arbeit für das Team um Reinhard Wadas (3. v. l.), aber die Stimmung ist offensichtlich gut. - Foto: Klee

Verden - Dreiviertel der Tafelgäste in Verden sind Flüchtlinge oder haben keinen deutschen Pass. Auch die Tafelausgaben in Achim, Bassen und Lunsen berichten von einer hohen, wenn nicht überwiegenden Zahl von Migranten, die sich bei ihnen mit Lebensmitteln versorgen. Probleme, die wie in Essen zum Ausschluss dieser Bedürftigen führen könnten, kennen die Ehrenamtlichen in Verden allerdings nicht. „Wir machen keine Unterschiede danach, wo einer herkommt“, stellt Reinhard Wadas klar. Der Vorsitzende des Verdener Tafelvereins setzt mit Erfolg auf klare Regeln und ein verständnisvolles Miteinander.

Für Reinhard Wadas kommt es nicht infrage, eine Gruppe seiner Gäste pauschal auszuschließen. Damit würde man alle treffen, nicht nur die, die sich daneben benehmen. Das komme schon mal vor, und nicht nur bei Zuwanderern. „Aber das regeln wir hier schnell und konsequent.“ Wadas und sein Team haben die Dinge im Griff. Die Polizei habe er noch nicht zur Hilfe rufen müsssen.

Für die Entscheidung der Tafel in Essen hat der Verdener wenig Verständnis. Statt Menschen mit Migrationshintergrund auszuschließen, sieht der 61-Jährige die Arbeit des Vereins und der 45 ehrenamtlichen Helfer als Beitrag zur Integration. Neben den organisatorischen Pflichten habe er als Vorsitzender auch die Aufgabe, den vernünftigen Umgang im Tafelhaus durchzusetzen.

„Wenn sich jemand daneben benimmt, muss er vier Wochen pausieren“, ist die Regel in Verden. Und die gelte auch für alle, unabhängig von der Herkunft. Und wenn diese Leute dann wiederkämen, hätten sie ihre Lektion in den meisten Fällen gelernt und würden willkommen geheißen.

Das Prinzip hat sich bewährt. Auch die Ängste, die in Essen dazu geführt haben sollen, dass Gäste weggeblieben sind, scheinen in Verden keine große Rolle zu spielen. Der Vorsitzende ist Tag für Tag in der Einrichtung und hat am Anfang der Zuwanderungswelle 2015 schon beobachtet, dass mal eine Seniorin oder ein anderer regelmäßiger Gast nicht mehr auftauchte. Mittlerweile seien aber alle wieder da. „Und wie das so ist, wenn man sich häufiger begegnet, erlebt man auch, wie die Gäste mit Flüchtlingen ins Gespräch kommen“, berichtet Wadas.

Mittlerweile sei die Sprache immer weniger ein Problem. Zu Beginn der Zuwanderungswelle hätten die Ehrenamtlichen sich viel Mühe gegeben, den neuen Gästen die Gemüsesortzen zu erklären und was daraus zubereitet werden kann.

30 bis 60 Menschen besuchen die Verdener Tafel am Tag. Berechtigungsscheine hat der Verein an 1 500 Gäste ausgegeben. Dabei sei die Nationalität nicht wichtig, sondern das Einkommen. Die Obergrenze für Alleinstehende liege bei 950 Euro im Monat.

Deshalb seien selbst Berufsstätige unter den Gästen. Hinzu kommen Senioren, die Grundsicherung oder geringe Renten beziehen sowie Bezieher von Sozialgeld oder Arbeitslosengeld II. Und natürlich auch die Flüchtlinge, die entweder mit den Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz zurecht kommen müssen oder ebenfalls Hartz-IV-Zahlungen erhalten, wenn sie ihre Anerkennung haben.

Eine Konkurrenz um die Lebensmittel, die die Tafel ausgibt, gebe es nicht, freut sich Wadas. „Wir haben hervorragende Sponsoren, die uns gut versorgen“, sagt Reinhard Wadas zufrieden. - kle

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