Hilfe für den Nächsten

Seit 65 Jahren für Kolping aktiv: Christoph Gürlich ist einer der Gründer des Vereins.
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Seit 65 Jahren für Kolping aktiv: Christoph Gürlich ist einer der Gründer des Vereins.

Gegenseitige Hilfe, den Blick für Menschen in Not, der Priester und Sozialreformer Adolph Kolping hat es vor über 200 Jahren vorgelebt. Der Verdener Christoph Gürlich hat sich von der Lehre des weitsichtigen Mannes schon in jungen Jahren angezogen gefühlt. Gemeinsam mit 13 Gleichgesinnten gründete Gürlich den Kolpingverein Verden – vor mittlerweile 65 Jahren.

Verden – Es waren ganz andere Zeiten, in denen der Priester und Sozialreformer Adolph Kolping Mitte des 19. Jahrhunderts wirkte. Doch seine Ideen, sein Handeln, sein Engagement hinterlassen bis heute Spuren. „Mich hat der Gedanke der Soziallehre und -arbeit immer fasziniert und mein Leben geprägt“, erzählt Christoph Gürlich. Er ist Mitbegründer des Verdener Kolpingvereins, der am 8. September sein 65-jähriges Bestehen feiert.

Gürlich war einer von 13 jungen Männern, die sich von Adolph Kolping inspiriert fühlten und dessen Idee auch in Verden weitertragen wollten. Schon damals, erst 17 Jahre alt, hatte sich der junge Mann mit Leben und Handeln des Priesters beschäftigt, und auch seine Mitstreiter konnte er dafür ins Boot holen. „Vom Handwerker bis zum Unternehmer, vom Arbeiter bis zum Ingenieur, vom Abiturienten bis zum Auszubildenden, es waren Vertreter aus allen Bildungsschichten und Berufsgruppen dabei“, erinnert sich Gürlich. „Ganz im Sinne von Kolping und dessen Vorstellung von einem Miteinander in der Gesellschaft.“

Mitte der 1950er-Jahre, die Bundesrepublik befand sich nach dem Krieg noch vielfach in der Phase des Wiederaufbaus, da war eine besondere Form der Solidarität gefordert. „Die Auswirkungen des Krieges, auch in direkter Nachbarschaft, habe ich noch vor Augen“, so Gürlich. Er erinnert sich daran, wie Nachbarn gegenseitig beim Bau der Häuser mit anpackten. Wo es nicht gelingen konnte, Menschen am Rande der Gesellschaft lebt, wurde ebenfalls geholfen. „Ich kann mich noch gut an eine Frau erinnern, die einige Jahre mit ihrem Sohn in einem Zelt hauste. Aus heutiger Sicht kaum vorstellbar“, so Gürlich. Auch ihr wurde unbürokratisch und mit gemeinsamer Hilfe ein Dach über dem Kopf besorgt. „Ein ausrangierter Bauwagen als Notunterkunft bot den beiden zumindest Schutz vor Regen und Kälte.“

Was Kolping zum Inhalt seines Handelns erhoben, das hatten sich auch die Gründungsmitglieder auf die Fahne geschrieben: Engagement in den Bereichen Religion, Beruf, Familie, Gesellschaft und Staat. Und es gab viele ältere, aber auch jüngere Menschen, die ähnlich dachten. „In den ersten Jahren hatten wir regen Zulauf“, erzählt Gürlich. „Die Kolpingfamilie wurde damit zu einer der aktivsten Gemeinschaften der Propsteigemeinde, gewann dadurch zusehends Ansehen in der Stadt.“ Tatsächlich waren, allen voran Gürlich selbst, die Mitglieder im Kreistag, Stadtrat, in Kirchenvorständen und Pfarrgemeinderäten vertreten. Auch bei der Verdener Tafel oder als Schöffen leisteten sie ehrenamtlich Arbeit.

Geehrt mit dem Bundesverdienstkreuz

Gürlich selbst trieb ein weiteres Projekt voran, die Gründung des Seniorenbüros. Dabei nahm er sich mit in die Pflicht, beriet über Jahre hinweg Hilfesuchende in der Einrichtung und war zudem zehn Jahre als Seniorenbeauftragter im Einsatz. Ehrungen, darunter mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und der Verdienstmedaille der Stadt Verden, würdigten das Engagement.

Ein kleiner Traum von Gürlich wurde im Jahr 2013 Wirklichkeit. Da konnte sich die Kolpingfamilie im Schatten der St. Josefkirche an einem Stichweg versammeln. Ein frisch gesetztes Straßenschild, darauf der Name Adolph Kolping, würdigte das nachhaltige Wirken des Sozialreformers. „Das hat mich schon berührt und sehr gefreut“, erinnert sich Gürlich.

Soziales Engagement, Hilfe für den Nächsten, das gehörte vorrangig zur Idee der Kolpingbrüder der 1950er-Jahre. Aber nicht nur. „Es wurde auch gefeiert“, erzählt Gürlich. Und die Erinnerungen daran lassen ihn durchaus schmunzeln. Die Karnevalsveranstaltungen der frühen Jahre, Gürlich als Präsident, die Menge kostümiert, dazu Bütt und Musik, all das machte über die Grenzen Verdens hinaus von sich reden. „Der Saal, zunächst bei Höltje, dann im Parkhotel, war immer brechend voll.“ Bis in die 1980er-Jahre hatte der Termin Tradition. „Dann, im Zuge zahlreicher anderer Veranstaltungen, ebbte die Begeisterung ab“, so Gürlich.

Die Kolpingfamilie Verden ist nach wie vor aktiv. 28 Mitglieder, Frauen und Männer, zählt der Verein. Das soziale Engagement ist geblieben. Belege dafür sind die Eröffnung der Krippe der Kita St. Josef und die Begleitung der Sanierung der St.-Josef-Kirche.

Regelmäßig treffen sich die Mitglieder zum Gespräch und laden sich Referenten zu aktuellen und sozialen Themen ein. Und es gibt noch ein Projekt, dem sich die Familie seit Jahren widmet: In Brasilien wird mit dem Erlös von regelmäßigen Altkleidersammlungen, seit Jahren der Bau von Trinkwasserbrunnen unterstützt.

Doch was bleibt von Adolph Kolping und seinen Ideen? Christoph Gürlich braucht gar nicht lange zu überlegen. „Ob im Großen, wie in der Politik, oder im Kleinen, wie in der unmittelbaren Nachbarschaft im Umgang miteinander, die Pandemie zeigt es und fordert gerade jetzt Solidarität in ganz besonderer Form. Kolping ist als Vorbild dafür das beste Beispiel.“

Info

Die geplanten Feierlichkeiten mit zahlreichen Ehrengästen zum 65-jährigen Bestehen des Kolpingvereins Verden sind wegen der Pandemie abgesagt. Die Ehrung verdienter Mitglieder soll am 5. Dezember im kleinen Kreis nachgeholt werden.

Von Markus Wienken

Im Jahr 2013 wurde der Adolph-Kolping-Weg eingeweiht.

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