Hilfe für Bedürftige

Verdener Tafel besteht seit 20 Jahren

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Die Tafelarbeit macht den ehrenamtlichen Helfern offensichtlich viel Spaß (v.l.): Ingrid Meyer, Wilma Biedermann, Inge Hasselhoff und Dietlinde Intemann.

Verden - Die Verdener Tafel teilt Lebensmittel an Bedürftige aus und bietet ihren Gästen viermal wöchentlich ein warmes Mittagessen an. Seit 20 Jahren engagieren sich die Ehrenamtlichen. Morgen wird der runde „Geburtstag“ mit circa hundert geladenen Gästen im Niedersachsenhof gefeiert. „Wir möchten damit den Menschen Danke sagen, die die Verdener Tafel so verlässlich unterstützen und die sich der Einrichtung langjährig verbunden fühlen“, so der Vorsitzende, Reinhard Wadas.

Obst, Gemüse, Fertiggerichte, Süßwaren und Brot: Produzierende Unternehmen, Supermärkte oder Bäckereien aus Verden und den umliegenden Gemeinden spenden mehrheitlich bereits seit vielen Jahren Lebensmittel für die Verdener Tafel. Auf der Liste der ehrenamtlichen Helfer hat Wadas aktuell die Namen von mehr als 40 Personen notiert, die die Lebensmittelspenden einsammeln oder sich um das Sortieren und um das Verteilen kümmern. Die Arbeit ist jedoch nicht auf diese Tätigkeiten beschränkt. Wadas: „Der Tafelbetrieb verlangt ein hohes Maß an Organisation und ist durchaus mit der Leitung eines mittelständigen Betriebes vergleichbar.“ Dabei ist es sicher kein Ruhmesblatt, dass es solche Einrichtungen überhaupt geben muss. Doch der Bedarf, so Wadas weiter, steige beständig. „Zurzeit werden durch unsere Ausgabestellen an der Ulanenstraße und am Hoppenkamp rund 1400 Personen mit Lebensmitteln versorgt. Darunter sind auch viele Flüchtlinge und etwa ein Drittel sind Kinder.“

Sie ist unser Mädchen für alles, sagt Reinhard Wadas über Sabine Doumbia, die einzige festangestellte Mitarbeiterin bei der Verdener Tafel.

Als vor 20 Jahren die Verdener Tafel zunächst als Bürgerinitiative startete und im Februar 1997 die erste warme Mahlzeit im Domgemeindesaal verteilt wurde, stand die Initiative noch vor vielen grundlegenden Problemen: „Wir hatten viele Ideen, aber noch gar nicht so viel zu verteilen“, erinnert sich Heike Doppertin. Sie war viele Jahre der Motor der Verdener Tafel, sodass sie einen entscheidenden Anteil am Erfolg und der positiven Entwicklung der Einrichtung hatte. So musste Doppertin auf der Suche nach Sponsoren anfangs vor allem eines, Klinken putzen gehen, um den Tafelgedanken publik zu machen. Denn Armut war 1997 noch ein Tabuthema und kaum im Blick der Öffentlichkeit.

Tafelfahrzeug ab 1999 auf Leasingbasis

Lange Zeit mussten die Helfer die Lebensmittel in ihren Privatwagen einsammeln. Erst 1999 wurde ein Tafelfahrzeug auf Leasingbasis angeschafft. Im gleichen Jahr fand auch die Umwandlung der Bürgerinitiative Verdener Tafel in den gleichnamigen Verein statt. Heike Doppertin wurde zur Vorsitzenden gewählt und sie behielt das Amt, bis sie es 2014 auf eigenen Wunsch niedergelegt hat. Rückblickend erzählt Doppertin von fehlenden Lagerkapazitäten, von Raumnöten und von den Umzügen der Tafel, etwa im Jahr 2000 an die Domstraße. Im selben Jahr bekam die Tafel vom Landkreis erstmals eine ABM-Kraft bewilligt. Parallel zu dieser Entwicklung stieg auch der Kundenkreis. 2001 wurde die zweite Lebensmittelausgabestelle am Hoppenkamp eröffnet. 2004 konnte ein weiteres Fahrzeug gekauft werden.

Außerdem wurde ein mehrjähriger Nutzungsvertrag mit der Domgemeinde für die umgebauten Räumlichkeiten an der Domstraße abgeschlossen und das für den Tafelbetrieb erforderliche Küchenequipment angeschafft. Auch erste Kontrollen der Gäste auf Bedürftigkeit wurden zu jener Zeit durchgeführt und Ausweise ausgegeben.

Umzug in neue Räume

Ende 2008 fiel dem Vorstand ein Stein von Herzen. Endlich schien eine Lösung für das langjährig nervenaufreibende Raum- und Lagerproblem zum Greifen nah. Die ARD-Fernsehlotterie sagte zweckgebunden die Fördersumme von über 170.000 Euro für den Bau des Tafelhauses zu, für das die Stadt Verden kostenlos das Grundstück zur Verfügung gestellt hat. Doppertin: „Hier war uns auch der eigens gegründete ,Wirtschaftsförderkreis Verdener Tafel‘ eine wichtige Unterstützung.“ Der hatte unter dem Vorsitz von Wolfgang Reichelt ebenfalls eine beträchtliche Summe für ein Tafelhaus gesammelt, sodass am Ende nur 70.000 Euro über einen Kredit finanziert werden mussten. Im November 2009 konnte die Verdener Tafel die eigenen Räume in der Ulanenstraße umziehen, wo seitdem geradezu ideale Bedingungen bei der Ausgabe und Lagerung der Lebensmittel herrschen. Das erleichtert bei der ständig steigenden Zahl der Kunden nicht nur dem Vorstand, sondern auch den Mitarbeitern die Arbeit, und wird auch von den Kunden begrüßt und sehr gut angenommen.

Die Verdener Tafel ist etabliert und, dass ihre gute Organisation anderen Tafeln als Vorbild dient, erfüllt sowohl Doppertin als auch ihren Amtsnachfolger mit Stolz. Wadas: „Bundesweit gibt es 940 Tafeln, wobei die Verdener Tafel als einzige über ein eigenes, schuldenfreies Tafelhaus verfügt.“ Aktuell hat die Verdener Tafel 87 Mitglieder. Weitere Mitglieder, Sponsoren und Helfer werden immer gesucht. „Es ist immer gut, wenn man die Arbeit auf möglichst vielen Schultern verteilen kann“, sagt Wadas dazu. 

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