Hotspots in Verden benannt

Studie: Stickstoffdioxid-Belastung ist grenzwertig

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Wo viele Autos rollen – wie hier auf der Bremer Straße – ist die Belastung mit Stickstoffdioxiden entsprechend hoch.

Verden - Viel Verkehr rollt täglich über die Bremer Straße stadtein- und -auswärts. Nicht ohne Folgen für Luft und Umgebung. Das belegt eine Studie des staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes Hildesheim.

Sie spricht von einem sogenannten Hotspot, an dem vergleichsweise hohe Konzentrationen von Stickstoffdioxiden herrschen. „Wir sollten das beobachten und, wenn notwendig, aktuell Messungen vornehmen“, fordert Wolfgang Meincke von den Verdener Grünen. Seine Partei sieht da auch die Verwaltung in der Pflicht. Und hat nachgefragt.

Die Initiative der Grünen und insbesondere das Engagement von Meincke geht zurück auf die besagte Untersuchung des Gewerbeaufsichtsamtes in Hildesheim. Die Behörde ermittelte die Daten im Rahmen des HErmEliN-Projektes. „Schon im vergangenen November hat es laut der Studie erste Meldungen gegeben, wonach die Stickoxidbelastungen in über 40 Städten in Niedersachsen zu hoch sind“, so Meincke. Auch Verden steht auf der Liste. „Dabei geht es um rechnerisch ermittelte Grenzwerte von über 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter“, berichtete Meincke. Der Grenzwert 40 µg/m3 wurde als Jahresmittel von der Weltgesundheitsorganisation festgelegt.

Wolfgang Meincke

Direkt vor Ort gemessen hat das Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim nicht, die Daten der Hotspots sammelten die Experten per Geo-Inforamtionssystem (GIS). Per GIS-basiertem Verfahren, das sich am Straßennetz und Gebäudezustand orientiert, wurden auf diesem Wege geometrisch-potenzielle Brennpunkte identifiziert. „An diesen Orten kann die Bebauungssituation zusammen mit der Straßenführung einen signifikanten negativen Einfluss auf die Ausbreitungsbedingungen von Luftschadstoffen im Straßenraum haben“, heißt es in der Studie. Auch Witterungseinflüsse, zum Beispiel Wind, spielten eine Rolle.

Zur Ermittlung der Emissionen griffen die Wissenschaftler auf vorhandene Verkehrszähldaten zurück. Als Quelle dienten der Bund, das Land Niedersachsen, die Städte oder andere Erhebungen. Durchgeführt wurden die Berechnungen von 2013 bis 2017, beruhend auf Daten des Jahres 2011.

Zahlen nur begrenzt belastbar

Dass die Zahlen nur begrenzt belastbar, will heißen, zuverlässig sind, weiß auch Meincke. „Grund zur Panik gibt es sicherlich nicht“, so der Grüne. „Aber wir wollen eben genau wissen, wie hoch die Belastung in Verden ist. Gibt es eine Gefahr für insbesondere kranke Menschen in den genannten Bereichen?“ Und: „Was kann man dagegen tun?“

Neben der Bremer Straße (Abschnitt Hohe Leuchte bis Werrastraße), nennt die Studie als Hotspots die Lindhooper Straße (Hohe Leuchte bis Nonnenkamp, Arbeitsamt bis Wilhelm-Busch-Straße und Fritz-Reuter-Weg bis Stadion), den Johanniswall (Ostertorstraße bis Hospitalstraße) sowie die Eitzer Straße (Andreaswall bis Burgfeld).

Auch im Rathaus ist die Studie bekannt. Bürgermeister Lutz Brockmann hat zur Anfrage der Grünen bereits Stellung bezogen. „Es handelt sich ja zunächst um Verdachtsfälle“, betont er in einem Gespräch mit unserer Zeitung. „Fakt ist, dass da, wo viele Autos fahren, die Belastung entsprechend hoch ist“, äußerte der Verwaltungschef. „Jeder einzelne ist in der Pflicht, sich zu hinterfragen, wieviel Autofahrten er der Umwelt zumuten will oder ob nicht die Nutzung anderer Verkehrsmittel vielfach sinnvoller ist.“

Mit Blick auf die Studie versicherte der Bürgermeister, dass die Verwaltung die Erhebung des Gewerbeaufsichtsamtes Hildesheim Ernst nehme. „Wie von der Behörde gefordert, haben wir, soweit sie vorliegen, aktuelle Daten zu Verkehrszählungen und Belastungen nachgemeldet, damit die Ergebnisse auf den neuesten Stand gebracht werden können. Wir bleiben da im Kontakt“, versprach er. Brockmann machte zudem deutlich, dass im Zweifel vor Ort gemessen werden müsse. „Da ist dann das Land in der Pflicht“, betonte er. 

Hintergrund: Das HErmEliN-Projekt

Die Untersuchung des Gewerbeaufsichtsamtes Hildesheim ist ein Teilbericht des Projektes „Hotspot-Ermittlung und Emissionskataster lagebezogen in Niedersachsen“ (HErmEliN). Ein Ziel des in den Jahren 2013 bis 2017 bearbeiteten Projektes ist die Identifizierung von Orten höchster Luftschadstoffbelastung (Hotspots), bezogen auf die Luftschadstoffe Stickdioxid und Feinstaub. Das HErmEliN-Projekt wird im Auftrag des niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz von der ZUS (Zentrale Unterstützungsstelle für Luftreinhaltung, Lärm und Gefahrstoffe) des staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes Hildesheim durchgeführt.

In einem weiteren Schritt des Projektes sollen die Einzelergebnisse situationsbedingt hinterfragt werden, heißt es in der Studie. Und: Nicht an jedem genannten potenziellen berechneten Hotspot werden in der Realität hohe Luftschadstoffimmissionen festgestellt werden können. Dennoch sei die gewählte Methodik geeignet, dem gesetzlichen Auftrag nachzukommen und die Orte festzustellen, an denen die höchsten Werte auftreten, denen die Bevölkerung wahrscheinlich direkt oder indirekt ausgesetzt sein werden, formulieren die Wissenschaftler in ihrem Fazit der Studie.

mw

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