Hildesheimer Initiative gegen Schlammverbrennung

Verden – Der Neu- und Umbau des Klärwerks ist beschlossen (siehe Artikel oben). Doch noch nicht endgültig entschieden ist, wohin das, was am Ende übrig bleibt, in naher Zukunft geliefert wird. Der Eigenbetrieb Abwasser will sich der Klärschlammverwertungsanlage der kommunalen Nährstoffrückgewinnung Niedersachsen (KNRN) anschließen. Die Stadt Verden ist dem Verbund mit weiteren 24 Kommunen beigetreten. Die Anlage soll in Hildesheim gebaut werden. Doch dagegen regt sich jetzt Widerstand.

Uwe Gerdes, Leiter des Eigenbetriebes Abwasser, legte im Betriebsausschuss am Dienstagabend ein entsprechendes Schreiben der Klärschlamm-Inititative Hildesheim vor. Darin äußern sich die Absender besorgt über die Pläne der KNRN, jährlich 135 000 Tonnen Klärschlamm an den Standort Hildesheim zu liefern und dort zu verbrennen. Weiterhin stellt die Initiative das Verfahren grundsätzlich infrage, befürchtet Belastungen für die Umwelt und schlägt als Alternative das sogenannte Pyreg- sowie ein weiteres Verfahren vor. Vorteil wäre, so heißt es, dass der Schlamm in kleineren Anlagen von den Kommunen und damit auch dezentral entsorgt werden könne.

Im Ausschuss nahmen die Beteiligten die Sorgen der Initiative durchaus ernst. Dietmar Teubert (SPD) verwies auf die Empfehlung der Fraktionen, auch Alternativen zum Hildesheimer Standort zu prüfen. Dem schloss sich Rasmus Grobe (Grüne) an. „Wir sollten uns da nicht allein auf die Geschäftsführung der KNRN verlassen, sondern durchaus unabhängig beraten lassen“, so sein Vorschlag.

Betriebsleiter Gerdes verwies in seinen weiteren Ausführungen auf mögliche Alternativen. Bremen (51 Kilometer), Hamburg (90), Hannover (107), alles Standorte, wo ebenfalls verbrannt wird, und die näher liegen als Hildesheim (117), vom Preis her aber deutlich unattraktiver seien. In der favorisierten Anlage würde die Entsorgung des jährlichen Verdener Aufkommens von 6 000 Tonnen Klärschlamm circa 625 000 Euro, in Bremen 790 000 Euro kosten. Gerdes nannte noch einen Nachteil, wenn sich der Eigenbetrieb auf dem freien Markt um die Entsorgung bemühen würde. „Dann muss es eine Ausschreibung geben und es könnte sein, dass wir noch ganz woanders landen.“ Zuverlässiger, weil planbar seien hingegen die Bedingungen in Hildesheim: „Da sind wir Mitgesellschafter und können in dem sozialisierten Projekt selbst mitbestimmen.“ Und: „Alle Beteiligten, so ein Beschluss, zahlen den gleichen Preis.“

Kritisch sieht Gerdes das von der Hildesheimer Initiative vorgeschlagene Pyreg-Verfahren. „Da gehen die Meinungen auseinander. Auch die KNRN hat sich den Rat von Experten eingeholt, die der Mono-Klärschlammverbrennungsanlage den Vorzug geben.“ Gerdes stellte sich denn auch hinter die Entscheidung der KNRN, versprach aber dem Betriebsausschuss, bis zur nächsten Sitzung weitere Informationen einzuholen.

Noch bleibt den Beteiligten etwas Luft für eine Entscheidung. Derzeit liefert Verden ein Drittel des Klärschlamms an die Landwirtschaft, zwei Drittel über eine Kooperation mit Hansewasser nach Dänemark. Mit der landwirtschaflichen Nutzung, so ein Beschluss der Europäischen Union, ist spätetstens 2029 Schluss.  mw

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