Ehemaliger Nazi-Treffpunkt

Der Heisenhof soll ein Biobetrieb werden – aber der Besitzer muss noch große Hürde nehmen

Plant einen Biobetrieb der besonderen Art: Heisenhofbesitzer Christian Droop.
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Plant einen Biobetrieb der besonderen Art: Heisenhofbesitzer Christian Droop.

Die Gebäude sind immer noch verlassen, die Fensterscheiben zersplittert. Aber davon abgesehen passiert im Moment richtig etwas auf dem Grundstück. Schwere Geräte sind im Einsatz, um junge Bäume, Büsche und Unkraut zu entfernen und zu schreddern, Trecker haben tiefe Furchen in schwarzer Erde hinterlassen.

Drübber – Christian Droop läuft über das Gelände, das früher mal ein Nazi-Treffpunkt war, und strahlt. Weil er sich ausmalt, wie es hier einmal aussehen könnte. „Hier ein bunter Bauerngarten, dort blühende Obstbäume, Gemüsebeete, duftende Kräuter – Sie müssen einfach etwas Fantasie haben.“ Der Frankfurter Anwalt ist überzeugt: Aus dem Heisenhof könnte etwas ganz Besonderes werden. Der neue Besitzer will einen Bio-Betrieb auf dem Gut entwickeln und hat klare Vorstellungen, wie der aussehen soll.

Die Verdener Firma Offer leistet derzeit wichtige Vorarbeiten auf dem Heisenhofgelände. Die Gartenbauexperten haben bereits einen Großteil des Wildwuchses entfernt, der schon dabei war, die Gebäude zu überwuchern. Als Nächstes steht die Pflege des alten Baumbestandes an. „Hier wurde sehr lange nichts gemacht. Wir werden alles versuchen, um diese schönen Bäume zu retten“, berichtet Chef Gerd Offer. „Ich finde es immer wichtig, solche Aufträge an Firmen vor Ort zu vergeben“, sagt Droop, der den Heisenhof vor einem Jahr für 100 000 Euro bei einer Internetauktion ersteigert hat. Diese Woche ist er extra nach Drübber gekommen, um den Fortschritt der Arbeiten auf dem Außengelände zu begutachten. „Alles bestens“, befindet er. „Für uns ist das auch eine wichtige Sache, das soll ein Vorzeigeprojekt für uns werden.“

Heisenhof Dörverden: Landwirtschaftlicher Voll-Biobetrieb in Planung

Geplant sei ein landwirtschaftlicher Voll-Biobetrieb mit einer sogenannten Permakultur, einem besonders nachhaltigen und ressourcenschonenden Konzept. So ganz viel Platz für Anbaufläche gibt es auf dem reichlich bebauten, 2,4 Hektar großen Grundstück allerdings nicht. Droop ist sich dennoch sicher, hier gewinnbringend arbeiten zu können. „Es soll kein Standard-Obst und -Gemüse angebaut werden. Wir reden hier immer von Besonderheiten, Raritäten, alte oder sehr spezielle Sorten, für die man dann auch entsprechende Preise verlangen und Gewinne erzielen kann.“ Die besonderen Früchte könnten zum Beispiel an Destillerien vermarktet werden, die ihrerseits eben besondere Produkte herstellen.

„Ein weiteres Standbein soll der Anbau von Kräutern sein.“ Diese sollen in Drübber geerntet und getrocknet werden und dann zum Beispiel an Heilmittelhersteller verkauft werden. „Wichtig ist uns, dass wir hier einen Betrieb etablieren, der seine eigenen Ressourcen optimal nutzt“, so Droop. „Sehen Sie zum Beispiel hier“, er zeigt auf einen großen Haufen mit Totholz, Baumstubben und Wurzeln sowie Laub – was eben alles so bei den aktuellen Gartenbaumaßnahmen anfällt. „Das entsorgen wir nicht etwa, sondern wir schreddern das, schütten einen Wall damit auf und bepflanzen ihn.“

Heisenhof Dörverden: Gebäude sollen effektiv genutzt werden

Und auch die Gebäude würde er gern möglichst effektiv nutzen. Der Geschäftsmann weist auf eines der alten Häuser mit Flachdach. „Da oben drauf, da soll der Kräutergarten hin“, sagt er fröhlich. „Laut unserem Konzept wollen wir 80 Prozent der bestehenden Gebäude für Produktion und Nachbearbeitung nutzen – inklusive der Keller und Bunkeranlagen.“ Was er für die unterirdischen Bereiche plant, will er noch nicht verraten. „Das bleibt erst mal ein kleines Geheimnis. Aber es wird was besonderes, ein spezielles Produkt.“

10 bis 15 Arbeitsplätze sollen auf dem Heisenhof, der lange Zeit als Teil der Niedersachsen-Kaserne der Bundeswehr genutzt wurde, entstehen. „Diese Art der Landwirtschaft ist relativ personalintensiv, weil dort viel in Handarbeit passieren muss. Das ist auch für uns ein neues Geschäftsfeld, aber wir haben erfahrene Berater im Boot“, sagt Droop.

Großeinsatz in Drübber: Die Firma Offer hat die Heisenhof-Gebäude und Freiflächen von Wildwuchs befreit und wird ab kommender Woche Pflegemaßnahmen am alten Baumbestand durchführen.

Heisenhof: Landkreis Verden müsste Bauvoranfrage positiv bewerten

Damit das Konzept aufgeht, muss allerdings noch eine große Hürde genommen werden. Der Landkreis Verden müsste die Bauvoranfrage positiv bewerten, die Droop im Laufe der nächsten Wochen einreichen will. „Mit der Landwirtschaftskammer haben wir das bereits erörtert, die sehen das schon mal positiv. Die Bauvoranfrage soll klären, ob wir im Rahmen eines landwirtschaftlichen Betriebs die bestehenden Gebäude sanieren und dann auch nutzen dürfen.“ Denn schließlich sei die Abrissverfügung noch immer aktuell. „Bei den ersten Gesprächen hat sich der Landkreis offen gegenüber unseren Ideen gezeigt, aber da kann man jetzt noch nichts vorwegnehmen.“ Die Umgestaltung des Geländes soll so oder so Anfang kommenden Jahres beginnen. „Da sind wir ja völlig frei von irgendwelchen Verfügungen.“

Der Frankfurter hat noch ein weiteres Großprojekt am Laufen, dessen Realisierung sich ebenfalls als nicht ganz unproblematisch erwiesen hat. In Hahnstätten in Rheinland-Pfalz baut er derzeit einen großen botanischen Garten. Die Eröffnung von „Schloss Bieberstein“, ursprünglich für 2018 geplant, musste verschoben werden und steht bis heute aus.

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