Theater-AG des Gymnasiums am Wall feiert mit turbulentem Gerichtsdrama Premiere

Heftige Ausbrüche bei der Urteilsfindung

Die zwölf Geschworenen: Das Ensemble begeistert mit seiner Inszenierung. Fotos: Niemann

Verden – Mit „Die zwölf Geschworenen“ hat die Theater AG SEK II am Gymnasium am Wall am Wochenende die erste von insgesamt vier Aufführungen erfolgreich auf die Bühne der Schulaula gebracht. Am Ende gab es sogar Standing Ovations für die Spielleiter Sarina Wilhelm und Per Dittmann und das ganze Ensemble.

Das Stück erzählt vom sechsten Tag eines vermeintlich eindeutigen Mordprozesses mit klarer Beweislast: Ein 19-Jähriger hat im Streit seinen Vater erstochen. Es gibt zwei Augenzeugen, die den jungen Mann bei der Ausführung der Tat gehört, beobachtet und ihn kurz darauf wegrennen gesehen haben.

Nun liegt es an den zwölf Geschworenen, ob die Beweislast für eine Verurteilung zum Tode ausreicht, oder ob es vielleicht doch berechtigte Zweifel an der Schuld gibt. Die Antwort ist schwierig, da das Gesetz einen einmütigen Urteilsspruch verlangt.

Als einer der Geschworenen der Mehrheitsmeinung widerspricht, weil ihm die Entscheidung über Leben und Tod eines Menschen wenigstens eine faire Diskussion wert ist, kommt es zu einer immer hitziger geführten Auseinandersetzung zwischen den völlig unterschiedlichen Charakteren. Die haben ausnahmslos eine ganz eigene, individuelle Geschichte und die Aufgabe, gemeinsam einen einstimmigen Schiedsspruch herbeizuführen, ist ihre einzige Gemeinsamkeit. Das Unverständnis der Pro-Schuldig- Fraktion ist groß und sie versucht, den Zweifler umzustimmen.

Mit Akribie werden noch einmal die Zeugenaussagen besprochen, das Messer noch einmal genau betrachtet, ebenso der Tatort-Plan und das Motiv, das in der schweren Kindheit des vermeintlichen Täters vermutet wird. Immer hitziger wird debattiert, argumentiert und polarisiert und die Atmosphäre im Raum ist zum Zerreißen gespannt. Doch nach und nach bröckelt die Mauer der Vorurteile und nach genauerer Analyse scheinen weder die Zeugenaussage noch die Beweise so eindeutig, wie zunächst geglaubt.

Letztendlich ist der unentwegt aufbrausende Geschworene Nr. 3 der letzte, der am Schuldspruch festhält. Doch bald wird deutlich, dass er zutiefst befangen ist. Er wurde selbst vor Jahren von seinem Sohn mit einem Messer attackiert und hat das erlittene Trauma als Hass auf den Angeklagten übertragen. Am Ende bricht auch er unter dem Druck der Mitgeschworenen zusammen und schließt sich dem Freispruch des Angeklagten an.

Wilhelm und Dittmann haben das Bühnenstück sehr emotional und spannend inszeniert, aber auch humorige Akzente nicht vergessen. Die Rollen sind stimmig besetzt. Es ist eine der ganz großen Stärken der Inszenierung, dass hier Typen im Gerichtssaal aufeinandertreffen, wie man sie kaum besser zusammenstellen kann. Ein dutzend Charaktere, die bei hochsommerlichen Temperaturen in einem kleinen stickigen Beratungsraum um eine einstimmige Lösung ringen, dabei mal Zeter und Mordio schreien, dann wieder pöbeln oder mal selbstbewusst, mal kleinlaut agieren. Auch die Ausstattung der Inszenierung ist treffsicher gewählt. Angefangen bei der Kleidung der Protagonisten, die die Persönlichkeiten anschaulich macht, über die spärliche Ausstattung der Bühne bis zur punktgenauen Technik, die abermals Moritz Bölter verantwortete.

Weitere Aufführungen sind Dienstag, Mittwoch und Freitag, 12. 13. und 15. März, jeweils um 19 Uhr in der Aula des Gymnasiums. Karten im Vorverkauf gibt es in den Verdener Buchhandlungen sowie an der Abendkasse.

Weitere Bilder auf:

www.kreiszeitung.de

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