Eigenbetrieb Abwasser mit erheblichen Reparaturen

Havarie und die Folgen

Bei der Havarie war die Heizungsanlage im Keller der Verdener Kläranlage komplett im Schlamm versunken.

Verden - Knapp fünf Monate liegt die Havarie des Verdener Klärwerks zurück. Dank größter Kraftanstrengungen läuft der Betrieb zwar wieder. Fest steht jedoch, die Folgen dürften die Verantwortlichen in den kommenden Monaten, wenn nicht Jahren beschäftigen, verbunden mit erheblichen Kosten. Auf allein 800 000 Euro belaufen sich die bislang angefallenen Reparaturen, weitere Investitionen zur Modernisierung der Anlage sind zudem notwendig.

Betriebsleiter Uwe Gerdes rief im städtischen Werks- ausschuss noch einmal den 8. Dezember 2017 bildhaft in Erinnerung. Anhand einer Power-Point-Präsentation schickte er das Gremium in die Kellerräume und Gänge des Klärwerks, wohin sich der Schlamm in Windeseile seinen Weg gesucht hatte. Eine Zuleitung zum Faulbehälter war zuvor geplatzt und 330 Quadratmeter Fläche standen komplett unter Wasser. „Der Schlamm stand bis zur Decke“, erklärte Gerdes die markanten Spuren auf den Bildern.

Verschmutzt waren nicht nur Putz und Fliesen, der Schlamm kroch in jeden Winkel, hinter Isolierungen, in Elektroverbindungen und Verteilerkästen. Wärmetauscher und Schaltschränke wurden komplett geflutet, Pumpsysteme soffen ab und fielen aus. Doch ohne die Pumpen geht es nicht und so wurden schnell neue Kabel verlegt und die Elektrik wieder zum Laufen gebraucht. „Aber alles nach wie vor noch provisorisch“, erklärte Gerdes.

Ein Grund mit dafür ist der Totalausfall einer Schaltstation. Austretende Dämpfe haben deren Elektronik außer Gefecht gesetzt. Die Folge davon sind unzuverlässige Fehlermeldungen an die Zentrale. „Das sorgt natürlich für eine gewisse Unsicherheit“, so Gerdes und er machte deutlich: „Wir haben nach wie vor einen sehr kranken Patienten.“ Die Mitarbeiter seien aber für dessen Betreuung sensibilisiert.

Wichtig ist für den Betriebsleiter, dass die Elektronik und damit die Kontrolle der Anlage möglichst schnell wieder zuverlässig arbeitet. Darum bemühe sich eine eigens beauftragte Firma. Möglichst schnell soll der große, von der Havarie betroffene Fallturm eins wieder in vollem Umfang genutzt werden. „Er ist zwar in die Jahre gekommen, aber wir brauchen ihn noch“, betonte Gerdes. 6 000 Kubikmeter Schlamm fasst das Bauwerk, seine beiden kleineren Nachbarn hingegen nur 1 .250 Kubikmeter.

Bislang 800 .000 Euro an Folgekosten

Damit die Anlage überhaupt funktioniert, musste der Eigenbetrieb tief in die Tasche greifen. Versicherungsleistungen gebe es nicht, so Gerdes. Selbst wenn die abgeschlossen worden wären, sei der Zeitwert der Anlagen nach 40 Jahren gleich Null. Auf circa 117 .000 Euro belaufen sich die Kosten für den Einsatz der verschiedenen Hilfsorganisationen, 50 .000 Euro waren für die zusätzliche Schlammentsorgung durch fremde Unternehmen und 40. 000 Euro für die Reinigung des Kellers zu zahlen. Dazu kommen in 2018 die Wiederherstellung der Heizung (circa 200. 000 Euro) sowie eine komplett neue Schaltanlage (300 .000 Euro). Ein Ende der finanziellen Aufwendungen ist nicht absehbar: „Wir müssen uns grundsätzlich Gedanken über eine Modernisierung der Industrieanlage machen, die den Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte standhält. Da heißt es nicht kleckern, sondern klotzen“, äußerte Heinz Möller (SPD) im Ausschuss.

Bei Betriebsleiter Gerdes stößt er damit auf offene Ohren. „Die Anlage hat etliche Jahre auf dem Buckel, da müssen wir uns, auch mit Blick auf mögliche neue gesetzliche Anforderungen, für die Zukunft aufstellen.“ Fest steht, dass die Havarie sowie weitere Investitionen Folgen für den Verbraucher haben werden. „Es gibt zwar finanzielle Rücklagen, doch Auswirkungen bei der Gebührenkalkulation schon für das Jahr 2019 sind vorprogrammiert“, kündigte Gerdes an. Derzeit zahlen Haushalte noch 2,54 Euro pro Kubikmeter Schmutzwasser. 

mw

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