Lärmschutz am Bahnhof Verden

Hässlich wie die Berliner Mauer, nur höher

Lärmschutz-Elemente am Verdener Bahnhof.
+
Aus eigenen Mitteln hatte die Stadt den Lärmschutz am Bahnhof noch mit transparenten Elementen einigermaßen ansehnlich zu gestalten versucht, der zweifelhafte Charme der Berliner Mauer konnte dennoch nicht beseitigt werden. Künftige Lärmschutz-Lösungen sollen sich verträglicher ins Stadtbild einpassen.

Verden – Der Lärmschutz am Verdener Bahnhof ist ein schönes Beispiel. Zwischen Gleis 1 und dem Parkplatz baut sich die Wand auf. Drei Meter hoch, vielleicht höher. In den Blick fällt sie niemandem mehr. Sie ist da. In voller Länge. Und sie trennt, ebenfalls in voller Länge. Ob sie ihre Aufgabe erfüllte, interessiert bisher kaum jemanden.

Ob sie sich ins Bild eines einladenden Bahnhofs einfügt, ebenfalls niemanden. Tat sie natürlich nicht. Seit vergangenen Donnerstag steht fest: So wird es nicht bleiben.

Das Feintuning für die neue Bahnlinie hat begonnen

Gleich nach der historischen Entscheidung des Bundestags, nach dem einstimmigen Beschluss des Abgeordnetenhauses an der Spree, nach der Freigabe der mehr als 1,1 Milliarden Euro für die neue Bahnlinie Verden-Rotenburg, nach dem „Glückstag für die Region“, so Verdens Bürgermeister Lutz Brockmann, nach diesem Auftritt der Allerstadt auf der Bundesdeutschen Bühne, diesem kurzen Auftritt mit langfristigen Folgen, gleich danach begann schon die Arbeit. Begann das Feintuning, wie Tina Rulffes sagt. Für den Bahnlinien-Ausbau ist sie im Rathaus zuständig.

Geräuschpegel von 49 Dezibel um den Bahnhof herum

Und mittendrin wieder mal der Bahnhof. In gut zehn Jahren soll es um ihn herum so leise sein, dass ein Geräuschpegel von 49 Dezibel erreicht wird, was einem normalen Gespräch entspricht. Mit dem bisherigen Lärmschutz ist das nicht zu machen. Die Bahn hatte ursprünglich eine schnörkellose Wand nicht nur mit drei oder vier Metern Höhe, sondern mit deren sechs ins Gespräch gebracht. Mit den zusätzlichen 190 Millionen Euro, die der Bundestag in letzter Minute freigab (wir berichteten), ist es jetzt möglich, aus der Wand, die höher ist als die Berliner Mauer und wahrscheinlich auch hässlicher, aus dieser Wand doch noch ein verträgliches Stück Stadtarchitektur zu formen. „Wir denken an einen hohen Einsatz transparenter Elemente“, sagt Rulffes. Es müsse ja nicht gleich ein Hingucker werden wie die neue S-Bahn-Haltestelle an den Elbbrücken in Hamburg, sagt sie, ein sozusagen gläsernes Dach über der ganzen Bahnlinie, aber in diese Richtung, so Rulffes, ja, doch, ein wenig dürfe es schon in eine solche Dimension gehen. Bei nächsten Verhandlungen mit der Bahn wolle sie es ansprechen.

Vollschutz vor Bahnlärm für 10.000 Einwohner

Noch aber überwiege zunächst mal die Freude über die Zusagen aus Berlin. „Die Finanzierung des geforderten Vollschutzes vor Bahnlärm bringt etwa 10 000 Einwohnern allein in Verden einen hörbaren und gesundheitlichen Vorteil“, sagt Brockmann. Der künftig durchgehend, vollständig aktive Schallschutz aus Lärmschutzwänden und Lärmschutzgalerien reduziere den Bahnlärm sehr deutlich – wie eine Zeitung schrieb „auf den Geräuschpegel eines modernen Geschirrspülers“. Der durchgehend aktive Schallschutz zur Einhaltung des nächtlichen Grenzwertes von 49 Dezibel bringe zugleich einen Lärmschutz für die Außenbereiche in den Gärten, auf Spielplätzen und Plätzen und Straßen, dies sei ein Gewinn an Lebensqualität für alle. In den wenigen Bereichen, in denen bei Wohnhäusern direkt an der Bahnstrecke die nächtlichen Lärmgrenzwerte der Weltgesundheitsorganisation für den gesunden Schlaf nicht allein mit aktiven Maßnahmen erreicht werden können, erfolge über ein Forschungsvorhaben das Angebot zur Nachrüstung sogenannter „Hamburger Fenster“. Diese zweifachen Fenster ermöglichten einen wirksamen Schallschutz auch bei Kippöffnung. „Das ist insbesondere für Wohnhäuser interessant, die gleichzeitig von Bahn- und Straßenlärm betroffen sind“, so Brockmann.

Aktiver Lärmschutz auch für die Ortschaft Walle

Durch hartnäckige Verhandlungen hatten der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, sowie die Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann auch für die Ortschaft Walle einen durchgehend aktiven Lärmschutz erreicht. Die hierzu notwendige Aufhebung des höhengleichen Bahnübergangs zum Preis von 16,2 Millionen Euro übernimmt der Bund aus einem laufenden Sonderprogramm. Ein wirksamer Erschütterungsschutz mit Spezialschwellen im Gleis für 17,7 Millionen sowie weitere 10 Millionen Euro für die Gestaltung und Begrünung der Lärmschutzwände runden den warmen Geldregen aus Berlin ab. Sogar eine Stützwand für einen Radweg vom Bahnhof zur Berufsschule, immerhin 200 000 Euro teuer, spendierte die Bundesregierung. „Das große Ziel, mehr Schienenverkehr für den Klimaschutz und gleichzeitig gesundes Wohnen entlang der Bahnstrecke, ist für Verden erfolgreich auf den Weg gebracht“, so Brockmann, „aus der Jahrhundert-Herausforderung Schienenausbau wird jetzt die Jahrhundert-Chance für Verden und die anderen Anrainerkommunen entlang der Strecke.“ Der Vollschutz vor Bahnlärm bringe für viele Wohnquartiere eine Aufwertung der Lebensqualität.

Stundentakt von und nach Hamburg

Der Schienenausbau Verden-Rotenburg ermögliche den angekündigten Stundentakt von und nach Hamburg über Rotenburg, einen Halbstundentakt Hannover-Bremen und einen neuen Bahnhalt in Dauelsen. Der Schienenausbau ermögliche eine Verbreiterung mehrerer Bahntunnel, um für Rad- und Fußverkehr mehr Platz zu schaffen. „Konkret werden etwa die Tunnel am Holzmarkt und am Grünen Jäger auf sieben Meter Breite ausgebaut“, so Brockmann. Das Stadtoberhaupt: „All diese Investitionen in eine moderne und leistungsfähige Infrastruktur sichern eine gute Zukunft für unsere Stadt.“ Nach dem Bundestagsbeschluss werde die Bahn in den kommenden Monaten die Planungen für den Abschnitt Rotenburg-Verden konkretisieren und das formale Planfeststellungsverfahren einleiten. Hierzu gehöre auch eine umfassende Information und Beteiligung der Bevölkerung.

Baubeginn mit 2026 angestrebt

Der Baubeginn war bisher mit 2026 angestrebt, damit 2030 die Schienenstrecke in Betrieb gehen kann. Die Jahrhundert-Chance Schienenbau bleibe für die Stadtverwaltung, den Bürgermeister und den Stadtrat eine Schwerpunktaufgabe. Für die gute Zusammenarbeit in den lokalen Arbeitsgruppen und der gesamtstädtischen Lenkungsgruppe danke er, so der Bürgermeister, Rats- und Ortsratsfraktionen sowie Bürgern. Ein weiterer Dank gehe an die AG Anrainerkommunen für die gute Zusammenarbeit zwischen den sieben Kommunen und den Projektbeirat Alpha-E.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Was bei einem Kaiserschnitt auf Frauen zukommt

Was bei einem Kaiserschnitt auf Frauen zukommt

Meistgelesene Artikel

Wümme auf Umwegen

Wümme auf Umwegen

Wümme auf Umwegen
Verdener Fischgeschäft wird Kunstlabor

Verdener Fischgeschäft wird Kunstlabor

Verdener Fischgeschäft wird Kunstlabor
Droht Einsturzgefahr von Gebäuden?

Droht Einsturzgefahr von Gebäuden?

Droht Einsturzgefahr von Gebäuden?
Amazon Achim: „System des Drucks“? Sprecher kontert Kritik am Online-Händler

Amazon Achim: „System des Drucks“? Sprecher kontert Kritik am Online-Händler

Amazon Achim: „System des Drucks“? Sprecher kontert Kritik am Online-Händler

Kommentare