Kreislandwirt Jörn Ehlers erklärt die Not der Betriebe

Die Gülle-Lager sind voll

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Gülledämmerung: Die Lagerstätten sind randvoll, so wie hier in der Nähe von Sehlingen.

Landkreis - Wenn die Wintersonne zum Spaziergang lockt, kann der unangenehme Teil der Landluft schon mal den Naturgenuss stören, wenn in der Nähe ein Feld frisch mit Gülle gedüngt wurde. Aber die Güllebehälter seien jetzt in den meisten Betrieben randvoll, erklärt Kreislandwirt Jörn Ehlers. Das hänge mit den Wetterkapriolen im vergangenen Jahr zusammen. Die hätten verhindert, dass die anfallende Gülle ausgebracht wurde.

Sommer und Herbst seien sehr nass gewesen und auf feuchten Äckern dürfe der Dünger nicht ausgebracht werden, wo der Boden die Nährstoffe nicht aufnehmen kann. Die Brühe würde oberflächlich abfließen, mit negative Begleiterscheinungen für die Oberflächengewässer, erklärte Ehlers, der zugleich Vizepräsident des niedersächsischen Landvolks ist.

„Normalerweise düngen Landwirte im Herbst bis November nur spezielle Zwischenfrüchte wie Wintergerste oder Raps, aber diese Ladungen mussten wegen des Dauerregens im Pott bleiben“, erklärt Ehlers. „Die Sperrfristen in Wasserschutzgebieten beginnen für einige Betriebe sogar schon im September“ Im Dezember oder Januar stehen die Güllewagen dann sowieso in der Scheune, weil erst ab dem 1. Februar wieder der Dung auf die Äcker darf. Aufgrund der angespannten Lage mit vollen Lagerstätten habe es aber ab Mitte Januar die Möglichkeit gegeben, eine Sondergenehmigung bei der Landwirtschaftskammer zu beantragen.

Der positive Bescheid sei allerdings an viele Bedingungen geknüpft gewesen. Etwa, dass die Fläche im Herbst nicht gedüngt wurde. „Deswegen konnten nur sehr wenige Betriebe diese Möglichkeit nutzen. Auch da hatte ihnen die schlechte Witterung einen Strich durch die Rechnung gemacht“, so Ehlers weiter.

Auf begrünten Flächen, die tagsüber antauen, darf wie in Klein Linteln gedüngt werden.

Einige Flächen seien überhaupt erst nach dem nächtlichen Frost und der Trockenheit wieder mit dem Traktor befahrbar. Aktuell können die Landwirte allerdings auch nur ihren miefenden organischen Dünger ausbringen, wenn der Boden am Tage antaut und die Nähstoffe wegen der Trockenheit aufnehmen kann. „Als Landwirte beachten wir genau die Wettervorhersage, ob für den Tag Plusgerade prognostiziert werden und der Boden entsprechend antaut“, erklärt Ehlers. Außerdem dürften nur Flächen mit schon vorhandenem Grünbewuchs gedüngt werden. Abgeerntete Maisfelder hingegen erst wieder, wenn die neue Maissaat im Frühjahr gedrillt wurde.

Die angespannte Lage mit den randvollen Güllebehältern werde sich aber entspannen, da auch in den Biogasanlagen Gülle zu Gärresten weiterverarbeitet wird. Dadurch verringere sich die Menge um 30 Prozent. Übrigens seien die Gärreste, die auf die Felder ausgebracht werden, geruchsneutral, sagte Ehlers.

Falls das Wetter wieder nicht mitspielen und ein mehrtägiger Dauerfrost mit deutlichen Minustemperaturen herrschen würde, müssten allerdings auch im Kreis Verden weitere Maßnahmen ergriffen werden, um die Gülle weiter lagern zu können. „Eine Notmaßnahme wäre dann die Einrichtung von Bodenlagunen. Aber mir sind bisher nur Fälle aus Schleswig Holstein bekannt, wo Spezialfolien für weitere Lagerkapazitäten ausgelegt wurden“, berichtete Ehlers.

Der Kreislandwirt lädt interessierte Bürger ein, sich direkt beim Landvolk oder der Landwirtschaftskammerüber die genauen Vorschriften zum Düngen zu informieren. 

 lee

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