Walle mit extrem hoher Nitratbelastung

Verden und umzu: Grundwasser ungenießbar

Diplom-Physiker Harald Gülzow zieht eine Wasserprobe im Labormobil.
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Keine guten Nachrichten für Verden: Diplom-Physiker Harald Gülzow zieht eine Wasserprobe im Labormobil.

Den eigenen Brunnen im Garten, Pumpe an und schon ist das Wasser da. Praktisch und günstig. Trinken sollte man es aber ohne Test nicht. In Walle schon gar nicht, denn da liegt der Nitratgehalt in einigen Bereichen deutlich über dem Grenzwert, sagt der Verein VSR-Gewässerschutz.

Verden – Der eigene Brunnen im Garten, das Wasser sprudelt kostenlos, vielleicht hier und da statt den Rasen zu sprengen, einen kräftigen Schluck aus der Flasche, gefüllt mit dem „eigenen Wasser“. Hört sich gut an, doch in und um Verden herum nicht unbedingt ratsam. „Deutlich zuviel Nitrat im Wasser“, so die Botschaft des Vereins VSR-Gewässerschutz. Der empfohlene Grenzwert liegt bei 50 Milligramm pro Liter. „In Walle wurde in einer abgelieferten Probe 121 mg/l festgestellt“, teilt der VSR in einem Schreiben mit.

In Walle in einer Probe 121 mg/l Nitrat festgestellt

Sein Labormobil hatte Diplom-Physiker Harald Gülzow auf dem Rathausplatz in Verden geparkt, sammelte an Proben ein, was ihm hoffnungsvolle Gartenbesitzer auf den Tisch stellten. Etikettiert und gut verpackt traten die Proben die Reise ins Labor an. „Insgesamt wurde das Wasser von 36 privat genutzten Brunnen aus dem Raum Verden, Dörverden, Kirchlinteln und Langwedel analysiert“, teilte das Institut mit. „In vielen Fällen mussten wir den Absendern leider mitteilen, dass die Nitratbelastungen deutlich über dem Grenzwert liegen“, heißt es in dem Schreiben des VSR. Neben Walle finden sich weitere stark belastete Brunnen in Bendingbostel mit 85 Milligramm pro Liter (mg/l) und in Dörverden mit 101 mg/l.

VSR-Kritik: Starke Belastungen in der intensiven Landwirtschaft

Der VSR-Gewässerschutz sieht die Ursachen für die starken Belastungen in der intensiven Landwirtschaft. Schon seit Jahrzehnten fordern die Verantwortlichen ein Umdenken der dafür Verantwortlichen. Der Verein kämpft zudem dafür, dass der Bauernverband die Betriebe bei der Umstellung auf eine ökologische Landwirtschaft unterstützt und so zu einer gewässerschonenden Bewirtschaftung der Ackerflächen beiträgt.

Aus der Bevölkerung gebe es für einen Sinneswandel deutliche Signale: „Am Informationsstand und auch bei der telefonischen Beratung zeigten sich viele Brunnenbesitzer wütend über die hohen Nitratwerte. Sie möchten es nicht mehr einfach hinnehmen, dass sie Brunnenwasser nur eingeschränkt nutzen können“, so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz.

Viele Brunnenbesitzer wütend über die hohen Nitratwerte.

Gerade in Gebieten mit intensiv bewirtschafteten Ackerflächen sei eine hohe Belastung des Grundwassers mit Nitrat nachzuweisen, so die Erfahrungen des Vereins. Dagegen sei in Gegenden mit ökologisch bewirtschafteten Flächen geringere Nitratbelastungen im Grundwasser festzustellen, so Bareiß-Gülzow.

Umdenken in der Landwirtschaft notwendig

Ein Umdenken in der Landwirtschaft sorge nicht nur für besseres Wasser. Es sei zudem die Grundvoraussetzung dafür, dass die Artenvielfalt wieder zunehmen kann. „Und auch das ist vielen Bürgern wichtig, wie die Gespräche am Informationsstand des Labormobils gezeigt haben“, sagt Bareiß-Gülzow. Die intensive Landwirtschaft belaste das Grundwasser stark mit Nitrat. Dieses sickere den Bächen und Flüssen zu, wo es zu einem erhöhten Algenwachstum komme. Der Lebensraum vieler bedrohter Arten werde dadurch zerstört.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Verden: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Seit 40 Jahren engagiert sich der VSR-Gewässerschutz für das Leben am und im Wasser. Mit ihrer Arbeit setzen sie sich für den Schutz der Gewässer ein. „Gartenbesitzer, die ihr Brunnenwasser untersuchen lassen, helfen uns, Belastungen aufzudecken“, so Bareiß-Gülzow.

Weitere Infos zur Nitratbelastung im Kreis Verden unter www.vsr-gewässerschutz.de/nitratbelastung.

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