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Halse wohl nicht zu retten

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Von: Manfred Brodt

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Leute auf kleiner Brücke
Das Elend der Halse betrachtet die SPD-Kreistagsfraktion von der Brücke. © Brodt

Die trockengefallene Halse ist inzwischen zum Synonym für die Grundwasserproblematik im Kreis Verden geworden. Selbst ein Verzicht auf Wasserlieferungen nach Bremen würde nicht helfen.

Verden/Achim - „Es gibt keinen Plan A, B oder C für die Halse. Selbst wenn wir Bremen überhaupt kein Wasser mehr liefern, wird nach Modellrechnungen in dem Bach in absehbarer Zeit kein Wasser fließen.“ Mit dieser ernüchternden Nachricht schockierte Stefan Hamann, der Geschäftsführer des Trinkwasserverbandes Verden, wohl den ein oder anderen bei dem Ortstermin der SPD-Kreistagsfraktion am Mittwoch in Verden-Scharnhorst.

Schon seit den 30er-Jahren sind die Zeiten, in denen man hier „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ singen konnte, vorbei. Und der heutige Trinkwasser-Verbandsvorsitzende Harald Hesse erinnert sich wehmütig: „Ich weiß noch, wie ich Anfang der 80er-Jahre mit den Beinen im Wasser der Halse stand.“ Schon Ende dieses Jahrzehnts hatten Experten eine Grundwasserabsenkung von neun Metern festgestellt im Bereich des Bachs, der von Holtum (Geest) bis zur Allermündung bei Verden fließt.

Die Trinkwasserförderung in Tiefen zwischen 200 und 270 Metern hat darauf nach den Worten des Trinkwasser-Geschäftsführers keinen Einfluss, zumal sich nach Berechnungen jährlich mehr Grundwasser ansammelt als gefördert wird. Dies berücksichtigt allerdings nicht, wohin das Grundwasser abfließt, verloren geht und auch von Nutzern aus Landwirtschaft und Wirtschaft noch angezapft wird. „Kleinvieh macht da auch viel Mist“, sagt Hamann.

Bis auf den Bereich Dörverden mit seiner Überförderung hat der Trinkwasserverband nach seiner Analyse auf lange Sicht mehr als genug Wasser, auch für Bremen. Zumal auch aus Sicht des Landes Niedersachsen es nicht zulässig wäre, 200  000 Menschen in der Hansestadt einfach „den Hahn zuzudrehen“.

Als Erfolg werten der Trinkwasserverband und die SPD-Kreistagsfraktion, dass es gelungen sei, die Fördermenge für Bremen von jährlich 10 auf 8,825 Millionen Kubikmeter, also um mehr als ein Zehntel, zu senken. Die entsprechenden Verfahren mit Umweltverträglichkeitsgutachten, Stellungnahmen der Verbände, öffentlicher Auslegung, Anhörung und Beteiligung bis Antragstellung werden noch das ganze Jahr in Anspruch nehmen. Der Trinkwasserverband unternimmt an der Halse dennoch „kosmetische“ Maßnahmen, wobei ihm allerdings die Hände gebunden sind, denn sämtliche Uferflächen sind nicht in öffentlicher Hand, so dass Privateigentümer mitmachen müssten.

Wie die Diskussion ergab, wäre es oberflächlich, nur ein Problem Halse oder Bremen zu sehen. Die Grundwasserspiegel sind in Deutschland generell gesunken durch wärmeres und trockeneres Klima, Versiegelung der Landschaft mit Wohngebieten, Gewerbe- und Industriegebieten. Auch das generelle Wasserkonzept erscheint überholt, nach dem Bäche wie die Halse nur „Vorfluter“ sind und wie landwirtschaftliche Gräben die Funktion haben, das Wasser ablaufen zu lassen in Flüsse und letztlich in die Nordsee. Zeitgemäß wären Konzepte, die das Wasser im Boden versickern lassen, wobei es natürlich keine Flutkatastrophen geben darf.

Ein Verbundnetz der verschiedenen Trinkwasserwerke Wittkoppenberg, Langenberg und Panzenberg mit ihren 26 Brunnen gibt es ebensowenig wie ein Konzept für separate Leitungen für Trinkwasser und Brauchwasser. Daran ändert auch nichts das Pilotprojekt, das nach den Worten der Landtagsabgeordneten Dörte Liebetruth Bremen und Niedersachsen da auf den Weg bringen wollen.

Für die SPD-Kreistagsfraktion alles ein Grund, im Kreistag einen Vorstoß für ein Wassermanagement im Kreis zu unternehmen. Dafür sollen zunächst auch Vertreter der Landkreise Diepholz und Nienburg eingeladen werden, die da schon weiter sein sollen.

Der Trinkwasserverband, der im Kreis Verden und im Hoyaer Gebiet 39  000 Haushalte und 115  000 Menschen versorgt, ist generell gut gerüstet. Auch das 1  360 Kilometer lange Rohrnetz ist laut Geschäftsführer in gutem Zustand. Nötige Sanierungen hat man im Griff. Hamann widersprach Berichten, wonach das Leitungsnetz in Deutschland in einem verheerenden Zustand sei. Hinter solchen Meldungen stecke auch die Lobby der Rohrleitungsindustrie.

Alles in Ordnung ist dennoch auch hier nicht alles. Im Nordkreis ist nicht nur das Wasser kalkhaltig und hart, sondern das Trinkwasserwerk Wittkoppenberg wird nach rund 60 Jahren auch von Grund auf erneuert werden müssen. Eine Millioneninvestition, die sich angesichts explodierender Preise zurzeit noch gar nicht beziffern lässt.

Zwei Männer nebeneinander.
Stefan Hamann (li.) und Harald Hesse vom Trinkwasserverband diskutierten sehr sachlich mit der SPD. © Brodt

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