„Zukunftsweisend“ kostet

Grünes Licht für Wiederaufbau des Verdener Rathauses

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Das Rathaus an der Ritterstraße ist inzwischen komplett entkernt, die Wände sind gesandstrahlt, um den Rauchgeruch loszuwerden.

Verden - Für Fundsachen oder den neuen Personalausweis geht’s ins historische Rathaus. Wer einen Zuständigen vom Fachbereich Straßen und Stadtgrün sprechen möchte, muss sich auf den Weg zum Holzmarkt machen. Die Mitarbeiter der Bauaufsicht sitzen zwar noch an der Ritterstraße, sind dort aber nicht barrierefrei zu erreichen.

Seit am 9. April ein Mann sein Auto ins Verdener Rathaus lenkte und das Gebäude in Brand steckte, ist dieses in weiten Teilen nicht mehr nutzbar. Die Mitarbeiter sind auf andere, teils angemietete Büros verteilt. Und das wird auch noch einige Monate so bleiben. „Bei einer zügigen Wiederherstellung kann das Rathaus vermutlich im Sommer 2018 wieder genutzt werden“, heißt es in einer Beschlussvorlage, über die der Verwaltungsausschuss (VA) in dieser Woche beriet.

Dreischhoff + Partner veranschlagt 4,2 Millionen Euro

Einstimmig fassten die Mitglieder zunächst einmal den Baubeschluss, damit die Wiederherstellung des Rathauses denn auch tatsächlich zügig begonnen werden kann. 4,2 Millionen Euro hat das Verdener Architektur-Büro Dreischhoff + Partner dafür veranschlagt. Das ist einiges mehr, als die Stadt von der Gebäudeversicherung bekommen wird. Aber auch einiges weniger, als ein Neubau kosten würde. Nach dem Baukostenindex für Verwaltungsgebäude würde ein Neubau für die 2 100 Quadratmeter mit 7,3 Millionen Euro zu Buche schlagen

Die Versicherung hat bislang eine Entschädigung in Höhe von 2,2 Millionen Euro zugesagt. Rund 400  000 Euro davon sind bereits für die Entkernung und die umfangreichen Reinigungsarbeiten aufgewendet worden. Bleiben 1,8 Millionen Euro für den Wiederaufbau.

Rathaus soll nicht nach altem Vorbild wiederaufgebaut werden

Das Rathaus nach altem Vorbild wieder zu errichten, entspricht aber nicht dem Ansinnen der Stadt. Geplant ist vielmehr eine „zukunftsweisende Wiederherstellung“. Nach derzeitigem Stand wird die Verden dafür rund 2,4 Millionen Euro aus eigener Tasche zahlen müssen. Der VA gab schon einmal grünes Licht, die erforderlichen außerplanmäßig bereitzustellen.

Was zukunftsweisend ist, darüber berieten nicht nur die Planer. Im Rahmen von Arbeitskreisen wurden auch die Ratsmitglieder, die Beschäftigten der Verwaltung und die Personalvertretung einbezogen. Zentrale Themen waren dabei eine größere Bürgernähe, die Barrierefreiheit, ein Brandschutz nach den aktuellen Richtlinien, ein verbessertes Arbeitsklima und die Optimierung der Wege und damit der Arbeitsabläufe.

Nun sieht der Entwurf unter anderem im Eingangsbereich ein modernes Bürgerbüro, drei zusätzliche Besprechungsräume sowie eine großzügige Wartezone und einen Empfang vor. Und „der Bedarf an zusätzlichen Einzelbüros für ungestörte Gespräche kann (...) durch den Einbau von gläsernen Innenwänden realisiert werden.“

Barrierefreiheit soll verbessert werden

Diese Glaswände kosten mehr als 3,4-mal so viel wie eine herkömmliche Trockenbauwand. „Aus Sicht der Verwaltung sind diese Mehrkosten gerechtfertigt, um die Raum- und Lichtverhältnisse zu verbessern und damit die Aufenthaltsqualität zu erhöhen“, heißt es in der Beschlussvorlage. Dennoch entschied der VA, dass ihm die Ausführungsplanungen zu den Innenwänden vor der Ausschreibung noch einmal vorgelegt werden sollen.

Auch die Barrierefreiheit soll im „Rathaus 2.0“ verbessert werden. Vorgesehen sind ein neuer Aufzug, ein behindertengerechtes WC im Erdgeschoss sowie Treppenlifte zwischen Mitteltrakt, Fachwerkgebäude und dem Querriegel parallel zur Johannisstraße.

Letztes Wort hat am Dienstag, 29. August, der Stadtrat. Die öffentliche Sitzung im Ratssaal beginnt erst um 18 Uhr, damit das Gremium zuvor die Gelegenheit nutzen kann, das nunmehr vollständig entkernte Gebäude an der Ritterstraße in Augenschein zu nehmen. Dieser Ortstermin auf der Baustelle findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

kp

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