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Gründach, Lehm, Tiny Houses und Energiesparen ohne Ende

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Von: Heinrich Kracke

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Einfahrt in Waldgrundstück.
Auf dem Gelände einer alten Baumschule soll das etwas andere Baugebiet geschaffen werden. © Wennhold, Erika

Einen ganzen Strauß ökologischer Ideen will der Investor im Eitzer Baugebiet „Alte Baumschule“ umsetzen. Inzwischen gelten die Pläne als beispielhaft für die gesamte Stadt Verden.

Verden – Als der Silberstreif am Verdener Baulandhimmel auf den Tisch des Hauses kam, des Rathauses, da legte er eine atemberaubende Karriere hin. Bis zu 70 Wohneinheiten sollen wie berichtet auf dem Gelände der Baumschule an der Weitzmühlener Straße in Eitze Platz finden. Und noch ehe die notwendigen Änderungen an Bebauungs- und Flächennutzungsplan überhaupt auf den Weg gebracht sind, gilt dieses Projekt schon als wegweisend für Verdens kommende Baugebiete, so denn solche noch ausgewiesen werden, zumindest für die Baugebiete am Stadtrand. Und nicht nur dort und nicht nur in Zukunft. „Ich hätte mir mehr solcher nachhaltiger Ideen schon in der Vergangenheit gewünscht“, sagte etwa SPD-Fraktionschef Carsten Hauschild.

Ein ganzer Strauß bunter ökologischer Ideen versammelt sich unter mächtigen Baumkronen im Südosten der Stadt. Selbstverständlich gehört im „Wohnquartier Alte Eitzer Baumschule“ Photovoltaik auf allen größeren Dächern dazu, selbstverständlich die Wärmepumpe, die den Gasanschluss unnötig macht, selbstverständlich auch ein hoher Anteil an Holz beim Bau, des nachhaltigen Rohstoffs. Aber schon hier geht der Plan des Eitzer Investors über das hinaus, was allgemein sonst so beim Errichten eigener vier Wände eine Rolle spielt. Lehm sei zum Beispiel als Baustoff vorgesehen, sagte Stadtplanerin Stephanie Thies, begrünte Dächer ebenfalls.

Neue Wohnformen seien darüber hinaus im Gespräch. Im nördlichen Teil des Baumschul-Geländes zum Beispiel. Zwar sei auch an Mehrfamilienhäuser mit Eigentums- oder Mietwohnungen gedacht, zudem bestehe aber die Möglichkeit für angehende Häuslebauer, sich zusammenzutun und gemeinsam ein Gebäude zu konzipieren. Sogar eine der jüngsten Formen des Wohnens findet Platz, die sogenannten Tiny Houses, die Minihäuser, oftmals nur von der Größe eines Wohnwagens, die die Kasse schonen und gleichzeitig mehr Lebensqualität verheißen. Nachhaltig ferner der Umgang mit dem Auto. Wo sonst jeder Häuslebauer eine eigene Auffahrt für wichtig erachtet, oder zumindest einen Stellplatz vor der Haustür, da sind jetzt Gemeinschaftsparkplätze vorgesehen. Und wo Regenwasser auf eine der wenigen versiegelten Flächen trifft, da wandert es nicht mehr in die Kanalisation. Sogenanntes Grauwasser, also auch noch leicht verschmutztes Abwasser aus Badewannen, Duschen und Spültischen, sammelt sich den Vorstellungen der Planer zufolge in Schilfkläranlagen. Bike- und Carsharing runden das angedachte Angebot ab. Ein Baumlehrpfad der ehemaligen Baumschule solle erhalten bleiben, ein Moorlehrpfad unter Umständen neu angelegt werden.

Allerdings zeichnen sich auch schon erste Konflikte ab. Die aufgelaufenen Bäume, Überbleibsel aus vergangenen Kulturen der Baumschule, sie haben inzwischen einen neuen Status erreicht. „Die Untere Naturschutzbehörde wertet diese Teilstücke inzwischen als Wald“, so Thies. Und das bedeute, es müsse ein Abstand zum Waldsaum gehalten werden. Von bis zu 35 Metern ist die Rede oder alternativ eine sogenannte Waldsaumrückverlegung mit Waldaufbau auf Ausgleichsflächen andernorts. Ob darin allerdings schon ein K.o.-Kriterium liegt, blieb offen. „Möglich ist eventuell auch eine Waldsaumrückverlegung ohne Abholzen, aber mit einer Anpflanzung auf einer Ausgleichsfläche“, gab Fachbereichsleiterin Birgit Koröde einen Einblick in Fallstricke und Chancen bundesdeutscher Baugesetzgebung.

In der Politik laufen die Planer offene Türen ein. Zwar stellte Lars Brennecke (CDU) fest, für eine Fläche von viereinhalb Hektar werde vergleichsweise wenig Wohnraum geschaffen, dennoch würdigte er die Initiative. „Wir wollen eine wachsende Stadt, wir wollen wachsende Wohnbebauung. Und wenn dies alles auf ökologisch sinnvolle Weise geschieht, ist sehr viel erreicht.“ In dieselbe Kerbe schlug Carsten Hauschild: „Das kann zum echten Aushängeschild für die Stadt Verden werden.“ Auch die Grünen haben sich mit dem Projekt angefreundet. „Ein sehr gelungenes Vorhaben, auch sozial mit dem Gemeinschaftshaus. Für Kinder, die dort aufwachsen, ein sehr schönes Umfeld“, stellte Rasmus Grobe fest. Einstimmig brachte der Ausschuss die neue Bauleitplanung auf den Weg. Das letzte Wort hat in der kommenden Woche das zweithöchste Gremium der Stadt, der Verwaltungsausschus. Auch hier wird eine Zustimmung erwartet.

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