Serie Frauen in der Feuerwehr (Teil 8): Ann-Kathrin Söhl aus Walle

Großes Herz für den Nachwuchs

Feuerwehrfrau in voller Montur vor einem roten Feuerwehrfahrzeug.
+
Die volle Montur hat Ann-Kathrin Söhl, von Beruf Erzieherin, auch schon mal mit zur Arbeit genommen. Die Kinder fanden es toll – und fragten sie Löcher in den Bauch.

Bei den Freiwilligen Feuerwehr steigt der Frauenanteil. Auch in Verden. Eine von den weiblichen Aktiven ist Ann-Kathrin Söhl, Mitglied der Ortswehr Walle und Mitbegründerin der dortigen Kinderfeuerwehr.

Verden-Walle – Damit eine Feuerwehr, egal ob auf beruflicher oder ehrenamtlicher Basis, gut funktioniert, bedarf es vieler Menschen, die Hand in Hand arbeiten. Solche, die die Lage beurteilen und daraufhin Entscheidungen treffen. Und solche, die verlässlich umsetzen, was andere beschließen. Eine von diesen „Umsetzern“ ist Ann-Kathrin Söhl aus Walle.

Die gebürtige Langwedelerin ist seit 2007 Mitglied der Waller Feuerwehr. Vor allem, um sich endlich einen Wunsch zu erfüllen, der schon lange in ihr schlummerte. Zu Hause war es der Bruder, der ehrenamtlich bei der Feuerwehr aktiv war. „Das war immer spannend“, erinnert sie sich an das Gefühl, wenn er nach der Alarmierung mit Schmackes losfuhr. In Walle wollte sie „diejenige, welche“ sein.

Es sollte ein Ehrenamt sein, in dem man helfen kann

Auch der Gedanke, mit dem Beitritt ein Teil des Dorflebens zu werden, habe eine Rolle gespielt, berichtet die 33-Jährige. „Das hätte auch der Schützenverein sein können“, fügt Ann-Kathrin Söhl hinzu. „Aber es war für mich klar: Es sollte ein Ehrenamt sein, wo ich jemandem helfen kann.“

Dass Ehemann Henning ebenfalls Mitglied der Ortsfeuerwehr Walle ist, trug sicher sein Übriges zu der Entscheidung bei. Der Partner hatte jedenfalls nichts dagegen einzuwenden, sein „Hobby“ künftig zu teilen. Und auch die anderen männlichen Aktiven seien sehr offen gewesen, als sie, die Quereinsteigerin, gemeinsam mit einer weiteren Anfängerin zur Einsatzabteilung kam, berichtet sie. Nie habe sie gehört: Was wollt ihr denn hier?

Im Gegenteil. „Die Feuerwehr ist wie eine zweite Familie“, beschreibt Ann-Kathrin Söhl, was sie – neben den Einsätzen – mit dem Ehrenamt verbindet. Es sind die schönen Erinnerungen.

Auch an Helgoland. Jahr für Jahr werden für die der Insel vorgelagerte Düne Feuerwehrmänner und -frauen gesucht, die zu viert den Brandschutz dort gewährleisten. Auch die Söhls bewarben sich mal dafür – und erhielten den Zuschlag.

Ann-Kathrin Söhl muss lachen, als sie an die Teilnahme am Domweihumzug im Jahr nach ihrem Beitritt denkt. Da holte sich die Waller Wehr Platz 1 für den schönsten Wagen. Gut möglich, dass das Motto die Jury überzeugt hatte. Es lautete „Frauen an den Brandherd“.

Sie habe mitgemacht, „um echt ein Statement zu setzen“, sagt die 33-Jährige. „Wir gehören nicht an den Herd! Wir können auch löschen!“

Frauenanteil bei Waller Wehr am höchsten

Der selbstbewusste Auftritt der Waller Feuerwehrfrauen ermutigte dann offenbar auch andere zum Beitritt. Jedenfalls habe es bald danach so viele weibliche Aktive gegeben, dass es bei den Stadtwettkämpfen für eine reine Frauenmannschaft gereicht habe, berichtet sie. Und stolz erklärt sie, dass der Frauenanteil in Walle mit 34 Prozent der höchste sei unter den Verdener Ortswehren.

Ihre eigenen Aktivitäten bei der Wehr musste Ann-Kathrin Söhl jedoch alsbald zurückschrauben. Sie wurde schwanger, schaffte es noch, den Truppmann-Lehrgang II zu machen – „mit dicker Murmel“ – und legte nach der Geburt von Sohn Pepe erst einmal eine Babypause ein.

Den Einsatz an vorderster Front überließ die junge Mutter nun ihrem Mann. „Ich war nicht von der Bildfläche verschwunden“, betont sie. „Aber es wurde halt ruhiger.“

Drei Jahre später kam Töchterchen Lotta zur Welt. Bei einem Alarm mit durchzustarten, das wurde damit noch schwieriger. Denn das war stets von Fragen begleitet wie Was ist los? und Wie lange kann das dauern?

Sohn Pepe kann bald von der Waller Kinder- in die Jugendfeuerwehr übertreten. Aber mit Schwester Lotta steht auch schon die nächste Söhl in den Startlöchern.

Als auf Stadtverbandsebene dann 2015 mit dem Aufbau einer Versorgungsgruppe begonnen wurde, schloss Ann-Kathrin Söhl sich dieser gerne an. So habe auch sie Möglichkeit gehabt, zu den Einsätzen zu kommen. Aber eben planbarer.

Unter Atemschutz Richtung Flammen vorangehen, den ersten Angriff zu starten, ist aber ohnehin nicht ihre Sache. „Ich bin dann eher bei den Menschen“, sagt sie und meint damit nicht nur die Unterstützung der Kameraden, sondern auch das Kümmern um Opfer. Der Umgang mit Betroffenen, das tröstende Wort zur rechten Zeit, das liegt ihr.

Als Erzieherin in Feuerwehrmontur zur Arbeit

Sicher nimmt die gelernte Erzieherin hier einiges aus ihrer beruflichen Tätigkeit mit. Umgekehrt freuen sich die Kinder, wenn sie ihr in der Kita Borstel Fragen zur Feuerwehr stellen können. „Ich bin auch schon mal mit meinen Sachen zum Kindergarten und hab’ ihnen alles erklärt“, verrät sie. Und als ihre eigenen Kinder zeitgleich die Kita in Walle besuchten, seien sie und ihr Mann sogar mal mit dem Feuerwehrauto vorgefahren. Was für ein Auftritt!

Und was für eine Nachwuchswerbung. Die allerdings betreibt Ann-Kathrin Söhl inzwischen vorrangig bei der Kinderfeuerwehr in Walle, die sie 2017 mit gründet. Damals noch gemeinsam mit Aktiven aus Dauelsen, Eissel und Scharnhorst. Seit 2019 aber gehen die Gruppen getrennte Wege. Anders war der großen Nachfrage nicht beizukommen. Die 33-Jährige freut das. „Wir brauchen ja den Nachwuchs.“

Die nächste Generation steht in den Startlöchern

Ein Dutzend Mädchen und Jungen im Alter zwischen sechs und zwölf Jahre gehören der Waller Kinderfeuerwehr unter der Leitung von Wilfried Mesenbrink an. Ann-Kathrin Söhl fungiert als seine Stellvertreterin.

Auch Sohn Pepe gehört dazu. Noch. Denn bald kann er in die Jugendwehr wechseln. Für ihn rückt dann Schwester Lotta nach. Beide sind von den Eltern schon als Babys mit ins Feuerwehrhaus mitgenommen worden. Dass sie nun selber dort aktiv sind, „das macht einen natürlich stolz“, sagt ihre Mutter über diese sehr persönliche Form der Nachwuchsförderung.

Von Katrin Preuss

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Biden und Putin gehen beim Gipfel in Genf aufeinander zu

Biden und Putin gehen beim Gipfel in Genf aufeinander zu

Meistgelesene Artikel

Parkhaus Brückstraße: Feuchtigkeit sorgt für Desaster

Parkhaus Brückstraße: Feuchtigkeit sorgt für Desaster

Parkhaus Brückstraße: Feuchtigkeit sorgt für Desaster
Kino steht in den Startlöchern: Verdener Cine City öffnet am 1. Juli

Kino steht in den Startlöchern: Verdener Cine City öffnet am 1. Juli

Kino steht in den Startlöchern: Verdener Cine City öffnet am 1. Juli

Kommentare