Shanty Chor Verden wird 20 Jahre / Rückblick statt Geburtstagsfeier

Großes Fernweh im heimatlichen Hafen

Keine Lätarespende ohne den Shanty Chor Verden: das Ensemble auf der Rathaustreppe in Verden.
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Keine Lätarespende ohne den Shanty Chor Verden: das Ensemble auf der Rathaustreppe in Verden.

Verden – Seeluft, Wind, Wellen, Schiffe und das Gefühl von Freiheit: Wenn Shantys singen, dann kommt Fernweh auf und auch ein wenig Sentimentalität, verbunden mit Einsamkeit. Letzteres überwiegt derzeit, das Fernweh wird dadurch eher mehr. Denn Pandemie und Reisen, das verträgt sich nicht. Deshalb müssen die Mitglieder des Shanty Chors Verden im heimatlichen Hafen bleiben.

Auch am 20. Geburtstag, den das Ensemble eher still, weil jeder für sich ist, feiern wird. „Da bleibt uns nichts anderes übrig, auch wenn es schwerfällt“, so Peter Schramm, Pressewart des Chors.

Aber wenn man schon im Heimathafen bleiben muss, dann gibt es zumindest die Geschichten und vielleicht auch ein bisschen Seemannsgarn. Denn so viel ist sicher: Ein Shanty, der schwelgt gerne in Erinnerungen. „Ein bisschen Sentimentalität gehört bei uns schon dazu“, sagt Peter Schramm.

Er selbst stieß zwar erst kurz nach der Gründung des Vereins zu den Sangesbrüdern, doch eins haben die mittlerweile 40 Shantys gemeinsam: „Wir sind alle begeisterte Anhänger des maritimen Liedgutes“, erzählt Schramm.

Die Begeisterung dafür trieb auch die Gründungsmitglieder an, den Verein im Jahre 2001 vom Stapel laufen zu lassen und in See zu stechen. Und die Geschichte entwickelte sich zusehends, oder – um im Bilde zu bleiben – mee(h)r und mee(h)r – zu einem Erfolgsmodell. Der Chor schipperte sich durch zuweilen auch mal stürmische See, umschiffte so manche Klippe und machte erfolgreich in so manchem Hafen fest: „Lieder von der Seefahrt, von den Meeren und von fernen Ländern, die Menschen mochten und mögen das hören“, erzählt Peter Schramm. Sogar in fremden Sprachen versuchten sich die Shantys, was ebenfalls gelingen sollte. So hörte das Publikum den Chor, wie er auf Plattdeutsch, Englisch und Holländisch sang.

Auch Shantys brauchen einen Kapitän, der den Ton angibt. Im Verdener Ensemble ist das Günter Ampf. Der Kapitän, das heißt, in diesem Fall der Dirigent, muss wissen, wo es lang geht. Da haben die Shantys es mit Ampf gut getroffen, der, bis auf eine kurze Unterbrechung, die Männer zu führen weiß. Zuverlässigkeit, Einsatzfreude gepaart mit Weitblick zeichnen den Dirigenten aus. Schließlich nicht selbstverständlich, dass eine Mannschaft immer reibungslos funktioniert. Meuterei unter 40 Leuten, dann kann das Schiff schon mal aus dem Ruder laufen. Tut es bislang aber nicht.

Die Erinnerungen an den ersten Auftritt seien noch immer sehr präsent, weiß Peter Schramm. Damals, nur wenige Monate nach der Gründung, stellte sich die Mannschaft im Eichenkrug Früchtnicht in Dauelsen auf und unterhielt in kleiner Runde die „Plattdütschen in"n Kreis Veern“. Liedgut, Rhythmus und Gesang kamen bestens an, und schon wenig später lockte das nächste Abenteuer: das erste Konzert im voll besetzten Saal des Soldatenheims in Barme. „Leinen los“, so der schon fast kämpferische Titel des öffentlichen Auftritts „auf hoher See“. Und der Chor setzte alle Segel. Die Verdener Aller-Zeitung titelte damals: „Shanty-Chor Verden macht Appetit auf Meer“.

Das schien der Türöffner für weitere Törns in der Region und darüber hinaus. Auch Festivals, Treffen mit anderen Shanty-Chören steuerte die Verdener Gruppierung an. „Unvergessen ist das Festival in Winschoten in der niederländischen Provinz Groningen“, erzählt Schramm. Ganz besonders gerne erinnert er sich aber an einen Besuch im Niedersächsischen Landtag. „Der damalige Verdener Abgeordnete Wilhelm Hogrefe hatte uns dazu eingeladen. Wir durften auf dem Flur des Parlaments singen, was natürlich für einiges Aufsehen sorgte“, erzählt Schramm und muss, denkt er an die Bilder, ein wenig schmunzeln.

In der hiesigen Region machte sich der Chor insbesondere bei den Frühjahrskonzerten einen Namen. Eindrucksvoll zudem die Auftritte in den Adventswochen in verschiedenen Kirchen in Verden und Umgebung. Mit einem großen Event, einem Hafenkonzert, wurde zudem der zehnte Geburtstag auf dem Gelände des Wasser- und Schifffahrtsamtes gefeiert.

Die Liebe zur rauen See, da liegt eine Seelenverwandtschaft mit den Piraten nahe. Wenn Störtebeker zur Lätarespende den Rathausplatz in Verden entert, dann können er und seine Viktualienbrüder sicher sein: Die Shantys, wie aus dem Ei gepellt in schwarzen Hosen, blau-gestreiften Hemden und schmuckem roten Halstuch, stehen bereit und singen dem Seeräuber ein Ständchen. Klaus Störtebeker weiß das zu schätzen, das Publikum spendet dazu – seit Jahren – ausdauernd Beifall.

Den stimmlichen Schliff holt sich der Shanty-Chor bei regelmäßigen Übungsabenden im Dorfgemeinschaftshaus Scharnhost. Circa 150 Lieder umfasst das Repertoire. Vier CDs belegen die stimmliche Kraft der Mannschaft. Das würde allemal für eine Reise um die Welt reichen.

Eine regelmäßige Auffrischung, intensives Training, ohne das geht es aber nicht. „Zurzeit herrscht, coronabedingt, natürlich Funkstille“, bedauert Schramm. Einen letzten Versuch gab es im Sommer, vor dem Lockdown. Da hallten Seemannslieder durchs Verdener Stadion, begleitet von stimmungsvoller Akkordeonmusik. Aber auch das geht nicht mehr.

Was bleibt? „Morgens im Bad, da wird ab und an getestet, damit die Stimmbänder nicht ganz einrosten“, nimmt Schramm es mit ein wenig Humor. Ein Ersatz für Chor und Gemeinschaft ist das aber nicht. „Wir hoffen natürlich alle, dass wir möglichst bald wieder singen dürfen“, sagt der Pressewart. Bis dahin heißt es: treu im heimatlichen Hafen auszuharren und sich auf den Blick in die Ferne zu beschränken.

Von Markus Wienken

Gründeten den Shanty Chor Verden vor 20 Jahren (v.l.): stellvertretender Vorsitzender Herbert Rode, Schriftwart Friedhelm Städing, Chorleiter Günter Ampf, 1. Vorsitzender Jürgen Bolte, Kassenwart Klaus Mey und Pressewart Bernd Hildebrand.

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