Er starb vor 150 Jahren

Christoph Gottlieb Pfannkuche: Ein großer Freund der Bücher

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Christoph Gottlieb Pfannkuche.

Verden - Von Markus Wienken. Es ist zweifellos ein Schatz, der sich in der Bücherei des Domgymnasiums verbirgt und dort einen Dornröschenschlaf hält – die gesammelten Werke von Christoph Gottlieb Pfannkuche, ehemaliger Bürgermeister von Verden, aber vor allem auch ein Freund der Bücher und des Wortes.

Am 27. Februar jährt sich der Todestag Pfannkuches zum 150. Mal. „Eine gute Gelegenheit an diesen besonderen Mann und seine Bücher, seine Verbindung zur Literatur zu erinnern“, so Hartmut Bösche, der sich mit einem kleinen Arbeitskreis um das Wohl der Sammlung kümmert, aber auch sorgt.

Was der umtriebige Literat und Jurist Pfannkuche der Nachwelt bei seinem Tode hinterließ, dürfte jedem Historiker Freude bereiten. So auch Hartmut Bösche, der über Pfannkuche einen Beitrag im „Jahrbuch für den Landkreis Verden 2018“ schrieb. Immer wieder habe der damalige Bürgermeister schon zu seinen Lebzeiten die Bücherei des Domgymnasiums mit wertvollen Büchern und Sammlungen versorgt. 

Alte Verdener Schulprogramme und klassische lateinische Schriften, teils über 300 Jahre alt. „Im Jahre 1855, Pfannkuche trat im Alter von 70 Jahren als Bürgermeister ab, lieferte er Schriften von Meibom, Leibniz, Rethmeier, Losius, Pfeffinger, Cassel und Rathlef in die Bibliothek des Gymnasiums“, weiß Bösche.

Schule und Bücher allgegenwärtig

Geboren wurde Christoph Gottlieb Pfannkuche am 15. Mai 1785. Der gleichnamige Vater war seit 1772 zweiter Prediger am Dom, seit 1780 Pastor der St.-Johanniskirche. Schule und Bücher waren in der großen Familie, Pfannkuche wuchs mit neun Geschwistern auf, allgegenwärtig. Der Pastor bildete zusammen mit dem Domprediger, dem Bürgermeister und einem Ratsmitglied das „Collegium scholarchale“, die Aufsicht über die Domschule.

Im Jahre 1802 begann der begabte Lateinschüler sein Studium in Göttingen. Hier konnte er neben Jura seine Liebe zur Geschichte und den alten Sprachen pflegen. Rechtswissenshaft lehrte Gustav Hugo. Er war neben Savigny der Begründer der historischen Jurisprudenz und gab dazu seit 1790 sein Lehrbuch des Pandecten-Rechts heraus. „Das gelangte über Pfannkuche bis in die Verdener Schulbibliothek, wo es heute noch steht“, so Bösche.

Im September 1805 machte Pfannkuche sein Diplom als Notar und Richter, wechselte nach Bruchhausen, ehe er 1806, im Alter von 21 Jahren, nach Verden zurückkehrte, und Mitglied des Magistrats wurde. Unter der Herrschaft der Franzosen stieg er zum Friedensrichter im Kanton Achim auf. Als das Regime 1813 endete, kehrte Pfannkuche nach Verden auf seinen Posten als Senator im Magistrat zurück.

Ohne eigene Familie blieb ihm neben dem Beruf Zeit, sich den Fragen der Rechtsstellung Verdens zu widmen. „Hier waren der Historiker und der Jurist gleichermaßen gefordert“, so Bösche. „Und hier fand der Senator seine Lebensperspektive. Bei seinen Arbeiten und Nachforschungen stieß der Autor jedoch immer wieder an Grenzen. „Schmerzlich empfand er an seinem abgelegenen Ort das Fehlen hilfreicher Literatur“, schreibt Bösche.

Jäger nach seltenen Büchern

Diese Not dürfte Antrieb für Pfannkuchens leidenschaftliche Jagd nach seltenen Büchern und Abschriften gewesen sein. „Leitfaden war ihm das 1769 vom Stader Generalsuperintendenten Pratje herausgegebene Literaturverzeichnis zur Verdener Geschichte“, berichtet Bösche. Pfannkuche beschaffte ein vollständiges Exemplar. 

Seit 1856 steht es in der Bibliothek des Domgymnasiums. Selten zu finden in großen Büchereien sei auch Luckes „Sylloge Numismatum Elegantiorum“ von 1620. „Ein umfangreiches Werk mit zahllosen Kupferstichen aller Gedenkmünzen des 16. Jahrhunderts. Wo Pfannkuche es fand, ist heute ein Rätsel, aber er beschaffte das Buch und überließ es am Ende seiner Schule“, so Bösche.

Mappe um Mappe habe Pfannkuche mit Notizen und Abschriften gefüllt. „Auf viel Verständnis für seine Leidenschaft stieß er in seiner Umgebung nicht“, schildert Bösche weiter. Eine Vorahnung, dass auch sein Erbe nicht die entsprechende Würdigung finden würde, muss den Senator beschlichen haben. Ohne direkte Nachkommen, vermachte er seine komplette Bibliothek dem Domgymnasium. „...Dieser ist dadurch ein Zuwachs von 2 000 Bänden geworden, viele von diesen Werken sind recht werthvoll, besonders für das Gebiet der Geschichte und das der deutschen schönen Literatur...“, zitiert Bösche aus dem Programm des Domgymnasiums von 1867/1868.

Großes Erbe

Pfannkuches Erbe ist groß, was fehlt ist hingegen eine in sich schlüssige Aufarbeitung. Ansätze hat es immer wieder gegeben. „Man hätte die Bibliothek als geschlossenen Bestand aufstellen müssen“, formuliert Bösche. Doch was nicht ist, kann noch werden: „150 Jahre nach dem Tod Pfannkuches bleibt die Aufgabe, seine Sammlung zu katalogisieren und damit deren Wert endlich richtig einzuschätzen. Erst dann ist Pfannkuches testamentarische Bedingung erfüllt“, fordert Bösche und schließt mit einem Zitat aus dem Nachlass des Senators: „Ich möchte die noch nicht gezogenen Resultate meiner Bestrebungen nicht willkürlich zersplittert sehen.“

mw

Ausführlicher Beitrag dazu im Jahrbuch für den Landkreis Verden 2018 (Heimatkalender), „Christoph Gottlieb Pfannkuche – Ein Verdener Bibliomane“, von Hartmut Bösche.

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