Hausärzte gesucht

„Glücksritter brauchen wir nicht“

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Die Hausärzteversorgung im Landkreis Verden ist im Landkreis noch gewährleistet. Der Kreistag hat ein Auge darauf.

Landkreis - Von Ronald Klee. Die Alterung unserer Gesellschaft hat viele Folgen. So wächst der Bedarf an medizinischen Leistungen, während die hausärztliche Versorgung vor allem auf dem platten Land schwieriger wird. Um die Lücken zu füllen muss sich die Kassenärztliche Vereinigung (KVN) schon ordentlich ins Zeug legen. „Im Landkreis Verden ist die Versorgung noch gut“, konnte KVN-Geschäftsführer Michael Schmitz allzu große Befürchtungen im Sozial- und Gesundheitsausschuss des Kreistags beruhigen. Wie schon in Westen könnten aber nicht mehr überall frei werdende Praxen besetzt werden.

„Die Voraussetzungen im Landkreis Verden sind unterschiedlich“, darauf machte Landrat Peter Bohlmann in der Sitzung aufmerksam. Für die Mittelzentren Verden und Achim, aber auch für die Bremer Randgebiete, seien junge Ärzte leichter zu gewinnen. Das bestätigte auch Michael Schmitz. Anders sei es jedoch in den ländlichen Bereichen. Nicht umsonst hatte der Landkreis mit der Gemeinde Thedinghausen das Projekt „Regionale Daseinsvorsorge“ im Rahmen des vom Bund geförderten Modellvorhabens der Raumordnung gestartet. In Westen habe sich die Wiederbesetzung einer Praxis als komplett unmöglich erwiesen, und sogar eine Petition war beim Landkreis eingegangen, die sich für eine Lösung in Dörverden einsetzt.

Nachbarkreise rekrutieren Ärzte

Die Nachbar-Landkreise Diepholz, Nienburg, Rotenburg und der Heidekreis beteiligen sich mittlerweile, zum Teil mit finanziellen Anreizen, an der Rekrutierung von Ärzten. Für die Vorsitzende des Ausschusses, Dr. Dörte Liebetruth (SPD), war das Anlass, sich in einer offiziellen Anfrage nach der Lage im Kreis und der Haltung der Verwaltung zu erkundigen.

In seinem Überblick machte Schmitz deutlich, dass sich die Grundsituation seit seinem letzten Bericht vor ein paar Jahren nicht verändert hat. Aber die Lage habe sich verschärft. Die Kassenärztliche Vereinigung gehe bei einem Stand von 110 Prozent von einer Überversorgung aus. Dem kämen die Städte Achim und Verden mit aktuell gut 108 Prozent recht nahe.

Von Unterversorgung spreche die KVN, wenn nur noch 75 Prozent erreicht werden, erläuterte Schmitz. Und auch dem könnten die beiden Städte mit 78 und 77 Prozent in absehbarer Zeit recht nahe kommen. Dazu müssten nur die Ärzte in den Ruhestand gehen, die derzeit dem Rentenalter nahe sind.

„Die Aufgabe ist, Ärzte für die Niederlassung zu gewinnen“, ist Michael Schmitz klar. Die KVN habe sich darauf eingestellt und berate die älteren Ärzte, wie sie die Praxisnachfolge organisieren, und junge Ärzte, wie sie die Niederlassung hinbekommen können.

Stipendien, Prämien und Umsatzgarantien

Erfolgversprechend wertete Schmitz Lehrpraxen, in denen angehende Mediziner ihre Ausbildung abschließen könnten. Eine solche Praxis werde derzeit bereits in Verden betrieben. Sogar Stipendien für Studenten würden vergeben, Finanzierungshilfen für die Investitionen in eine Praxis und sogar Prämien und Umsatzgarantien für die Anfangszeit. Allerdings zeigte sich Schmitz nicht als Freund von Scheckbuchpolitik: „Glücksritter brauchen wir nicht.“ In schwierigen Fällen könnte aber eine Prämie den letzten Anstoß geben.

Im Übrigen sei die Lage nicht hoffnungslos. Der Geschäftsführer vermutet, dass die KVN mit diesen Mitteln ihren Versorgungsauftrag noch zehn Jahre erfüllen kann. Allerdings rechne er mit einem Strukturwandel. Die althergebrachte Einzelpraxis werde teilweise gemeinschaftlichen Niederlassungen weichen. Auch müssten Patienten sich darauf einstellen, dass sie ihren Hausarzt im nächsten größeren Ort finden. Gegen eine Zusammenarbeit mit betroffenen Gemeinden und dem Landkreis sei vor allem in schwierigen Fällen nichts einzuwenden.

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