Regionale Firma kündigt nächsten Ausbau an / Wettbewerber Glasfaser Nordwest zurückhaltend

Superschnelles Internet jetzt für Verden-Ost

Bündel Glasfaserkabel.
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Schnelle neue Internet-Welt: In solchen Strängen zieht Breitband in viele Häuser.

Der Glasfaser-Wettbewerb zwischen David und Goliath in der Stadt Verden geht in die nächste Runde. Ein regionaler Anbieter kündigt nächste Verlege-Absichten an, der norddeutschlandweit tätige Rivale hält sich noch bedeckt.

Verden – In der Stadt Verden zeichnet sich eine Vorentscheidung auf dem hart umkämpften Markt des superschnellen Internets ab. Während das regionale Unternehmen TM-Net des Verdeners Marco Bungalski Glasfaser-Ausbaupläne für das gesamte Stadtgebiet und einige Ortsteile zum Genehmigen ans Rathaus versendet hat, plant Hauptkonkurrent Glasfaser-Nordwest aktuell keine Aktivitäten an der Allermündung. Jedenfalls ist auf der Homepage des Oldenburger Konsortiums aus Telekom und EWE kein weiterer Bauabschnitt angekündigt. Völlig entschieden ist aber noch nichts.

Die Stadtverwaltung dürfe nicht reglementierend eingreifen und werde es auch nicht tun, sagt Rainer Kamermann aus dem Rathaus. Klartext: Komme Glasfaser-Nordwest doch noch mit weiteren Plänen um die Ecke, würden auch sie genehmigt, dies allerdings mit möglicherweise einigen Auflagen.

Lose nennt Bungalski jene farblich unterlegten Stadtpläne, mit denen er den Raum zwischen Autobahn und Aller systematisch mit der schönen schnellen Technik versorgen will. Die Lose eins und zwei mit den Neubaugebieten in Dauelsen und dem Meldauer Berg sind erschlossen, jetzt will sich Bungalski in Los drei dem Bereich Gibraltarstraße/Salzstraße widmen. Als Los vier komme Borstel in Frage. Über weitere Zeitpläne sei noch nicht abschließend entschieden, vieles hänge von der Resonanz der Anlieger ab, beispielsweise in der Innenstadt. Nur so viel stehe für ihn fest: Bis Ende des Jahres solle auch das neunte Los vollendet sein, das letzte Los Verdens, die gesamte Stadt östlich der Aller wäre damit versorgt.

Stolpersteine: Noch sind die Überbleibsel aus dem Glasfaser-Wettlauf des vergangenen Jahres nicht komplett beseitigt. An zahlreichen Stellen, hier an der Elisabeth-Selbert-Straße, müssen die Verlegungsfirmen nachbessern.

So konkret lässt sich die Glaser Nordwest nicht in die Karten schauen. Deren Pressesprecher Tim Bunjes erklärt auf Nachfrage, aus kartellrechtlichen Gründen könne das Unternehmen zurzeit keine Ausbaupläne kommunizieren. Er bezieht sich auf ein Urteil des Düsseldorfer Oberlandesgerichtes, das dem Oldenburger Unternehmen wie berichtet die Genehmigung zum Glasfaser-Ausbau entzog. Sollte sich die Möglichkeit für weitere Aktivitäten ergeben, wolle man sich melden.

Völlig ausgestanden ist der Wettbewerb mit harten Bandagen des vergangenen Jahres immer noch nicht. Begonnen hatte alles mit der Glasfaser Nordwest, die Anfang Juni ankündigte, sie starte den Glasfaserausbau am Plattenberg und in Dauelsen.

Nur wenige Tage später setzte Bungalski seine Tiefbaufirmen in denselben Gebieten in Marsch. Er sei überrascht von der Initiative des Wettbewerbers, aber er werde seine Heimatstadt Verden nicht kampflos aufgeben, sagte er damals. Tatsächlich entwickelte sich ein Glasfaser-Galopp mit skurrilen Ausmaßen. Nicht selten, dass ein und derselbe Gehweg nur wenige Tage, nachdem er ein erstes Mal aufgegraben und zugeschüttet wurde, einem zweiten Mal diesem Prozedere unterzogen wurde. Hausbesitzer reagierten verschnupft. „Es nervt nur noch.“

Mit den Folgen ist die Aufsichtsbehörde sogar in diesem Jahr noch beschäftigt. Nachdem die Stadtverwaltung Anfang Oktober aufgeregte Anlieger mit einem Post in Sozialen Medien beruhigt hatte, die beteiligten Firmen würden die Dellen auf den Radwegen ausbessern, in die Kritik geraten war vor allem die Glasfaser Nordwest, müsse sogar jetzt noch ein waches Auge gehalten werden. „Das beschäftigt uns beinahe täglich“, sagt Kamermann. Hier eine Gehwegplatte, die wackele, dort ein hochstehender Pflasterstein, der zur Stolperfalle werden könne. „Da muss jedes Mal nachgebessert werden.“

Gut möglich, dass daraus Konsequenzen gezogen werden. In anderen Kommunen, Rethem etwa oder Walsrode, waren konkurrierende Glasfaser-Anbieter vor die Wahl gestellt worden, entweder in einem gemeinsamen Arbeitsgang beide Stränge zu vergraben oder mindestens ein Jahr Pause abzuwarten. Auch ein sogenanntes Aufreißverbot für einige Jahre bei neu ausgebauten Straßen komme in Frage. Beides sei in Verden allerdings noch kein Thema gewesen, so Kamermann: „So hart haben wir das bisher nicht durchgezogen.“

Zwischenzeitliche Versuche, den Markt aufzuteilen, sind dem Vernehmen nach gescheitert. „Es hat ein Gespräch zwischen Vertretern beider Firmen gegeben“, bestätigt etwa Marco Bungalski. Allerdings habe die Glasfaser Nordwest lediglich angeboten, sie baue alles aus, und Bungalski könne sich einmieten. Das habe er abgelehnt, wie er sagt.

Unklar noch, welche der beiden Firmen sich bei den schon verlegten Hochgeschwindigkeitsadern durchsetzt. Die Glasfaser Nordwest erklärte, sie habe mit dem Ende der Bauarbeiten ab Oktober die Suche nach Kunden gestartet. Wie viel Verträge unterzeichnet sind, darüber macht das Oldenburger Unternehmen keine Angaben. „Das würde einen Eingriff in den Wettbewerb bedeuten“, sagt Bunjes.

Offener reagiert Bungalski. Mit rund 1 000 Haushalten habe er in Verden inzwischen eine Einigung über einen Anschluss erzielt. Für beide Unternehmen also noch viel Luft nach oben. Insgesamt geht es an der Allermündung um mehr als 10 000 Haushalte.

Von der Entscheidung der Verdener Hausbesitzer wird eine Signalwirkung für große Teile des Restkreises erwartet. Wer an der Allermündung vorn liegt, dem werden große Chancen auch für den restlichen Süd- und Westkreis eingeräumt. Bungalski strahlt bereits Optimismus aus. Er werde als nächstes Breitband in Thedinghausen und Kirchlinteln verlegen. Wie berichtet, hat sich die Glasfaser Nordwest in Achim durchgesetzt. In Ottersberg ist mit der Bin ein ebenfalls örtliches Unternehmen am Start.

Kilometerweise und oft doppelt verschwanden Glasfaserkabel vergangenes Jahr im Erdreich Verdens.

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