Eisseler Imker entwickeln Strategie gegen Bienensterben

Gezielter Kampf gegen die agressive Varroamilbe

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Olaf Rakow (r.) zeigt, wie die Ameisensäure mit einer Spritze aufgebracht wird. Heinrich Kersten (hinten, mit Mütze) erklärt die weiteren Schritte.

Verden/Eissel - Das Bienensterben setzt den Imkern bundesweit zu, in Niedersachsen sind im Schnitt 21,6 Prozent Verlust zu beklagen. Die Ursache ist häufig der Befall der Völker mit der Varroamilbe.

Gute Erfahrungen im Kampf gegen den Schädling haben die Imker in Verden-Eissel gesammelt. „Es ist eine Vielzahl an Maßnahmen, die wirksam helfen können“, so Heinrich Kersten.

Der Erfolg spiegelt sich in Zahlen wider. In Eissel betrug der Verlust bei den Bienenvölkern 2016/2017 seit der Einfütterung im Juli vergangenen Jahres bei 48 eingewinterten Völkern lediglich 8,5 Prozent. Zahlen, die aufhorchen lassen und Kollegen von Kersten haben hellhörig werden lassen. 

Um zu zeigen wie in Eissel im Kampf gegen die gefürchtete Milbe vorgegangen wird, hatte der Eisseler Imkerkollegen und Bieneninteressierte zu einer Unterweisung beim Schulungsbienenstand in Eissel eingeladen. Gemeinsam mit seinem Imkerkollegen Olaf Rakow zeigte er, welche Methoden der Varroabehandlung sich als wirksam erwiesen haben.

„Wir kochen auch nur mit Wasser, sehen aber die ,Person hinter dem Bienenstock’ als sehr einflussreichen Faktor über Erfolg oder Misserfolg der Imkerei an“, so Kersten. Weiter machte er deutlich, dass Eissel keineswegs auf einer „Insel der Selbstherrlichkeit“ oder im Naturschutzpark liegt. „Die Bienenstände sind umgeben von aktiver Landwirtschaft. Und das ist auch gut so. Wir wollen zur Bestäubung unseren Beitrag leisten“, betonte Kersten.

Bienenstände stehen erhöht

Zunächst sind es einige ganz einfache Maßnahmen, die helfen, die Völker gesund zu erhalten. Sie stehen in Eissel auf einem Balkengerüst. Das Flugloch befindet sich circa 50 Zentimeter über der Erde – also oberhalb des feuchten Bodenmikroklimas.

„Grundsätzlich wenden wir das Drohnenbrutausschneiden frühzeitig und konsequent an“, erläuterte Kersten. Die Drohnenbrut werde von der Varroamilbe bevorzugt befallen. Eine horizontal geteilte Drohnenbau-Wabe verdoppele die Umschlagshäufigkeit und damit die Effizienz dieser Methode.

Bewährt im Kampf gegen die Varroamilbe hat sich zudem die Behandlung mit Ameisen- und Oxalsäure. „Diese Behandlung wird von einigen als Steinzeitmethode definiert. Aber die Erfolge geben uns Recht“, weiß Kersten.

Beginn mit Flüssigfutter

Begonnen wird nach der letzten Schleuderung im Juli zunächst mit einer kleinen Flüssigfuttergabe, um die Königin „bei Laune zu halten“. Eine Woche später erfolgt die Behandlung mit 60-prozentiger Ameisensäure. „Für optimale Effizienz orientieren wir uns am Varroa-Wetter. Ist es zu warm, wird die Behandlung verschoben“, so Kersten. Ziel ist es, einen 21-Tage-Rythmus bei drei Behandlungen einzuhalten. Die Anzahl der Behandlungen ist abhängig vom Befall.

Olaf Rakow demonstrierte den interessierten Imkern, wie die gekühlte Ameisensäure mit einer Spritze am besten auf ein Vlies aufgebracht wird. „Es ist wichtig, dass das Mittel überall hingelangt“, machte er deutlich. In Eissel werden zudem alle Völker eines Standes zeitgleich behandelt, um eine Reinfektion auszuschließen. Als letzter Schritt im Jahr wird im Dezember, wenn die Völker weitgehend brutfrei sind, eine Behandlung mit Oxalsäure durchgeführt.

ahk

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