SERIE FESTE DER VERDENER FEUERWEHR: Anneliese Warncke erinnert sich

Gewimmel in Dunkelblau

„Let’s twist again...“: Auch Tanzwettbewerbe gehörten zum Unterhaltungsprogramm, hier allerdings nicht beim großen Herbstball, sondern beim kleinen Ball im Frühjahr.
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„Let’s twist again...“: Auch Tanzwettbewerbe gehörten zum Unterhaltungsprogramm, hier allerdings nicht beim großen Herbstball, sondern beim kleinen Ball im Frühjahr.

Verden – Endlich ist es soweit. Nur wenige Wochen, nachdem Rolf Warncke sie gefragt hatte, ob sie ihn zum Feuerwehrball begleiten würde, macht sich die junge Anneliese aus Neddenaverbergen hübsch für das Fest. Im schönen blauen Samtkleid geht es auf nach Verden:

„Mit dem letzten Zug war ich an besagtem Abend nach Verden gefahren. Ich wurde am Bahnhof abgeholt von Rolf, diesem jungen blonden Mann in dunkelblauer Uniform, zu der er aus festlichem Anlass ein weißes Oberhemd und eine schwarze Krawatte trug. Er sah verflixt gut aus, und diese hellblauen Augen strahlten mich an, als wir uns begrüßten.

Ich war glücklich, dass er mich vom Bahnhof abgeholt hatte und wir dann Arm in Arm nach dem kurzen Weg bei Höltje ankamen. Rolf nahm mir den Mantel ab, gab ihn in die Garderobe zur Aufbewahrung und dann gingen wir hinein in den Festsaal.

Zu beiden Seiten der Saaltür stand je ein Feuerwehrmann, natürlich in Uniform, als Saalwache, dahinter dann ein Mann in Zivil, der die Einladungskarten verlangte. Die Saalwache hatte die Aufgabe, keine ungeladenen Gäste hineinzulassen und auch die britischen Soldaten fernzuhalten, die zu der Zeit hier in den Kasernen stationiert waren.

Der erste Eindruck: großes Getümmel und Gewimmel in Dunkelblau im Eingangsbereich. Die meisten Männer waren Feuerwehrleute und pflichtgemäß in Uniform erschienen. Mein blaues Samtkleid, wadenlang, ärmellos und mit U-Boot-Ausschnitt, passte auch sehr gut dazu.

Dann aber präsentierte sich dieser Saal in strahlendem Glanz vor mir: helles Licht von vielen Lampen, Blumen, Kerzen, die hohe Decke mit der Galerie zu beiden Seiten und darunter die Lorbeerbäume an den Pfeilern schmückten ungemein und luden ein, hier an einem der festlich hergerichteten Tische Platz zu nehmen, wenn man denn reserviert hatte.

Rolf führte mich über das blanke Parkett an einen langen Tisch links vor der Bühne, an dem schon viele Kameraden gleichen Alters (wohl das junge Volk) Platz genommen hatten.

Der Vorhang der Bühne war geschlossen. Davor hatte man wunderschöne Blumen dekoriert. Und direkt darunter befanden sich die Tische für die Wehr-Führung mit den Ehrengästen. Und weitere ranghöhere Kameraden hatten hier mit ihren Damen Platz genommen – denn auch für sie war dieser gedacht, die ihre Ehemänner/Partner so oft für Einsätze und Dienstabende entbehren mussten.

Natürlich gab es auch eine Kapelle. Die vier oder fünf Musiker hatten ihren Platz an der rechten Längsseite des Saales auf einem kleinen Podest.

Sie spielten fleißig auf, und nachdem der Wehrführer Hermann Meyer die Gäste begrüßt und die Festansprache gehalten hatte, eröffnete er mit seiner Dame den Tanz. Danach durften alle tanzen und es machte herrlich viel Spaß, hier dabei zu sein.

Getränke kamen natürlich nach der Bestellung beim Ober an den Tisch. Doch es gab im Keller auch eine Sektbar und im Saal links, gleich neben dem Eingang, die Theke für einen Likör oder ein Bier zwischen zwei Tänzen.

Dann wurden Lose verkauft, die ziemlich schnell vergriffen waren. Und ab einer bestimmten Uhrzeit konnten die zum Anschauen aufgebauten Preise abgeholt werden.

Es waren für meine Begriffe vergleichsweise wertvolle Preise damals. Die Geschäftswelt habe sich für das Fest der Feuerwehr sehr spendabel gezeigt, meinte ich zu Rolf, und er meinte, dass dies fast immer so sei.

Und hatte man dann so um Mitternacht tatsächlich Appetit bekommen, begab man sich ins Restaurant und bestellt aus der „Nachtkarte“ eine Kleinigkeit, die man hier ungestört genießen konnte.

Bei so viel Aktivitäten und der Tanzerei nach der flotten Musik verging der Abend wie im Fluge. Das war mein allererster Feuerwehrball in Verden im Oktober 1958. Wunderschön in diesem festlichen Saal, und es sollten noch viele folgen, auch in anderen Festsälen. Doch das wusste ich damals noch nicht.

Leider gab es nach dem 11. September 2001, als in Amerika das World Trade Center zerstört wurde und auch sehr viele Feuerwehrleute starben, bis heute in Verden keinen Feuerwehrball mehr. Die Ausnahme war 2019 der Festakt zum 150-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Verden, als dazu in die Stadthalle eingeladen worden war.“

In der nächsten Folge

Der kleine Ball: Wenn es Feuerwehrleute auf die Bühne zieht, ist für Unterhaltung gesorgt.

Wer beim Twist bestehen wollte, brauchte mit Sicherheit elastische Knie.
Anneliese Warncke erinnert sich gerne an die Feste der Verdener Feuerwehr zurück.

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